«Wir wünschen uns, dass sich mehr Frauen für diesen Beruf interessieren»: In Goldach werden künftig Sicherheitsprofis ausgebildet

Die Firma MIT Sicherheit AG bietet ab dem nächsten Jahr einen neuen Lehrgang in der Region an.

Natascha Arsic
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Im Februar 2020 führen Angela und Andreas Meier, beide Geschäftsleiter der MIT Sicherheit AG, den ersten Vorbereitungslehrgang durch.

Im Februar 2020 führen Angela und Andreas Meier, beide Geschäftsleiter der MIT Sicherheit AG, den ersten Vorbereitungslehrgang durch.

Bild: Natascha Arsic

Wie wird eine Maschine sicher bedient? Und wie viele Pausen muss ein Mitarbeiter am Tag machen? Das sind Fragen, mit denen sich ein Spezialist für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz (ASGS) beschäftigt. Ab Februar 2020 bietet die MIT Sicherheit AG als einziges Unternehmen in der Ostschweiz einen Vorbereitungslehrgang auf die eidgenössische Berufsprüfung in Goldach an. Die Ausbildung dauert 20 Monate mit 26 Präsenztagen und kann somit berufsbegleitend absolviert werden. Die Kosten dafür belaufen sich auf 11500 Franken.

«Die Teilnehmenden müssen sich Kompetenzen in den verschiedensten Bereichen aneignen», sagt Ausbildungsleiter Andreas Meier. Dazu gehöre beispielsweise das Erstellen und Umsetzen von Sicherheitsmassnahmen, die Durchführung von Schulungen oder auch das Agieren als externer Berater. Die MIT Sicherheit AG führt fünf Zwischenprüfungen durch, die Abschlussprüfung erfolgt dann vom Verein höhere Berufsbildung ASGS.

Eigenes Interesse ist gefragt

Seit zwölf Jahren führen Angela und Andreas Meier, beide Geschäftsleiter der MIT Sicherheit AG, verschiedene Weiterbildungen im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz durch. Die Kurse dauern eins bis zwei Tage. Die Teilnehmenden werden häufig von ihren Unternehmen angemeldet. Es geht dabei um zielgerichtete Themen wie zum Beispiel den Einsatz und Umgang mit der persönlichen Schutzausrüstung gegen Abstürze. Meier sagt:

«Der neue Lehrgang umfasst sozusagen alle Einzelkurse und noch weitere Themen.»

Dabei stehe nicht das Unternehmen im Vordergrund, sondern das eigene Interesse. Der Lehrgang richte sich an Personen aus der ganzen Deutschschweiz, die fasziniert sind von Themen wie Sicherheit und Prävention, so der 51-Jährige. Alter und beruflicher Hintergrund spielen keine Rolle. «Wenn man sich schon etwas in der Thematik auskennt, ist das sicher von Vorteil.» Ein Abschluss auf Sekundarstufe II wird jedoch vorausgesetzt.

Das Arbeitsumfeld eines ausgebildeten Sicherheitsbeauftragten (SiBe) ist vielfältig. Er ist in der Bau-, Gewerbebranche oder auch im Dienstleistungssektor tätig. Wenn ein SiBe in einem Unternehmen angestellt ist, kümmert er sich zum Beispiel um den sicheren Umgang der Mitarbeiter mit Maschinen oder um die Einhaltung des Gehörschutzes. Er kann aber auch im Auftrag der SUVA oder kantonaler Arbeitsinspektorate arbeiten. Laut Meier kommen mit der Veränderung der Gesellschaft laufend neue Aufgaben hinzu.

«Die psychosoziale Belastung, die beispielsweise zum Burnout führt, wird künftig auch zum Verantwortungsbereich des SiBe gehören.»

Dabei gehe es darum, die Stressfaktoren in einem Unternehmen zu analysieren und reduzieren. Um diesen Aspekt unterrichten zu können, absolviert Meier derzeit nebenbei ein Psychologiestudium. Viele Module leitet der 51-Jährige bereits selbst. Für Bereiche, in denen er sich nicht so gut auskennt, greift er auf externe Experten zurück.

Vor allem Männer nehmen teil

Für den ersten Lehrgang im Februar haben sich bereits drei Personen angemeldet. «Sechs Teilnehmer wären ideal, maximal haben wir Platz für zwölf», sagt Angela Meier, die für die Administration zuständig ist. Derzeit seien es vor allem Männer, die als SiBe tätig sind. Andreas Meier sagt:

«Wir wünschen uns, dass sich mehr Frauen für diesen Beruf interessieren.»

Seine Frau fügt hinzu: «Wir treten in einen Raum und betrachten die Dinge aus einer anderen Perspektive. Was Männer vielleicht gar nicht bemerken, empfinden wir als wichtig.» In einer durchmischten Klasse würden sich deshalb jeweils spannende Diskussionen ergeben.

Der neue Lehrgang sei ein Pilotprojekt, wie der 51-Jährige sagt. Es steht zwar bereits fest, welche Module durchgeführt werden müssen. Doch die Teilnehmenden könnten den Unterricht mitgestalten und ihre Wünsche einbringen.