Die Idee eines Deckels über dem Bahnhof St.Fiden wird seit den 1980er-Jahren diskutiert

Die Stadt St.Gallen möchte eine zweite Machbarkeitsstudie für eine Gesamtüberdeckung des Bahnhofs St.Fiden in Auftrag geben. Ideen für einen Deckel gibt es schon lange.

Reto Voneschen
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Die Autobahn trennt den Bahnhof St.Fiden (Bildmitte) vom Quartier ab.

Die Autobahn trennt den Bahnhof St.Fiden (Bildmitte) vom Quartier ab.

Bild: Ralph Ribi

Darüber, wie das Areal des Bahnhofs St. Fiden mit möglichst grosser Wirkung für die Stadtentwicklung genutzt werden kann, wird bereits seit Anfang der 1980er-Jahre diskutiert. Auslöser war Planung und Bau der Stadtautobahn. Sie schnitt den Bahnhof vom namensgebenden Stadtteil ab und rückte ihn quasi «ins Abseits», wie Stadtredaktor Hermann Bauer 1982 in der Tageszeitung «Die Ostschweiz» feststellte. Erste Diskussionen kreisten damals um die Idee, auf der Autobahngalerie eine grosszügige Park & Ride- Anlage mit Bahnverbindung ins Zentrum einzurichten.

Schon 1988 diskutierte der Grosse Gemeinderat über den Deckel

Im Laufe der Jahre wurden die Ideen fürs Bahnareal St. Fiden visionärer und ehrgeiziger. Treiber der Idee zur Überdeckung und Überbauung der Gleise waren einerseits Vorbilder in anderen Städten der Schweiz, aber auch die Befürchtung, dass in St. Gallen das Bauland an zentraler Lage rasch einmal ausgehen könnte. Im Februar 1988 überwies das Stadtparlament, das damals noch Grosser Gemeinderat hiess, einen Vorstoss von FDP-Gemeinderat Marcel F. Bischof.


Er forderte mit dem Postulat einen Bericht vom Stadtrat über die Möglichkeit, den Bahnhof St. Fiden zu überdachen. Ihm schwebte beispielsweise ein Olma-Kongresszentrum, ein Knoten für Busse und Postautos oder die Ansiedlung neuer Arbeitsplätze und die Schaffung neuen Wohnraums «auf diesem Brachland nach oben» vor.

Aus der Idee wurde nichts: Der Stadtrat kam in seinem Bericht zum Schluss, dass ein Deckel über das Bahnareal St. Fiden nicht realistisch sei. Zum einen sei das so gewonnene Bauland konkurrenzlos teuer, solange es einfacher zu erschliessende Flächen auf Stadtgebiet gebe. Zum anderen verwies der Stadtrat auf die rechtliche sowie bahn- und bautechnische Komplexität eines solchen Überdeckungsprojektes. Diese Idee sei eine langfristige Zukunftsvision, die erst angegangen werden könne, wenn sich die Rahmenbedingungen dafür günstig entwickelt hätten, lautete das Fazit Anfang der 1990er-Jahre.

Der Deckel war auch schon beim Hauptbahnhof ein Thema

An der Beurteilung änderte sich in den 1990er- und 2000er-Jahren nichts, auch wenn es immer wieder Wortmeldungen für Gleisüberdeckungen gab. Sie kamen auch aus den Reihen der Autopartei, die in Parlamentsdebatten darauf hinwies, dass damit rund um den Hauptbahnhof Bauland für private oder öffentliche Zwecke gewonnen werden könnte. Politisch mehrheitsfähig waren solche Ideen nicht. Die Zeit dafür war noch nicht reif.

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