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Die grössten Porträtisten der Hafenstadt: Wie Vater und Sohn Labhart mit ihren Fotos den Wandel in Rorschach dokumentierten

Das Gesicht der Stadt verändert sich zurzeit fast beängstigend schnell. Wie Rorschach einst aussah, haben Vater und Sohn Labhart fast 100 Jahre lang fotografiert. Ihr Archiv ist im Besitz der Stadt Rorschach und der Stiftung Heimatmuseum.
Otmar Elsener
Die östliche Rorschacher Hauptstrasse Rorschach an einem Markttag in den 1890er Jahren, fotografiert von Paul Labhart. (Bilder: Archiv Stadt Rorschach)Die östliche Rorschacher Hauptstrasse Rorschach an einem Markttag in den 1890er Jahren, fotografiert von Paul Labhart. (Bilder: Archiv Stadt Rorschach)
Die westliche Hauptstrasse 1926 mit Blick Richtung Jakobsbrunnen.Die westliche Hauptstrasse 1926 mit Blick Richtung Jakobsbrunnen.
Ein Labhart Portrait einer Rorschacher Familie von 1948 aufgenommen im Atelier mit Fachkamera.Ein Labhart Portrait einer Rorschacher Familie von 1948 aufgenommen im Atelier mit Fachkamera.
Der Jakobsbrunnen, Ausgangsort des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.Der Jakobsbrunnen, Ausgangsort des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.
Die Landhaus Kreuzung am Eingang der Stadt.Die Landhaus Kreuzung am Eingang der Stadt.
Die St. Gallerstrasse vor dem Landhaus Kreisel.Die St. Gallerstrasse vor dem Landhaus Kreisel.
Kinder waten durch das Hochwasser (1926).Kinder waten durch das Hochwasser (1926).
Waschfrauen während der Arbeit.Waschfrauen während der Arbeit.
8 Bilder

Aus dem Rorschacher Stadtarchiv: Die Hafenstadt vor 100 Jahren, fotografiert von Paul und Hans Labhart

Ihr Atelier gehörte zu den meistbesuchten Orten in Rorschach: Wer ein Familienfoto wollte, posierte bei den Pionierfotografen Paul und Hans Labhart. Noch heute finden sich in vielen Haushalten alte Familienalben mit Labhart-Fotos. In Zeiten, in denen nur wenige das Fotografieren beherrschten, war der Gang zum Profi zwingend. Ganz Rorschach fand sich im Atelier der Labharts ein: Verlobte, Hochzeitspaare, Eltern mit Neugeborenen, Erstkommunikanten, Firmlinge, Konfirmanden, Jubilare und Jubilarinnen, Soldaten und Offiziere, einfache und vornehme Leute, alle wollten bei Labhart einen wichtigen Lebensmoment für immer festgehalten haben.

Hans Labhart nahm sich Zeit, positionierte die Kunden, vor allem die Kundinnen in seinem Atelier in einer möglichst anmutigen Haltung. Er war stets bedacht, die Positur mit idealer Beleuchtung und vorteilhafter Wirkung abzulichten. Für Familienaufnahmen gruppierte der Fotograf die in Sonntagskleidung erschienene Familie etwa um ein mit Blumen geschmücktes Salontischlein, die Eltern sitzend, die Kinder stehend oder im Schoss der Mutter.

Für die Aufnahme mit seiner Fachkamera alles bereit, verschwand Labhart unter dem schwarzen Tuch, das den hinteren Teil der Kamera verhüllte. Er prüfte das gewünschte Bild im Dunkeln auf der Mattscheibe, korrigierte und verbesserte, bis er zufrieden war. Erst dann schob er die Filmkassette ein, rief den Kindern «S’Vögeli chunnt» zu und drückte den Auslöser. So entstanden gestochen scharfe Fotos, jedes Bild ein fotografisches Meisterstück. Wer während der Belichtung den Kopf nicht ganz ruhig hielt, war fürs verschwommene Portrait selber schuld.

Prinzen und Prinzessinnen an Kaiserhof fotografiert

Der Pionierfotograf Hans Labhart (1887-1975). Ganz Rorschach kannte sein Atelier.

Der Pionierfotograf Hans Labhart (1887-1975). Ganz Rorschach kannte sein Atelier.

Paul Labhart, geboren 1859 in Steckborn, kam 1885 als junger Fotograf nach Rorschach und verband sich mit einem Fotografen namens Mange an der Kirchstrasse 43, um das Fotoatelier Mange & Labhart zu gründen. Fünf Jahre später eröffnete er ein eigenes Atelier an der Wartburgstrasse. Sein Sohn Hans, geboren 1887, lernte nach der Matura das Fotografen-Handwerk in Lugano. Er bildete sich weiter in Lausanne, Paris, Cannes, München, Athen und Wien.

Der junge Mann durfte für seine Arbeitgeber an den Höfen des griechischen Königs und des österreichischen Kaisers Franz Josef Fürsten, Prinzen und Prinzessinnen fotografieren. 1914 zwang ihn der Ausbruch des Ersten Weltkriegs zurück nach Rorschach ins Atelier seines Vaters, wo 1915 beide das neu erbaute Atelierhäuschen an der Kirchstrasse 72 bezogen. Die Labharts durchliefen die technische Entwicklung der Fotografie, von der Zeit der Nassplatten zu Trockenplatten bis zu den Agfa- und Kodak- Filmrollen.

So wären sie heute sicher auch fasziniert von der digitalen Fotografie und der hochaufgelösten Pocketkamera des Smartphones.

Ausserhalb ihres Ateliers fotografierten die beiden Labharts leidenschaftlich die Stadt und die Region am See. Die Bevölkerung erkannte allmählich den dokumentarischen Wert dieser Bilder, welche die Labharts den Rorschacher Papeterien für Postkarten verkauften. So begann Hans Labhart in späteren Jahren Fotoalben mit alten Ansichten als Geschenkartikel anzubieten. Diese Alben konnte man individuell gestaltet bestellen. Labhart legte den Interessenten Hunderte von Fotos von früheren Zeiten aus allen Stadtteilen vor. Man wählte diejenigen aus, die besondere persönliche Erinnerungen hervorriefen. Labhart betitelte die Bücher «Alt Rorschach» und signierte alle persönlich. Viele solcher Alben des vergangenen Stadtbildes werden noch heute als Erbstücke hochgeschätzt.

Das grosse Interesse der Bevölkerung für das Aussehen der Stadt in früheren Jahrzehnten zeigte eine 1971 vom Ostschweizer Tagblatt veranstaltete Ausstellung mit Fotos aus dem Labhart Archiv. An der Vernissage unterhielt der bereits 84-jährige Meister Labhart die Teilnehmer mit launigen Erinnerungen. Während zwei Wochen besuchten 5400 Personen die Ausstellung, in der nebst den Ansichten der Stadt auch Portraits von Persönlichkeiten gezeigt wurden.

Der Name Labhart in Rorschach Synonym für Fotokunst

Der Historiker Louis Specker beschreibt Hans Labhart «als begehrten Gesellschaftsfotograf für drei Generationen, ohne den keine Trauung, keine Firmung, keine Konfirmation, kein Vereinsfest und kein Schulabschluss stattfand und auch als unentbehrlichen Mitarbeiter der Presse. In Rorschach galt der Name Labhart beinahe als Synonym für Fotokunst schlechthin».

Zeugen seiner Arbeit sind auch unzählige mit H. Labhart bezeichnete Fotos in den Rorschacher Chroniken und Neujahrsblättern.

Paul Labhart starb 1919. Sein Sohn Hans führte das Atelier bis 1972 weiter. Bei der Geschäftsaufgabe, drei Jahre vor seinem Tod 1975, übergab er das Archiv dem Rorschacher Fotografen Walter Windlin mit der Auflage, dass es eines Tages dem Heimatmuseum im Kornhaus übergeben werde.

Windlin verwaltete das Labhart Archiv im eigenen Atelier, zuletzt an der Kirchstrasse 14. Als er 1979 starb, vermachte seine Witwe Margrit Windlin das umfangreiche Archiv von Glasplatten und Negativen dem Heimatmuseum, wie es Labhart gewünscht hatte. Einen Teil betreute sie weiter, bis 2010 der seinerzeitige Stadtrat Peter Fuchs diese restlichen Bilder für das Fotoarchiv der Stadt Rorschach sicherte. Fuchs gelang es auch, von Foto Gross in St.Gallen deren Ansichtskarten-Bildmaterial über Rorschach zu erwerben.

Alle Print-Fotos im Fotoarchiv der Stadt sind von Niklaus Gebert nach seiner Pensionierung als langjähriger Mitarbeiter der Stadt im Bereich Bau und Stadtentwicklung digitalisiert und bezeichnet worden. Oft konnte er sogar mit Hilfe seiner Gattin Vreni, beide Ur-Rorschacher, auf ganz alten Fotos kaum den Standort ausmachen. Hunderte von Labhart-Glasplatten, die teils bis 1880 zurückdatieren, lagern zurzeit im Museum im Kornhaus. Vielleicht organisiert der Kulturhistorische Verein der Stadt Rorschach nach bald 50 Jahren wieder einmal eine Foto-Ausstellung über das einstige Rorschach. Die alten Portraits könnten die Bevölkerung animieren, eigene Vorfahren ausfindig zu machen. Bisher ist eine mögliche Ausstellung an den Reproduktionskosten der Glasplatten gescheitert.

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