Die fleissigsten Schweizermacher: Diese Gemeinden in der Region St.Gallen bürgern die meisten Ausländer ein

Eine neue Studie zeigt, welche Gemeinden in der Region St.Gallen am meisten Schweizer Pässe vergeben.

Michel Burtscher
Merken
Drucken
Teilen
Den roten Pass erhält nicht jeder: Der Prozess ist kompliziert.

Den roten Pass erhält nicht jeder: Der Prozess ist kompliziert.

Bild: Michel Canonica

Schaut man sich die absoluten Zahlen an, stehen Muolen und Häggenschwil am unteren Ende der Liste: Nirgendwo in der Region wurden in den vergangenen drei Jahrzehnten weniger Ausländerinnen und Ausländer im ordentlichen Verfahren einbürgert als dort. Konkret gab es zwischen 1992 und 2017 gesamt 13 Einbürgerungen in Muolen und 23 in Häggenschwil.

Das zeigt eine neue Studie der Universität Genf und der Eidgenössischen Migrationskommission, in der Zahlen zum «Einbürgerungsland Schweiz» nach Gemeinden ausgewertet wurden. In den grösseren Städten und Gemeinden wurden im gleichen Zeitraum – wenig überraschend – viel mehr rote Pässe vergeben. In St.Gallen waren es 8601, in Gossau 1152, in Wittenbach immerhin noch 801.

Klar ist, egal um welche Gemeinde es geht: Den roten Pass bekommt nicht jeder. Wer Bürgerin oder Bürger der Schweiz werden will, muss einige Hürden überwinden. Besonders das ordentliche Einbürgerungsverfahren ist kompliziert. Das hat mit dem föderalistischen System zu tun. Denn in den Prozess sind neben dem Bund auch der Wohnkanton und die Wohngemeinde involviert.

Zusammensetzung der Bevölkerung hat Einfluss

Es geht darum, herauszufinden, ob sich Gesuchstellende ausreichend mit der Schweiz identifizieren und ob sie integriert sind. Dabei stehen den Behörden «weitreichende Ermessensspielräume» offen, wie die Migrationskommission schreibt. Immer wieder haben Gemeinden mit kuriosen Fragen bei Einbürgerungsgesprächen Aufsehen erregt. So wurde ein Italiener in der Innerschweiz gefragt, ob Bären und Wölfe im nahe gelegenen Tierpark im selben Gehege leben.

Interessant ist die Studie vor allem, weil die Autoren eine standardisierte Einbürgerungsquote berechnet haben, die Unterschiede in der Praxis der Gemeinden aufzeigen soll. Normalerweise wird die rohe Einbürgerungsquote verwendet, die das Verhältnis zwischen der Zahl der Einbürgerungen und der Zahl der Ausländer zeigt. Doch die Zusammensetzung der ausländischen Bevölkerung ist nicht überall gleich – und das hat Auswirkungen auf die Einbürgerungszahlen.

Muolen und Andwil mit der höchsten Einbürgerungsquote

So haben Gemeinden mit vielen jungen Ausländern tendenziell eine höhere rohe Einbürgerungsquote als jene mit langansässigen Ausländern, weil Letztere seltener ein Gesuch stellen. Mit der Standardisierung sollen solche Unterschiede ausgeblendet werden. Eine hohe standardisierte Quote verweist demnach auf eine liberale Einbürgerungspraxis, eine tiefe auf eine restriktive, schreiben die Forscher.

Nimmt man sie beim Wort, heisst das mit Blick auf die Region: Am liberalsten wird in Muolen und in Andwil eingebürgert – zumindest wenn man 2011 bis 2017 betrachtet. Für diesen Zeitraum beträgt die Quote Muolens 5,5 Prozent, jene Andwils 4,1 Prozent. Bei so kleinen Gemeinden sollte man diese Zahlen mit Vorsicht geniessen, einige Einbürgerungen mehr oder weniger können einen grossen Einfluss haben. Gossau und Wittenbach weisen eine Quote von 1,8 beziehungsweise 1,2 Prozent auf. Bei der Stadt St.Gallen sind es 1,3 Prozent.

Manchenorts wurde niemand eingebürgert

Unstrittig ist indes, dass heute mehr eingebürgert wird als früher. So wurden in der Region St.Gallen zwischen 1992 und 1996 gesamt 1026 rote Pässe vergeben, davon 891 alleine in der Stadt St.Gallen. Gar niemand eingebürgert wurde in diesen Jahren in Mörschwil, Andwil und Waldkirch. In Berg, Eggersriet und Muolen erhielt damals nur je eine Person den roten Pass. Dann nahmen die Zahlen zu, wenn auch nicht überall gleich stark. Der Höhepunkt war zwischen 2004 und 2010, als es 4747 ordentliche Einbürgerungen gab.

Spannend ist ein Blick auf die Nationalitäten. Zuletzt erhielten vor allem Deutsche, Italiener und Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien den Schweizer Pass. In Andwil, Gaiserwald, Mörschwil und St.Gallen führt Deutschland zwischen 2011 und 2017 die Statistik an. In Gossau ist es Serbien, in Waldkirch Italien und in Wittenbach Italien und Serbien.