Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Die Hellebarde ist nur Zier - ein Gossauer bei der Schweizergarde im Vatikan

Der Gossauer René Bremgartner ist dieser Tage als Hellebardier im Vatikan vereidigt worden. Sollte es in seinem zweijährigen Dienst ernst werden, hätte er auch eine handliche Waffe griffbereit.
Sebastian Schneider
«Eine grosse Ehre»: René Bremgartner (mit erhobenen Fingern) bei der Vereidigung zum Hellebardier. Bild: PD

«Eine grosse Ehre»: René Bremgartner (mit erhobenen Fingern) bei der Vereidigung zum Hellebardier. Bild: PD

René Bremgartner, hatten Sie viel Besuch in den vergangenen Tagen?

Ja, ich durfte meine Eltern, Verwandte und Freunde zur Vereidigung einladen. Später haben wir zusammen den Palast, die vatikanischen Gärten, das Kolosseum und andere Sehenswürdigkeiten in Rom besucht.

Was war es für ein Gefühl, als Sie kürzlich den Eid auf die Fahne abgegeben haben?

Ein schönes. Es erfüllt mich mit Stolz, in den nächsten zwei Jahren den Dienst als Hellebardier zu erfüllen.

Apropos Hellebarde. Haben Sie diese schon gebraucht?

Die Hellebarde dient nur als repräsentative Waffe, wir führen sie nur während Ehrendiensten.

St.Galler sind untervertreten

Die Schweizergarde hat Nachwuchssorgen. Noch habe sie genügend Gardisten; doch nun, da geburtenschwache Jahrgänge folgen, könnte es einen Engpass geben. Die Ansprüche an die Hellebardiere sind zudem gestiegen, wie Rekrutierungschef Bernhard Messmer kürzlich gegenüber «SRF» sagte. Weil die Hürde aufgrund der Terrorgefahr in sprachlicher wie in sportlicher Hinsicht höher gelegt wurde, müsse man sogar mehr Bewerber ablehnen. Die Schweizergarde hat nun eine Werbeoffensive gestartet. Potenzial gibt es vor allem im Kanton St. Gallen, der im Moment nur sieben Gardisten stellt. Im Herbst findet jeweils die Infowoche statt, in der 16- bis 18-Jährige die Schweizergarde, den Vatikan und Rom erleben können. Weitere Infos unter irs@gsp.va. (ses)

Womit wehrt sich denn die kleinste Armee der Welt?

Kommt es zu einem Ernstfall, haben wir Mittel, um uns zu wehren. Mehr darf ich nicht sagen.

Und über die Nahkampf­technik?

Wir wurden einen Monat lang im Kanton Tessin von der Polizei geschult. Wir wenden also eine ähnliche Kampftechnik an wie die Kantonspolizei.

In den vergangenen Jahren ist die Angst vor terroristischen Anschlägen im Vatikan gestiegen. Hat die Schweizergarde auf diese Tatsache reagiert?

Ja, vor zwei Jahren wurden in Zusammenarbeit mit der Tessiner Polizei zusätzliche Punkte in die Ausbildung aufgenommen. Die Sicherheit im Staat wird übrigens in Zusammenarbeit mit der vatikanischen Polizei gewährleistet. Und an Grossanlässen, wie etwa am Osterfest, kontrolliert die römische Polizei vor den Toren zum Petersdom die Besucher.

Haben Sie keine Angst vor schlimmen Ereignissen?

Angst wäre fehl am Platz. Denn so könnte man sich nicht mehr auf die Arbeit konzentrieren. Man muss fokussiert sein.

Und stundenlang stillstehen.

Das kann ganz schön streng sein. Mit der Zeit geht es aber besser, und die Füsse und die Schultern schmerzen irgendwann nicht mehr.

Wollten Sie schon immer den Dienst als Schweizergardist leisten?

Vor etwa fünf Jahren begann ich mich dafür zu interessieren. Daraufhin habe ich mich immer weiter informiert und besuchte auch eine Schnupperwoche.

Was hat Sie an diesem Dienst gereizt?

Als Gardist ist man sozusagen im Herzen der katholischen Kirche. Durch diesen Dienst kann ich auch meinen Glauben vertiefen. Zudem reizte es mich, einmal etwas von der Welt zu sehen.

Wie anders war es am Anfang, als Sie im Oktober Ihre Ausbildung antraten?

Die ersten Tage waren speziell. Man wusste nicht immer recht, was wo und wie stattfindet. Der Vatikan ist zwar ein kleiner Staat, der ganze Komplex ist aber riesig.

Dann haben Sie sich oft in den Gängen verlaufen?

Das ist schon vorgekommen. Geholfen haben dann die grösseren Höfe. An ihnen konnte ich mich orientieren.

Was gefällt Ihnen am besten im Leben als Gardist?

Es ist eine grosse Ehre, Papst Franziskus zu beschützen, der von so vielen Menschen auf der Welt bewundert wird. Sonst gibt es viele kleine Momente, die man mit den Kameraden erlebt.

Trifft man den Papst auch persönlich?

Zu persönlichen Audienzen natürlich nicht. Aber manchmal kommt er auf uns zu, schüttelt uns die Hand und fragt, wie es uns geht.

Sie haben die Kameradschaft angesprochen. Dürfen Sie regelmässig ausgehen?

Sofern wir keinen Dienst haben, können wir jeden Abend in die Stadt gehen. Die Kameradschaft ist super hier. Das hat sich schon abgezeichnet, als man sich am Flughafen Zürich zum ersten Mal traf.

Aber es dürften mehr Ostschweizer sein.

In der Tat. Von 32 neuen Hellebardieren kommen nur zwei aus dem Kanton St. Gallen. Dabei stellte unser Kanton einst nach dem Wallis und Fribourg am meisten Gardisten.

Was vermissen Sie am meisten, wenn Sie im Vatikan sind?

Ganz klar: Familie und Freude.

Haben Sie Ihre Eltern einmal besuchen können?

Ja, als wir im Tessin waren, konnte ich sie einmal besuchen. Abgesehen davon und der Vereidigung habe ich sie aber nicht mehr gesehen.

Zur Person

René Bremgartner aus Gossau hat die Lehre als Koch im Gasthof «Zum Hirschen» in Flawil abgeschlossen. Auch im Schweizer Militär war er Truppenkoch und Küchenchef. Der 23-Jährige war als Jugendlicher Ministrant in der Andreas-Pfarrei. Die Ausbildung zum Hellebardier hat er am 1. Oktober angetreten und am 6. Mai mit der Vereidigung abgeschlossen. (ses)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.