Die Kanti am Brühl und ihre Schüler sind auch nach 25 Jahren nahe an der Praxis

Die Kantonsschule am Brühl feiert ihr 25-jähriges Bestehen. Gemäss Rektor setzt sie sich mit dem Unterricht der Zukunft auseinander.

Claudia Schmid
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Ursprünglich Handelsakademie, seit 1994 Kantonsschule am Brühl. Bild: Hanspeter Schiess (9. Oktober 2019)

Ursprünglich Handelsakademie, seit 1994 Kantonsschule am Brühl. Bild: Hanspeter Schiess (9. Oktober 2019)

Die Kantonsschule am Brühl (KSB) startete Mitte August 1994 mit ihrem ersten Jahrgang. Sie entstand als Nachfolgeschule der Verkehrsschule und etwas später auch des ehemaligen Lehrerseminars. Ihr Ausbildungsangebot in Fach-, Informatik- und Wirtschaftsmittelschule reicht von Gesundheit über Soziales, Pädagogik, Gestalten, Kommunikation und Information, Wirtschaft und Sprachen bis zur Informatik.

Die 1899 gegründete Verkehrsschule war durch Handel und Verkehr geprägt. Das schlägt sich heute in der Wirtschaftsmittelschule nieder. «Das ökonomische Denken prägt uns zu einem ansehnlichen Teil. Wir arbeiten mit annähernd 200 Betrieben zusammen, in denen unsere Schülerinnen und Schüler Praktika absolvieren», erklärt Mathias Gabathuler, der seit 2010 Rektor der KSB ist. Das Gleiche gelte für die Fachmittelschule und die Informatik-Ausbildung.

Erstes Angebot für angehende Informatiker

Nach der Auflösung des Lehrerseminars übernahm die Kanti am Brühl auch einen Teil der Lehrerausbildung. Das Berufsfeld Pädagogik ist zum grössten aller fünf Berufsfelder der Fachmittelschule geworden. Ausserdem war die KSB die erste Kantonsschule, die 2001 mit dem Schwerpunkt Informatik an der Wirtschaftsmittelschule eine informatische Ausbildung anbot. «Wir haben früh erkannt, dass die Informatik alle Ausbildungsbereiche durchdringt, und setzen sie dementsprechend auf unterschiedliche Weise im Unterricht ein», sagt der KSB-Rektor.

Als Beispiel nennt er die Einführung der wissenschaftlichen Informatik in der Fachmittelschule. «Die Schülerinnen und Schüler müssen ein Verständnis entwickeln, was mit ihren Daten passiert und wie das Internet der Dinge funktioniert. Diese Sensibilisierung ist wesentlich, wenn man in der heutigen Welt mitgestalten will und ihr nicht einfach ausgesetzt sein möchte.»

Die jungen Leute seien praxisaffin und hätten hohes Bildungspotenzial, beschreibt Mathias Gabathuler die Schülerschaft der KSB. Ein grosser Teil der Absolventinnen und Absolventen strebe eine Tertiärausbildung an und studiere an einer Fachhochschule oder Pädagogischen Hochschule. Andere arbeiteten nach der KSB ein bis zwei Jahre, um ihre Berufserfahrung zu vertiefen.

«Unternehmen und Politik bestätigen uns, dass wir so ein wichtiges Marktsegment abdecken. Rund 15 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für den Weg über die Erwachsenenmaturität oder die einjährige Passerelle und können sich damit später an einer Universität oder ETH einschreiben.»

«Wir sind ein Abbild der Gesellschaft», antwortet der Rektor auf die Frage, wie es in den einzelnen Ausbildungsbereichen mit der Geschlechterverteilung aussieht. Zur Verdeutlichung nennt er einige Zahlenbeispiele: Die Fachmittelschule zählt 89 Prozent Frauen, die Informatikmittelschule 92 Prozent Männer. In der Wirtschaftsmittelschule besuchen den Schwerpunkt Sprachen 66 Prozent Frauen, den Schwerpunkt Informatik 89 Prozent Männer.

Den Unterricht der Zukunft definieren

Laut Mathias Gabathuler steht die KSB – wie alle Ausbildungsstätten – vor grossen pädagogischen Herausforderungen, die in einem sich verändernden Umfeld von Gesellschaft, Wirtschaft und auch Politik nach Antworten verlangen. Im Rahmen eines Grossprojektes setzt sich die Schule deshalb intensiv mit dem «Unterricht der Zukunft» auseinander. «Die beiden grundlegenden Stichworte sind Individualisierung und Interdisziplinarität, die sich wiederum an den vier Begriffen Kommunikation, Kollaboration, Kreativität und kritisches Denken orientieren», betont Mathias Gabathuler. Die Zukunft der Kantonsschule am Brühl bleibe damit auch im nächsten Vierteljahrhundert spannend.