Interview

«Die Idee ist völlig realitätsfremd»: Der St.Galler Stadtrat Peter Jans hält wenig von der Kritik am neuen Busdepot der VBSG

Für den Hauseigentümerverband der Stadt (HEV) ist St.Gallens Busangebot überdimensioniert. Auch auf das geplante neue Busdepot im Lerchenfeld solle die Stadt verzichten, meint HEV-Geschäftsführer Remo Daguati. Stadtrat Peter Jans kontert.

Interview: Sandro Büchler
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Peter Jans, Stadtrat und Direktor Technische Betriebe.

Peter Jans, Stadtrat und Direktor Technische Betriebe.

Bild: Michel Canonica

St.Gallen brauche weniger Busse, dafür mehr S-Bahnen, sagte Daguati Anfang Woche. Das geplante Busdepot sei zudem zu kostspielig und die aus- und einfahrenden Busse würden die ohnehin schon arg strapazierte Zürcher Strasse zusätzlich verstopfen. Stadtrat Peter Jans nimmt Stellung.

Der HEV verlangt eine Denkpause beim neuen Busdepot. Das entlaste die Investitionsrechnung der Stadt um 100 Millionen Franken. Was halten Sie von der Forderung?

Peter Jans: Der Stadtrat musste in der Investitionsplanung Prioritäten setzen und Verschiebungen vornehmen. Die Investitionsrechnungen der Stadtwerke und der VBSG sind aber finanziell separat; sie führen je eine eigene Unternehmensrechnung. Den Neubau für das Busdepot und die Technischen Betriebe zu verschieben, würde die städtische Investitionsrechnung nicht entlasten.

Wenn man das städtische Busangebot entschlackt und auf die S-Bahn setzt, wie der HEV fordert: Wäre dann ein Verzicht auf das Millionenprojekt möglich?

Diese Idee ist völlig realitätsfremd. Einerseits dauert es leider noch länger, bis wir einen guten Viertelstundentakt für die S-Bahn haben. Anderseits erschliessen S-Bahnhöfe grosse Teile der Bevölkerung und der Arbeitsplätze nicht. Mit dem Bus zur S-Bahn-Station zu fahren, dort umsteigen und am Hauptbahnhof erneut auf einen Bus umsteigen – das funktioniert in Grossstädten wie Paris oder London, aber nicht in St.Gallen. Es ist darum eine Illusion, wir würden bald weniger Busse brauchen. Weniger Buslinien machen den ÖV unattraktiv, verschlechtern die Erschliessung. Ich glaube nicht, dass dies im Interesse der Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer ist.

Verstopft der zusätzliche Busverkehr aus dem Depot die ohnehin schon stark belastete Zürcher Strasse?

Die meisten Busse fahren aus dem Depot, wenn noch wenig Verkehr auf den Strassen ist. Am Abend ist das auch so. Der Bus-Hauptverkehr aus dem und zum Busdepot findet nicht in den Spitzenzeiten statt. Da konstruiert man ein Problem, das gar keines ist.

Wo steht das Projekt des Betriebszentrums der Technischen Betriebe aktuell?

Die Jurierung der Wettbewerbsbeiträge ist abgeschlossen. Nach den Sommerferien wird der Stadtrat den Beschluss fassen, welcher Beitrag gewonnen hat. Danach beginnt die Vorprojektierung. Die Volksabstimmung ist erst Ende 2021 geplant.

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