Die Jagd auf die Steinpilze beginnt: Das Wetter verspricht eine gute Pilzsaison

Sammler haben die ersten Steinpilze zur Kontrolle gebracht, aber auch die ersten giftigen Exemplare.

Christoph Renn
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Seit Anfang August gab es im Botanischen Garten schon 30 Pilzkontrollen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Seit Anfang August gab es im Botanischen Garten schon 30 Pilzkontrollen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Düstere, Gallen- oder Schönfussröhrlinge: In der Pilzkontrollstelle des Botanischen Gartens liegen die ersten giftigen Exemplare. «Sie sehen den Steinpilzen zum Verwechseln ähnlich», erklärt Hanspeter Schumacher, Leiter des Botanischen Gartens. «Ich habe bei der Kontrolle auch schon Fliegenpilze entdeckt.» Die jungen Exemplare gleichen den Bovisten. Wer die giftigen Doppelgänger verspeist, dem drohen unangenehme Stunden mit Brechdurchfall. Tödlich sind sowohl diese Röhrlinge als auch die Fliegenpilze nicht.

Die Pilzsaison ist noch jung. Trotzdem haben Hanspeter Schumacher und sein Team schon viel zu tun. «Wir haben schon 30 Kontrollen durchgeführt», sagt er. Geht es in diesem Tempo weiter, könnte diese Saison sogar die vergangene rekordverdächtige Saison toppen. 2018 wurden im Botanischen Garten bei 539 Kontrollen 429 Kilo Pilze geprüft. Dies trotz des Hitzesommers. «Das bisherige Wetter verspricht wieder ein sehr gutes Pilzjahr.» Für das Wachstum der Pilze sei es wichtig, dass sich warme mit feuchten Tagen abwechselten. Wie gut die Saison werde, könne er aber nicht genau sagen. Nur so viel: «Im Moment stimmt das Wetter.»

Achtung vor giftigen Doppelgängern

Bereits nach den ersten Kontrollen zeigt sich ein bekanntes Bild: Der beliebteste Pilz wird laut Schumacher auch in diesem Jahr der Steinpilz. «Die ersten wunderschönen Exemplare haben die Sammler schon gefunden.» Oft brächten sie auch Champignons zur Kontrolle in den Botanischen Garten. Eine gute Entscheidung, denn auch bei diesen Pilzen sei Vorsicht geraten. Sie hätten viele giftige Doppelgänger, wie beispielsweise Knollenblätterpilze.

Tödliche Pilze wie Schleierlinge, Tigerritterlinge oder Gifthäubchen landen aber nur sehr selten auf dem Tisch in der Kontrollstelle, sagt Hanspeter Schumacher.

Nur die schönsten Exemplare pflücken

Die meisten Pilzsammler sind laut dem Leiter des Botanischen Gartens sehr vernünftig. Sie würden die gängigen Regeln beachten, die Pilze bereits gewaschen und nach Sorten getrennt zur Kontrolle bringen. Doch es gebe auch unbelehrbare Sammler, die beispielsweise die giftigen Exemplare zu den essbaren in den Korb legen.

Hanspeter Schumacher spricht den Sammlern immer wieder ins Gewissen. «Es gibt einen Unterschied zwischen Sammelfreude und Gier», sagt er. So sollte nur die wirklich schönen Exemplare gepflückt werden. «Madige, angefressene und ältere Pilze sollte man stehen lassen, damit sie sich wieder versporen können.» Denn auch die Pilze spielten eine wichtige Rolle in der Natur.

Die Pilzkontrolle im Botanischen Garten findet bis Ende Oktober statt. Mo: 7.30 bis 8.30 Uhr und 16.30 bis 17 Uhr. Di bis Fr: 16.30 bis 17 Uhr.

Pilzen liegt im Trend

Die Pilzkontrollstelle im Botanischen Garten ist im vergangenen Jahr aus allen Nähten geplatzt. «Vor dem Eingang bildete sich an den Wochenenden eine Warteschlange», sagt Hanspeter Schumacher. Pilzen liege im Trend, ergänzt er. Doch sei der Ansturm auf die Pilzkontrolle auch ein direktes Abbild der Qualität der Pilzsaison.

So wurden im vergangenen Jahr im Botanischen Garten 539 Kontrollen durchgeführt. Schumacher und sein Team prüften 429 Kilogramm Pilze. Davon waren 50 Kilogramm ungeniessbare bis giftige Pilze, rund ein Kilogramm sogar tödlich giftige. Im Vergleich: 2017 gab es 421 Kontrollen, im Jahr 2016 lediglich 185. Im 2017 wurden jedoch 54 Kilogramm ungeniessbare Pilze kontrolliert. (ren)