Die Kandidaten für den Mörschwiler Gemeinderat wollen mehr Mehrfamilienhäuser

Auf dem Podium zeigt der Parteilose Marco Mathis, dass er eher auf der bürgerlichen Linie liegt. Der Grüne Richard Faust politisiert beim ÖV pragmatisch und Heini Stricker von der FDP will die Grünflächen erhalten. Die künftige Gemeindepräsidentin Martina Wäger (CVP) präsentierte ihre Idee für erschwinglichen Wohnraum.

Johannes Wey-Eberle
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Heini Stricker (vorne, FDP), Richard Faust (links, Grüne) und Marco Mathis (2.v.l.) diskutieren mit «Tagblatt»-Redaktorin Perrine Woodtli über ihre Ideen für den Mörschwiler Gemeinderat.

Heini Stricker (vorne, FDP), Richard Faust (links, Grüne) und Marco Mathis (2.v.l.) diskutieren mit «Tagblatt»-Redaktorin Perrine Woodtli über ihre Ideen für den Mörschwiler Gemeinderat.

Ralph Ribi (9. September 2020)

Am 27. September wählen die Mörschwilerinnen und Mörschwiler nicht nur ihre erste Gemeindepräsidentin, sie haben auch die Wahl, wer den Gemeinderat komplettiert. Und die Auswahl könnte unterschiedlicher nicht sein – zumindest auf dem Papier. Da steht der 66-jährige, grüne IT-Unternehmer Richard Faust dem 14 Jahre jüngeren Landwirt Heini Stricker von der FDP gegenüber. Und irgendwo dazwischen positioniert sich Bühnentechniker Marco Mathis, mit 49 der jüngste im Trio, als Parteiloser.

Nur Faust ist für den Vaterschaftsurlaub

Wo genau sich Mathis auf der Links-Rechts-Skala bewegt, darauf findet sich am Mittwoch auch am Wahlpodium der Ortsparteien im Gemeindezentrum Mörschwil keine klare Antwort. Jedenfalls steht Mathis politisch eher Stricker nahe als Faust:

Marco Mathis (parteilos)

Marco Mathis (parteilos)

Ralph Ribi
«Gegenüber Heini habe ich Mühe, mich abzugrenzen. Die Frage, warum man mich und nicht ihn wählen soll, kann ich nicht beantworten.»

Diese Nähe zeigt sich etwa bei den Fragen über die nationalen Vorlagen. Für einen Vaterschaftsurlaub sei es angesichts der gegenwärtigen Krise der falsche Zeitpunkt. Und für die Begrenzungsinitiative zeigen beide Sympathien, trotzdem haben sie angesichts der Konsequenzen dagegen gestimmt.

Für Richard Faust hingegen ist es «keine Frage», dass er Nein sagt zur Begrenzungsinitiative und Ja zum Vaterschaftsurlaub:

Richard Faust (Grüne)

Richard Faust (Grüne)

Ralph Ribi
«Dafür ist es höchste Zeit, ich habe das ja selber erlebt mit drei Söhnen.»

Mit dem ÖV gut bedient

Bei der ÖV-Erschliessung zeigt sich der Grüne hingegen pragmatisch: In Mörschwil habe man erreicht, was man erreichen kann. Dass das Postauto bis zum See fährt, sei genauso ein Fortschritt wie der Viertelstundentakt. Eine Anbindung der Weiler – Faust wohnt im Horchental – lasse sich nicht finanzieren. Darum sei es wichtig, dass es mehr Veloständer an den Bushaltestellen gebe.

Mathis hingegen, der in der Riederen wohnt und den ÖV zum Wahlkampfthema gemacht hat, kritisiert «das Gebaren des Amts für öffentlichen Verkehr» und fordert vom Gemeinderat, weiterhin mindestens gleich viel Energie in die Verhandlungen zu stecken.

Stricker zeigt Verständnis, dass man sich in der Riederen über die jüngsten Verschlechterungen ärgert. Im Dorf seien die Verbindungen aber sehr gut.

Dichter bauen im Einfamilienhausquartier

Die Pläne für die neue Dorfkernüberbauung, bei der die Gemeinde eine von drei Grundeigentümerinnen ist, haben auf alle drei einen guten ersten Eindruck gemacht. Mathis freut sich über den Mut, die bisherige Struktur auf dem Areal aufzubrechen. Er hofft, dass sich am Ende auch Junge leisten können, in die neuen Wohnungen einzuziehen.

Entscheidend sei, wie die Ausgestaltung dann im Detail aussehe und welche Räume für das Gewerbe und die Gemeinschaft zur Verfügung stehen, sagt Faust, der sich aber an der Tiefgarage stört. Stricker, der sich als Landwirt gegen weitere Einzonungen ausspricht, lobt die gute Ausnützung und die vorgesehene Begrünung.

Das deckt sich mit den Positionen zur neuen Ortsplanung, bei der die Kandidaten unisono mehr Verdichtung fordern. Faust schlägt vor, dass es den Eigentümerinnen und Eigentümern überlassen werden soll, ob sie ihre Einfamilienhausparzellen besser ausnützen und etwa ein Mehrgenerationenhaus bauen wollen. Mathis stösst ins selbe Horn. Und auch Stricker sagt:

Heini Stricker (FDP)

Heini Stricker (FDP)

Ralph Ribi
«Wir haben noch viele Flächen, die zu wenig genutzt sind.»

Erst dachte sie an einen Witz

Auch Martina Wäger (CVP), die konkurrenzlos zur Wahl als Gemeindepräsidentin antritt, stellt sich beim Podium vor. Sie sei noch immer eng mit Mörschwil verbunden, auch wenn sie seit einigen Jahren in Rorschacherberg wohnt. Ihr daheim dort aufzugeben sei der grösste Wermutstropfen bei einer Wahl.

Martina Wäger (CVP).

Martina Wäger (CVP).

Ralph Ribi

Das Amt habe sie nicht gesucht. «Das ist ein Witz», habe sie gedacht, als sie 2018 nach dem 200-Jahr-Jubiläum der von ihr präsidierten Bürgermusik Mörschwil auf das Gemeindepräsidium angesprochen worden sei. Der Entschluss, sich bei der Findungskommission zu bewerben, sei erst gegen Ende des vergangenen Jahres gereift.

«Mir würde auch nie in den Sinn kommen, in einer anderen Gemeinde zu kandidieren.»

Auf den dringendsten Veränderungsbedarf in Mörschwil angesprochen, nennt sie die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Dem könne man beispielsweise entgegenwirken, wenn die Gemeinde ihr Land in der Hueb im Baurecht abgebe, statt zu verkaufen, und so der Spekulation entziehe. Auch den Internetauftritt wolle sie modernisieren.