Die HIG hat noch nimmer eine Herkulesaufgabe

Die Handels- und Industrievereinigung Gossau ist 50. Ein Ziel ist nach wie vor ein neuer Autobahnanschluss.

Marion Loher
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Ein Mitarbeiter der Aepli Stahlbau AG in Gossau.Bild: Benjamin Manser (27. März 2013)

Ein Mitarbeiter der Aepli Stahlbau AG in Gossau.Bild: Benjamin Manser (27. März 2013)

Mehr als 20 Präsidenten in 50 Jahren: Die Liste der ehemaligen Präsidenten der Handels- und Industrievereinigung Gossau (HIG) ist lang. Das bedeutet aber nicht, dass die HIG schwer führbar ist. Der Grund ist ein anderer – und ganz simpel: Der Präsident wechselt alle zwei Jahre, und es hat Tradition, dass der Vize-Präsident dann jeweils den Vorsitz übernimmt. «

Dieser Zwei-Jahres-Rhythmus hat den Vorteil, dass es einfacher ist, jemanden von unseren Mitgliedern für das Amt zu finden», sagt Markus Mauchle, der die HIG seit vergangenem Jahr führt. Allerdings habe es schon Präsidenten gegeben, die länger geblieben seien. Sein Vorgänger Roland Egli bekleidete das Amt beispielsweise vier Jahre.

Von HIV in HIG
 umbenannt

Der regelmässige Präsidentenwechsel ist eine Eigenheit, die sich die HIG in ihrer 50-jährigen Geschichte bewahrt hat. Und noch etwas anderes ist gleich geblieben: der Zweck. Damals wie heute ist es ihr Ziel, die Interessen der Industrie, des Handels und des Dienstleistungssektors im Wirtschaftsraum Gossau zu wahren und zu fördern. «Unsere Region muss wirtschaftlich attraktiv sein, um auch konkurrenzfähig zu bleiben. Dafür braucht es Bauland, Arbeitsplätze und gute Verkehrswege», sagt Mauchle.

Entstanden ist die HIG in den 1960er-Jahren, als sich im Osten der Stadt immer mehr Industrie angesiedelt hatte. Darunter waren auch die grossen Detailhandelsunternehmen Coop und Migros. Die Wirtschaft wuchs in den folgenden Jahren rasch.

Um sich zu vernetzen und gleichzeitig in der Region zu positionieren, schlossen sich Vertreter verschiedener Unternehmen zusammen und gründeten die Handels- und Industrievereinigung Gossau, damals kurz HIV genannt.

Einige Jahre später war diese Abkürzung allerdings durch das menschliche Immunschwäche-Virus, dem Erreger von Aids, in aller Munde. So entschied sich die Vereinigung, die Kurzform HIG zu verwenden.

Die Anzahl Mitglieder stieg in den vergangenen 50 Jahren von zehn auf 60 an. Diese Zahl sei seit einigen Jahren ziemlich konstant, sagt Mauchle. Aber es sei auch nicht das primäre Ziel, von Jahr zu Jahr noch grösser zu werden. Schliesslich, fügt der Geschäftsführer der Gossauer Techcom Elektro AG an, müssten auch gewisse Bedingungen erfüllt sein, um aufgenommen zu werden.

So muss der Geschäftssitz, die Arbeitsstätte oder die Niederlassung in Gossau sein. «Ein Sitz in nächster Umgebung von Gossau ist ebenfalls möglich, allerdings darf es dann dort keine örtliche Arbeitgebervereinigung haben.» Zudem muss das Unternehmen im Handelsregister eingetragen sowie wirtschaftlich von mindestens regionaler Bedeutung sein.

Heute wird regional 
gedacht und gehandelt

Verändert hat sich der Fokus der HIG. «Zu Beginn waren wir vor allem auf Gossau ausgerichtet», sagt der Präsident.

«Heute wird sehr regional gedacht und gehandelt. Grenzen – und das sieht man vor allem im Industriegebiet Gossau Ost/St.Gallen West – gibt es heute nur noch auf dem Papier.»

Ein Beispiel für die überregionale Zusammenarbeit ist das Energienetz GSG für Gossau, St. Gallen und Gaiserwald, zu dessen Gründungsmitgliedern die HIG zählt. Weitere sind die Stadtwerke von Gossau und St. Gallen, die Gemeinde Gaiserwald, der Industrie- und Gewerbeverein St. Gallen-West sowie die kantonale Energiefachstelle. Mit zahlreichen Unternehmen soll ein Wärmenetz im Industriegebiet zwischen Gossau und St.Gallen realisiert werden.

Das Energienetz GSG ist seit Anfang dieses Jahres Teil des Vereins Areal St. Gallen West – Gossau Ost (Asgo), der 2017 gegründet wurde. Ebenfalls Mitinitiator: die Handels- und Industrievereinigung Gossau. «Das Areal hat Potenzial für die Region und die Wirtschaft», sagt Mauchle.

«Für eine Weiterentwicklung dieses Gebiets braucht es jedoch unbedingt bessere Verkehrswege.» Damit spricht der HIG-Präsident den seit Jahren geforderten Autobahnzubringer Appenzell an, der eine Entlastung bringen würde. «Wir setzen alles daran, dass er ins nächste Strassenbauprogramm des Bundes aufgenommen wird. Es ist eine Herkulesaufgabe, ich weiss.»