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Gerüchte über Wechsel zur SVP: Dieser Abweichler stellt die grünliberale Fraktion im St.Galler Stadtparlament vor eine Zerreissprobe

Der grünliberale Stadtparlamentarier Zsolt Ferenc Takàcs ist selten auf Parteilinie. Doch die Fraktion hält zu ihm - mit gutem Grund. In ungefähr einem Jahr sind Wahlen.
Daniel Wirth
Stadtparlamentarier Zsolt Ferenc Takàcs war früher in der SVP und ist heute bei den Grünliberalen. (Bild: Beat Belser)

Stadtparlamentarier Zsolt Ferenc Takàcs war früher in der SVP und ist heute bei den Grünliberalen. (Bild: Beat Belser)

Das Gerücht, Zsolt Ferenc Takàcs liebäugle mit einem Wechsel von den Grünliberalen zur SVP, hält sich hartnäckig. Es wäre eine Rückkehr für den 57-jährigen Stadtparlamentarier.

Der Sohn eines ungarischen Flüchtlings und einer Schweizerin hatte 2012 auf der SVP-Liste kandidiert. Er landete auf dem 17. von 19 Plätzen. Der Unternehmer und Geschäftsführer konnte im Herbst 2014 durch den Rücktritt des langjährigen Autopartei- und SVP-Stadtparlamentariers Michael Keller in den Rat nachrücken. Dort fiel er rasch durch eine Serie von Vorstössen auf.

Aus der SVP-Fraktion trat Takàcs im Februar 2016 im Streit aus. Er politisierte dann als Parteiloser und wurde von der SP/Juso/PFG-Fraktion aufgenommen. Im Herbst 2016, bei den Gesamterneuerungswahlen für die laufende Legislatur, kandidierte Zsolt Ferenc Takàcs auf der Liste der Grünliberalen und schaffte die Wiederwahl. Die Grünliberalen holten bei den jüngsten Wahlen fünf Sitze und erlangten zum ersten Mal in ihrer jungen Geschichte Fraktionsstärke.

Er ist selten auf der Linie der GLP-Fraktion

Zsolt Ferenc Takàcs stimmt nicht selten anders ab als der Rest der Fraktion. Gelegentlich bringt er seine Meinung mit Voten dezidiert zum Ausdruck, wie jüngst in der Debatte um den Klimanotstand, als er die Jugendlichen, die auf der Zuschauertribüne dem Parlament zuhörten, massregelte.

Auch im Vorfeld der Sitzung zum Budget 2018 und der Diskussion um eine Steuerfusssenkung lehnte sich Takàcs relativ weit aus dem Fenster als er gegenüber dem «St.Galler Tagblatt» sagte, er stehe einer Senkung des Steuerfusses um fünf Prozentpunkte positiv gegenüber und würde einer solchen zustimmen.

Seine Fraktion dagegen stand für eine moderatere Senkung um drei Prozentpunkte ein, spielte damit das Zünglein an der Waage und ermöglichte eine finanzpolitische bürgerliche Allianz. Der Steuerfuss wurde um drei auf 141 Prozentpunkte heruntergeholt.

Parlamentarier anderer Fraktionen wollen festgestellt haben, dass die Grünliberalen wegen Takàcs gegenwärtig eine Zerreissprobe aushalten müssen. Die anderen Parteien hätten freilich ihre Freude daran, würde Takàcs erneut die politischen Fronten wechseln, dann verlören die Grünliberalen ihre Fraktionsstärke und hätten nicht mehr das gleiche Gewicht in der Legislative wie heute.

Takàcs sagt, er fühle sich wohl in der GLP

Zsolt Ferenc Takàcs antwortet auf die Frage, ob er wieder in die SVP eintreten wolle, sibyllinisch:

«Ich fühle mich wohl in der GLP-Fraktion».

Karin Winter-Dubs, Präsidentin der SVP-Fraktion, sagt, Takàcs sei nicht an sie herangetreten wegen eines Parteiwechsels. Mehr gebe es zu den Gerüchten, von denen sie auch gehört habe, nicht zu sagen.

Thomas Brunner, Präsident der GLP-Fraktion. (Bild: PD)

Thomas Brunner, Präsident der GLP-Fraktion. (Bild: PD)

«Es gibt keine Diskussionen über einen Austritt von Zsolt Ferenc Takàcs», sagt Thomas Brunner, Präsident der GLP-Fraktion auf Anfrage. Takàcs sei Teil der Fraktion; er habe seine eigenen Ansichten und vertrete gelegentlich seine eigene Meinung, sagt Brunner. Abweichende Meinungen seien innerhalb der Fraktion der Grünliberalen akzeptiert. Und: «Wir wollen die Fraktion auf keinen Fall hopsgehen lassen».

Im Moment scheint zumindest offiziell alles im grünen Bereich zu sein bei den Grünliberalen. Dass sie den Ball flachhalten wollen, ist klar: In etwas mehr als einem Jahr sind wieder Wahlen ins Stadtparlament.

Von den Grünen abgespaltet

Die Grünliberalen in der Stadt St.Gallen traten 2008 zum ersten Mal mit einer eigenen Liste zu den Gesamterneuerungswahlen an. Vier Jahre zuvor, 2004, waren die Grünen noch mit zwei Listen angetreten: «Grüne – Grüne Liste» und «Grüne – Grünliberale». Die Grünliberalen hatten sich von den Grünen abgespaltet; das war im Kanton Zürich so und auch im Kanton St.Gallen. Bei den Wahlen 2008 holten die Grünliberalen mit der ersten eigenen Liste vier Sitze im Stadtparlament. Thomas Brunner, der heutige Fraktionspräsident, sitzt seit Anfang 2009 im St.Galler Stadtparlament.

Vier Jahre später verteidigten die Grünliberalen ihre vier Sitze. Von 2009 bis 2016 politisierten die vier Grünliberalen in einer Fraktion mit dem Grünen und den Jungen Grünen. 2016 holten die Grünliberalen fünf Mandate und erlangten somit Fraktionsstärke.

2017 verstarb CVP-Stadtrat Nino Cozzio im Amt. Sonja Lüthi gewann die Ersatzwahl gegen Boris Tschirky (CVP) und zog Anfang 2018 als erste grünliberale Politikerin in die Stadtsanktgaller Exekutive ein.

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