Die Busverspätungen in Wittenbach konnten dank mehrerer Anpassungen verringert werden

Der Zusatzbus auf der Linie 4 hat sich bewährt. Optimal ist die Situation aber nach wie vor nicht.

Perrine Woodtli
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Auf der Linie 4 setzen die VBSG auch Buszüge mit Anhänger ein.

Auf der Linie 4 setzen die VBSG auch Buszüge mit Anhänger ein.

Bild: Thomas Hary (10.Dezember 2018)

Seit August warten auf den Strecken der Linien 3 (Heiligkreuz-Abtwil/St.Josefen) und 4 (Wittenbach-Abtwil/Säntispark) Zusatzbusse. Die Idee: Das Fahrzeug wartet an der Endhaltestelle, kann dann pünktlich losfahren und nimmt allfällige Verspätungen nicht mit.

Mit den Zusatzbussen wollen die Verkehrsbetriebe St.Gallen (VBSG) die Verspätungen in den Griff bekommen. Denn die Linien 3 und 4 hatten bei ihrer Einführung beim Fahrplanwechsel im Dezember 2018 keinen guten Start. Nebst Verzögerungen gab es auch Probleme mit den Türen und wegen ausgelassener Haltestellen.

Die Verspätungen sorgten in Wittenbach für Unmut. Auch Gemeindepräsident Oliver Gröble war nicht zufrieden, der Zustand sei «unhaltbar». Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der VBSG, betonte jeweils, dass eine lange Linie anfälliger für Verspätungen sei als eine kurze und dass das eigentliche Problem, die fehlenden Busspuren seien.

Zusatzbusse sind nicht gut fürs Image

Wittenbachs Gemeindepräsident Oliver Gröble

Wittenbachs Gemeindepräsident Oliver Gröble

Bild: Urs Bucher

Inzwischen fährt die Linie 4 seit rund einem Jahr. Wie sieht die Situation in Wittenbach heute aus? Sowohl Gröble als auch Eigenmann reden von Verbesserungen. Er habe versprochen, dass er das Problem im Auge behalte, sagt Gröble. Er traf sich im Dezember mit dem Amt für öffentlichen Verkehr und den VBSG zu einem Erfahrungsaustausch.

«Die Auswertungen haben ergeben, dass sich die Abfahrtszeiten mit dem Zusatzbus ab Wittenbach nach St.Gallen deutlich verbessert haben.»

Das sieht auch Ralf Eigenmann so. Man habe gute Erfahrungen mit den Bussen gemacht, da sich die Verspätungen nicht mehr kumulierten. Er sagt aber auch, dass es «schöner wäre», wenn man sie nicht bräuchte.

«Für unser Image ist es nicht gut, wenn überall Busse herumstehen.»

Dass man auf diese verzichten könne, bedinge aber Anpassungen. Er spricht – «einmal mehr» – zusätzliche Busspuren und Verbesserungen bei der ÖV-Bevorzugung an.

Zu viel Zeit für Abschnitte eingerechnet

Nebst den Zusatzbussen haben die VBSG beim letzten Fahrplanwechsel weitere Optimierungen vorgenommen. «Wir haben festgestellt, dass wir für gewisse Streckenabschnitte zu viel und für andere zu wenig Zeit eingerechnet haben», sagt Eigenmann. So sei es vorgekommen, dass das Fahrpersonal bei einigen Haltestellen warten musste, weil es sonst zu früh gewesen wäre. So seien wertvolle Minuten verpufft, die später gebraucht worden wären. Auch diese Anpassung habe «einiges gebracht».

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen

Ralf Eigenmann, Unternehmensleiter der Verkehrsbetriebe St.Gallen

Bild: Benjamin Manser

Und noch ein anderes Problem konnte gelöst werden: Seit Dezember wird der Zusatzbus auf der Linie 4 nicht mehr in Wittenbach stationiert, sondern beim Säntispark. Dadurch würden die Pufferzeiten besser verteilt. «Wir hatten in Wittenbach das Problem, dass der wartende Ersatzbus keinen Platz am Bahnhof hatte», sagt Eigenmann.

Weil jetzt der Säntispark Anfang- und Endstation der Linie 4 sei, befindet sich Wittenbach in der Mitte der Gesamtstrecke. Dies habe positive Auswirkungen. «Wir stellen fest, dass die Verspätungen seither nochmals etwas kleiner geworden sind.»

Kanton soll möglichst schnell handeln

Obwohl sich die Abfahrtszeiten in Wittenbach verbessert hätten, sei stadtauswärts, von St.Gallen nach Wittenbach, aber nach wie vor mit Verspätungen zu rechnen, sagt Gröble. Vor allem in der Hauptverkehrszeit und auf der St.Gallerstrasse. Dies sei ein Problem. Ein Zusatzbus helfe auch in den Stosszeiten nicht, Verspätungen zu vermeiden. Ralf Eigenmann betont:

«In der Hauptverkehrszeit haben wir überall Verspätungen, nicht nur in Wittenbach.»

Für Gröble ist klar: «Es braucht auf dieser Kantonsstrasse ein Verkehrsmanagement.» Das habe nichts mit den VBSG zu tun. Dafür sei der Kanton zuständig. Er habe sich im Dezember auch mit dem kantonalen Tiefbauamt getroffen, damit der Kanton seine Rolle wahrnehme. «Das Tiefbauamt ist daran, seine Projekte zu priorisieren. Wir warten nun, wie es dort weiter geht.»

Er habe dem Kanton mitgeteilt, dass man möglichst schnell handeln müsse, so Gröble. Er werde die Fahrplanstabilität weiter beobachten.

Linie 12 wird gut genutzt

Seit Ende 2018 fährt die Linie 12 morgens, mittags und abends an Werktagen vom St.Galler Hauptbahnhof über die Spisegg nach Abtwil, Zentrumspark. Die Linie soll zu Stosszeiten Entlastung bringen. Nach einem Jahr Probebetrieb wurde die Linie im vergangenen Dezember früher als geplant definitiv eingeführt. Zeitgleich wurde der Fahrplan angepasst. Unter anderem ist am Morgen nun der Anschluss an die schnelle Zugverbindung nach Zürich möglich. Dies und auch der Zusatzbus, der wie auf den Linien 3 und 4 eingesetzt wird, haben sich laut VBSG-Chef Ralf Eigenmann bewährt und zu einem Fahrgastanstieg geführt. (woo)

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