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Interview

Die frühere Hotelbesitzerin und ihre Kronleuchter: «Die Romantik lebt bei mir zu Hause weiter»

Eliane Vilarino hat die Leitung des Hotels am Ring in St.Gallen an ihren Sohn abgegeben. Doch zurücklehnen will sie sich nicht.
Sandro Büchler

Das Hotel am Ring

Vor und nach der Umgestaltung

Eliane Vilarino zuletzt im Hotel: Doch Plüschsessel, goldiges Geschirr und die Kronleuchter gehören der Vergangenheit an. (Bild: Raphael Rohner - 12. Juni 2019)

43 Jahre hat Eliane Vilarino das Hotel am Ring in St.Gallen zum Palast für ihre Gäste gemacht. Mit seinen prunkvollen Möbeln, aufgemalten Barockmotiven im Treppenhaus und den unzähligen Kronleuchtern galt das Hotel als Unikat in der Stadt. Doch im Juli hat die 66-jährige Hotelbesitzerin den Betrieb an ihren Sohn und seine Partnerin übergeben.

Sie haben umgebaut und aus dem früheren Hotelrestaurant ein Café und Vintage-Laden gemacht.

Wo sind all die Kronleuchter hingekommen?

Eliane Vilarino: Rund 50 der 160 Kronleuchter habe ich verkauft. Die Restlichen habe ich eingelagert und biete sie über das Internet zum Verkauf an. Ein paar Möbelstücke stehen nun auch in meiner Wohnung in Staad. So lebt die Romantik aus dem Hotel bei mir zu Hause weiter.

Wer hat die Möbel und die Kronleuchter gekauft?

Es kamen Interessenten aus der ganzen Ostschweiz. In der ersten Woche nach der Veröffentlichung des «Tagblatt»-Artikels waren es wahnsinnig viele Leute. Bereits am Morgen um 9 Uhr war das Restaurant voller Interessenten. Solche, die ernsthaft etwas kaufen wollten, und solche, die einfach die Inneneinrichtung mit eigenen Augen sehen wollten. Noch heute melden sich täglich Interessierte bei mir.

Wie hat sich «Ihr» Hotel seither verändert?

Mein Sohn Raffael Vilarino und seine Partnerin Jeanette Roldo haben umgebaut und frisch gestrichen. Die Zimmer und das Café erstrahlen nun im Vintage-Stil. Sie sind weiss, hell und luftig. Jetzt, wo meine ganze Ware draussen ist, ist auch mehr Platz vorhanden. Es ist schön für mich, zu sehen, was sie daraus machen. Aber ich muss mich noch an den jungen Stil gewöhnen.

Nun hat ihr Sohn Raffael Vilarino den Hotelbetrieb übernommen. Seine Partnerin Jeanette Roldo führt das Café. (Bild: Benjamin Manser)

Nun hat ihr Sohn Raffael Vilarino den Hotelbetrieb übernommen. Seine Partnerin Jeanette Roldo führt das Café. (Bild: Benjamin Manser)

Was tun Sie mit der neugewonnenen Freizeit?

Ich geniesse es, nicht mehr auf die Uhr schauen zu müssen. Da ich den See direkt vor meiner Nase habe, war ich viel schwimmen. Ich nähe, gehe mit meinem Hund spazieren. Zudem habe ich mir ein Klavier gekauft. Auch Theateraufführungen und Konzerte habe ich mir gegönnt – alles Dinge, die ich zuvor nicht machen konnte. Aber ich trödle weiter an Flohmärkten, habe mir neue Kronleuchter gekauft, die ich nun repariere. Für Langeweile habe ich gar keine Zeit.

Im Juli sagten Sie, dass Sie von ehemaligen Hotelgästen Einladungen auf der ganzen Welt erhalten hätten. Denken Sie ans Verreisen?

Eliane Vilarino wird es so schnell nicht langweilig. (Bild: Sandro Büchler)

Eliane Vilarino wird es so schnell nicht langweilig. (Bild: Sandro Büchler)

Eine befreundete Russin wollte mich beim letzten Besuch in der Schweiz gleich mitnehmen, eine andere Kollegin lud mich in die USA ein. Singapur würde ich auch gerne erkunden. Aber das ist mir vorerst zu weit entfernt. Zurzeit sind mir Kurztrips lieber: Im Sommer habe ich Montreux und Bern besucht. Eine Flugreise auf die Insel Jersey war aber leider schon ausgebucht. Meine Abenteuerreisen kommen erst.

Was hält Sie davon ab?

Ich bin ein recht ungeduldiger Mensch. Ich kann nicht warten. Wenn ich verreise, muss es sofort losgehen. Nur schon nach Zürich zu reisen, das ganze Prozedere vor dem Flug und dann die Flugzeit – da werde ich ganz ungeduldig. Deshalb gefällt mir Altenrhein so gut, da geht alles viel leichter und einfacher.

Wie denken Sie über den Begriff Nostalgie?

Ich lebe nostalgisch. In meiner Wohnung lebt die Nostalgie aus dem Hotel zwar weiter. Doch ich schaue vorwärts. Je weniger ich im Hotel bin, umso weniger denke ich daran. Nostalgische Gefühle kommen bei mir aber auch auf, wenn ich durch St.Gallen flaniere und sehe, wie sich die Stadt verändert, wie alteingesessene Geschäfte immer mehr verschwinden.

Hinweis

Das neue Café im Erdgeschoss des Hotels ist am Dienstag, Donnerstag und Freitag jeweils von 7.30 bis 12 Uhr und von 14.30 bis 18.30 Uhr geöffnet. Zudem öffnet das Café am Mittwoch von 7.30 bis 12 Uhr und am Samstag von 9 bis 15 Uhr. https://cafi-marchenoir.ch/

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