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Einzigartiges Gossauer Ensemble:
Die Häuser der besseren Arbeiter

Die Geschichte des Stickereidörflis am Rande Gossaus wird in den nächsten «Oberberger Blättern» neu erzählt. Zugleich könnte die Bedeutung des Ensembles aus einem anderen Grund steigen.
Sebastian Schneider
Grosse Fenster und ein Vorbau für die langen Maschinen: Die acht Hüsli an der Bischofszellerstrasse dienten den Stickereifamilien als Zuhause und Arbeitsplatz. (Bild: Ralph Ribi)

Grosse Fenster und ein Vorbau für die langen Maschinen: Die acht Hüsli an der Bischofszellerstrasse dienten den Stickereifamilien als Zuhause und Arbeitsplatz. (Bild: Ralph Ribi)

Fährt man auf der Bischofszellerstrasse Richtung Gossauer Zentrum, bemerkt man sie kaum. Gerade aufdringlich sind sie nämlich nicht, die acht Stickereihäuser in der Schönau zwischen Gleis und Hauptstrasse. Und doch ist ihre Erscheinung von besonderer Bedeutung. Um 1910 erbaut, sind sie Zeitzeugen der Stickerblüte. Zu jener Zeit beschleunigten Schifflistickmaschinen die Produktion von Tüchern, Deckeli und Bordüren und verhalfen Heimstickern zu neuem Wohlstand. «Die Maschinensticker fühlten sich den Handstickern überlegen», sagt Historiker Karl Schmuki. Er steht auf der Strasse, welche die kleinen Häuschen voneinander trennt. Auch Markus Fischer von der kantonalen Denkmalpflege ist ins Dörfli gekommen, in dem während Jahrzehnten Stickereifamilien gelebt und gearbeitet haben.

Grosse Fenster für die Heimsticker

Das Stickereidörfli ist ein Thema der neuen «Oberberger Blätter», die in einigen Monaten gedruckt werden. Als Karl Schmuki Zeitungen ab 1900 studierte, ist ihm aufgefallen, wie wichtig und «omnipräsent» die Stickereiindustrie in Gossau war. Rasch sei ihm klar geworden, dass Stickereibauten ein Thema für die nächsten «Oberberger Blätter» wären. Er fragte beim Kanton nach und fand in Markus Fischer einen Autor. Der Denkmalpfleger und Enkel eines Heimstickers in Rehetobel ist auf solche Bauten spezialisiert und kann deren Architektur lesen: «Sieht man im Erdgeschoss grosse Fenster, muss mit grosser Wahrscheinlichkeit eine Maschine darin gestanden haben», sagt er etwa. Dennoch hält Fischer fest: «Das hier sind keine simplen Arbeiterhäuser». Zur gehobenen Architektur gehören laut dem Denkmalpfleger die Fensterkorbbögen im Erdgeschoss sowie die Erker an den Häusern.

Fischer ist sich sicher, dass das Haus der Familie Bürkler mit dem letzten Sticker und der letzten Stickmaschine dem Originalzustand noch am nächsten kommt. Zu diesem Schluss kommt er wegen der Fenster und der Fensterläden, des Gartenhags oder der Dachziegel.

Bald ein Ortsbild von kantonaler Bedeutung?

Die Häuser betrachtete Fischer nicht nur als Gastautor der «Oberberger Blätter», sondern auch als Denkmalpfleger. Seiner Auffassung nach ist das Dörfli einzigartig im Kanton und müsste neu eingestuft werden. «Aus meiner Sicht ist das Ensemble ein Ortsbild von kantonaler Bedeutung», sagt Fischer. Mit einem solchen Antrag kommt Fischer zu einer guten Zeit. Denn die Stadt ist gerade daran, die Schutzverordnung zu erneuern, obwohl sich auf kommunaler Ebene fürs Stickereidörfli nichts ändern sollte. So heisst es sowohl bei der Stadtverwaltung als auch bei Museumsdirektor Daniel Studer, der für die Stadt die Schutzverordnung erneuert.

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