Die Geisterhäuser an der Felsenstrasse in St.Gallen werden demnächst abgebrochen: Damit endet eine über zwei Jahre dauernde Blockade

An der Felsenstrasse können 29 Eigentumswohnungen gebaut werden. Die Baubewilligung ist nun rechtskräftig. Noch ist aber unklar, ob beim Aushub wie bei der Haldenhof-Überbauung wieder gesprengt wird.

Sandro Büchler
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Ein Velofahrer pedalt durch die holprige Felsenstrasse vorbei an den Geisterhäusern.
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Bitte kein Efeu.
Unrat liegt herum.
Sehr sehr alte Zeitungen. Immerhin schön zusammengebunden.
Ein Kinderwagen ohne Räder.
Im Hinterhof wuchert es.
Dieser Besen nützt auch nichts mehr.
Die verschlossene Eingangstür ist ein Graffiti.
Die früheren Hausbewohner mussten vor über zwei Jahren bereits ausziehen, da man dachte, in Kürze werden die vier Gebäude abgerissen.
Eine kaputte Waschmaschine.
Ausgetrunken, ausgesessen, weggeworfen.
Keine Fensterscheiben mehr: Nur noch die Fensterläden klappern manchmal unheimlich bei Wind.
Graffiti zieren das Abbruchhaus.
Blick von der Felsenstrasse auf das neu gebaute Haus der Überbauung Haldenhof (graues Gebäude rechts).

Ein Velofahrer pedalt durch die holprige Felsenstrasse vorbei an den Geisterhäusern.

Bild: Benjamin Manser

Die vier Häuser sind leer, wirken trostlos und für einige Anwohnerinnen und Anwohner unheimlich. Die Gebäude haben keine Fensterscheiben mehr. Aber wenn der Wind durch die Häuser pfeift, klappern die verbliebenen Fensterläden.

Sich selbst überlassen, wuchert es am Hang hinter den vier Häusern an der Felsenstrasse 57 bis 65. Es ist ein Dickicht entstanden. Eine Oase für Katzen und andere Lebewesen. Einigen Anwohnern aber ist die überbordende Natur ein Dorn im Auge und die mittlerweile als Geisterhäuser bezeichneten Gebäude seien ein Schandfleck für die Stadt.

Ein Einsprecher blockierte das Bauprojekt zwei Jahre lang

Denn eigentlich sollten die Häuser an der mittleren Felsenstrasse längst abgebrochen sein. Seit über zwei Jahren wohnt niemand mehr darin. Die Totalunternehmerin Mettler2Invest wollte drei neue Wohnhäuser hochziehen, hatte bereits eine Baubewilligung dafür. Doch dann erhob der Anwohner einer Nachbarliegenschaft Einsprache gegen das Bauprojekt – er sei ungenügend und zeitlich zu knapp darüber informiert worden.

Als der monierte Fehler im Bewilligungsverfahren ein Fall für die Juristen wurde, mussten die kurz bevorstehenden Abbrucharbeiten gestoppt werden. Seither herrscht Stillstand an der Felsenstrasse. Der Rekurrent zog währenddessen seine Einsprache bis vors kantonale Verwaltungsgericht. Dort unterlag er aber vor Kurzem. Damit sind die Tage der Geisterhäuser und der wuchernden Wildnis dahinter definitiv gezählt.

Bauherrin will nun vorwärts machen

Ivan Furlan, Leiter des städtischen Amts für Baubewilligungen, bestätigt:

Ivan Furlan, Dienststellenleiter Amt für Baubewilligungen der Stadt St.Gallen

Ivan Furlan, Dienststellenleiter Amt für Baubewilligungen der Stadt St.Gallen

Bild: Benjamin Manser
«Der Einsprecher hat das Urteil des Verwaltungsgerichtes nicht weitergezogen.»

Zwischenzeitlich sei somit die 2018 ausgestellte Baubewilligung der Bauherrin Mettler2Invest rechtskräftig geworden. Es kann also losgehen an der Felsenstrasse.

Roland Ebneter, Projektleiter bei Mettler2Invest, ist froh über das Ende des Rechtsstreites. «Die Einsprache war ein herber Rückschlag für das Bauvorhaben.» Nun will er vorwärts machen. Drei fünfgeschossige Gebäude mit insgesamt 29 Eigentumswohnungen sind geplant – mit zwischen 1,5 und 4,5 Zimmern. Und eine Tiefgarage für 31 Fahrzeuge.

Roland Ebneter, Projektleiter bei Mettler2Invest

Roland Ebneter, Projektleiter bei Mettler2Invest

Bild: PD

«Mehr als ein Drittel der Wohnungen sind bereits verkauft», sagt Ebneter. Man sei auf Stockwerkeigentum statt Mietwohnungen umgeschwenkt, da dies aktuell sehr beliebt und entsprechend gefragt sei. Zudem wolle die Immobilienfirma eine Alternative zu den Mietwohnungen der Haldenhof-Überbauung auf der anderen Strassenseite bieten.

Ob der Fels weggesprengt oder -gespitzt wird, entscheidet sich in den kommenden Wochen

Im Oktober werden nun laut Ebneter die vier lottrigen Häuser abgebrochen. Im November starten die Aushubarbeiten. «Da das Gelände relativ steil ist, müssen wir den Hang mit sogenannten Böschungsankern sichern.»

Ob der Fels im Untergrund analog zu den Tiefbauarbeiten für den Haldenhof weggesprengt oder aber mit schweren Geräten Stück für Stück abgetragen werde, sei noch offen. «Das Spitzen dauert länger und verursacht einen konstanten Lärm, während es mit Sprengungen zwar schneller geht, aber auch die Emissionen für die Anwohner und die Umwelt grösser sind», sagt der Projektleiter.

Viel Wasser drückt aus dem Fels

Zwischen Wassergasse und Felsenstrasse wurden in den vergangenen Monaten vier siebengeschossige Gebäude hochgezogen. Der Rohbau ist fertig, aktuell wird der Innenausbau fertiggestellt, wie Melanie Wick von H. J. Schmid & Partner Architekten AG am Mittwoch bei einem Rundgang erklärte. Bezugsbereit sollen die insgesamt 60 Wohnungen Mitte 2021 sein.

Für die zwei Parkgeschosse mit nun bis zu 120 Parkplätzen wurden 2018 rund 20 Meter Fels weggesprengt. Zwischen der Gebäudewand und dem Fels besteht ein Zwischenraum, ein sogenannter Sickergang. Darin wird das aus dem Fels drückende Wasser gesammelt, um das Gebäude herumgeführt, wo es wieder in den Untergrund gelangt. Rund drei Liter Wasser pro Minute kommen so zusammen. «Bei starkem Regen sind es bis zu 20 Liter», sagte Wick.

Beim Haldenhof-Bauprojekt gleich nebenan wurde 2018 ein 20 Meter tiefes Loch in den Fels gesprengt. Während mehr als einem halben Jahr detonierten täglich zwischen fünf bis zehn Sprengladungen. «Das Volumen des Aushubs bei uns ist aber wesentlich kleiner als beim Haldenhof», sagt Roland Ebneter.

Das Bauprojekt trägt einen finnischen Namen, als Referenz zum Fels

Er rechnet mit einer Bauzeit von rund 21 Monaten. Bezugsbereit sollen die Wohnungen Ende 2022 sein. Die Überbauung trägt den Namen «Kallio». Ebneter sagt:

«Das ist finnisch und bedeutet Fels.»

Es sei eine Referenz an die Felsenstrasse. «Kurz und prägnant.» In der Regel suche man bei «Mettler2Invest» für Projekte jeweils einen bedeutungsvollen Namen und wolle die Bauvorhaben nicht einfach mit
«-park, -areal oder -hof» benennen.

Hinweis: www.kallio-sg.ch