Die grosse Gaiserwald-Umfrage zeigt: Die Bevölkerung ist nicht zufrieden mit den öffentlichen Plätzen – und will weniger Steuern zahlen

Steuern, Sicherheit oder Schule: Eine Umfrage zeigt, wo der Bevölkerung von Gaiserwald der Schuh drückt.

Michel Burtscher
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Das Zentrum von Abtwil, das kein richtiges ist. Bei den Begegnungszonen besteht Handlungsbedarf.

Das Zentrum von Abtwil, das kein richtiges ist. Bei den Begegnungszonen besteht Handlungsbedarf.

Bild: Benjamin Manser (19. Juli 2019)

Wer in Gaiserwald wohnt, dem geht es gut – und der ist zufrieden mit dem Leben in der Gemeinde. Das zeigt zumindest die Einwohnerzufriedenheitsanalyse, die der Gemeinderat in Auftrag gegeben hat und deren Ergebnisse nun vorliegen. Erklärtes Ziel der Umfrage ist es, ein «repräsentatives Stimmungsbild über die Zufriedenheit der Bevölkerung Gaiserwalds» zu erhalten. Dabei geht es um Themen wie Steuern, Sicherheit oder Schulen.

So wurde die Studie durchgeführt

Verantwortlich für die Einwohnerzufriedenheitsanalyse ist das Institut für Qualitätsmanagement und Angewandte Betriebswirtschaft der Fachhochschule St. Gallen. Rund 1000 Einwohnerinnen und Einwohner von Gaiserwald erhielten Anfang November den Fragebogen, wobei die Auswahl der Befragten nach dem Zufallsprinzip erfolgte. Es wurde aber auf eine Gleichverteilung der Merkmale Geschlecht und Alter sowie eine möglichst dem realen Verhältnis entsprechenden Verteilung der Ortsteile geachtet, wie die Autoren schreiben. Die Rücklaufquote beträgt knapp 52 Prozent.

Die befragten Personen mussten Fragestellungen zu verschiedenen Themen wie Verkehr, Sicherheit, Versorgung oder Gemeinderat nach Erfüllungsgrad und Wichtigkeit bewerten. Dazu konnten sie jeweils Noten verteilen zwischen eins (trifft nicht zu/unwichtig) und fünf (trifft zu/wichtig). Die Kombination von Zufriedenheit und Wichtigkeit zeigt, wo vor allem Handlungsbedarf besteht. (mbu)

Das macht der Gemeinderat nicht zum Spass. Vielmehr bilden die Ergebnisse der Umfrage sowie vertiefende Fokusgruppengespräche die Grundlage für einen Bericht, auf dessen Basis der Gemeinderat im Jahr 2021 neue Legislaturziele ausarbeiten wird. Die Einwohnerzufriedenheitsanalyse ist also relevant – und sie zeigt, in welche Richtung sich die Gemeinde entwickeln könnte. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse:

1. Gaiserwald muss den Vergleich nicht scheuen

Grundsätzlich dürfte Gemeindepräsident Boris Tschirky zufrieden sein mit den Resultaten der Umfrage. Denn im Vergleich mit anderen Gemeinden, die bereits eine solche Einwohnerzufriedenheitsanalyse durchgeführt haben, steht Gaiserwald gut da – und zwar in allen Themenbereichen. Am zufriedensten ist die Bevölkerung mit der Sicherheit, der Entsorgung, der Gemeindeverwaltung und den Schulen. Die schlechtesten Werte – die aber immer noch besser sind als der Benchmark, also als der Durchschnitt der anderen untersuchten Gemeinden – erzielt Gaiserwald bei den Themen Steuern, Leben in der Gemeinde und Versorgung.

2. Handlungsbedarf bei den öffentlichen Plätzen

Nicht so zufrieden ist die Bevölkerung gemäss der Umfrage mit den Begegnungszonen in der Gemeinde. Bei den Aussagen «Die bestehenden öffentlichen Plätze/Begegnungszonen in der Gemeinde sind attraktiv» und «Das Angebot an öffentlichen Plätzen/Grünflächen in der Gemeinde ist ausreichend» resultieren Werte von 3,17 und 3,55 Punkten; möglich wären bis zu 5 Punkte. Das bedeutet, dass die Bevölkerung die Aussagen mit «teils-teils» bis «trifft eher zu» beantwortet hat. Es sind die einzigen Fragestellungen, bei denen die Gemeinde schlechter abschneidet als der Benchmark. Hier besteht also Handlungsbedarf. Was den Befragten konkret nicht passt, darüber macht die Analyse keine Aussage.

3. Die Bevölkerung findet, sie zahle zu viel Steuern

Die Befragten finden anscheinend, dass sie dem Fiskus zu viel Geld abliefern müssen. Bei der Aussage «Die Steuerbelastung erscheint mir im Verhältnis zum Leistungsangebot angemessen» geben sie im Schnitt 3,7 Punkte. Dabei wurde der Steuerfuss in den letzten Jahren mehrmals gesenkt. 2017 betrug er noch 115 Prozent, heute sind es 107. Überraschend ist insbesondere, dass die Befragten mit der Steuerbelastung heute sogar unzufriedener sind als früher.

4. Rückschritte gibt es auch beim Verkehr

Bereits im Jahr 2014 hat die Gemeinde Gaiserwald ihre Einwohnerinnen und Einwohner befragen lassen. Der Vergleich zeigt, dass sie heute nicht nur die Steuerbelastung weniger gut als damals beurteilen, sondern auch das öffentliche Verkehrsangebot und die Zahl der Entsorgungssammelstellen. Fortschritte gab es hingegen bei der Kategorie Schule, unter anderem beim Informationsaustausch zwischen Lehrern und Eltern und dem Einbezug der Eltern in die schulischen Entscheidungsprozesse.

5. Die meisten empfehlen die Gemeinde weiter

Manchmal sind es die kleinen Dinge, die den Unterschied machen. Das zeigt sich an den Punkten, die von der Bevölkerung am besten beurteilt werden. Dazu gehören neben der Sicherheit während des Tages auch die Freundlichkeit der Gemeindeverwaltung und der Leerungsrhythmus der Unterflurcontainer. Dass sich die Bevölkerung wohlfühlt in der Gemeinde, zeigt sich auch daran, dass 90Prozent der Befragten, von denen 76 Prozent bereits seit über zehn Jahren dort wohnen, davon ausgehen, dass sie das auch in fünf Jahren noch tun werden. Zudem würden 97 Prozent ihren Freunden und Bekannten empfehlen, in Gaiserwald zu leben.