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Über 1000 Tonnen schwer und 300 Meter lang: In St.Gallen hebt ein riesiger Bauzug die Gleise an

Es ist eine der grössten Sommerbaustellen der Schweiz: In den kommenden Wochen erneuern die SBB die Gleise zwischen Hauptbahnhof und Winkeln. Dafür kommt ein über 300 Meter langer Bauzug zum Einsatz.
Luca Ghiselli
Bauen vor Publikum: Arbeiter heben die Gleise der Bahnstrecke in Winkeln mit einem grossen Bauzug an. (Bild: Benjamin Manser)

Bauen vor Publikum: Arbeiter heben die Gleise der Bahnstrecke in Winkeln mit einem grossen Bauzug an. (Bild: Benjamin Manser)

Es ist laut, sehr laut sogar. Spaziergänger und Velofahrer bleiben stehen, suchen sich ein Plätzchen am steilen Hang. Unterhalb des Gübsensees, gleich vor der SBB-Brücke, steht ein Koloss. 308 Meter lang, über 1100 Tonnen schwer. PM 1000 heisst der riesige Bauzug, mit dem die SBB seit Anfang Woche die Fahrbahn zwischen Hauptbahnhof und Winkeln erneuern.

Der riesige Bauzug ist eine fahrende Fabrik, eine rollende Baustelle. Er hebt den Schotter unter den bestehenden Schienen und Schwellen aus und bereitet ihn neu auf. Zu diesem Zweck werden die Steine über ein komplexes Leitungssystem in den Zug geführt, dort mit Wasser gereinigt und später wieder zurückgeführt. Der Vorteil dieser Methode: Rund zwei Drittel des Schotters, der unter der Gleisstrecke verbaut ist, kann so wiederverwertet werden, der Rest wird zugemischt.

Seit Februar sind die SBB mit den Vorarbeiten beschäftigt, während der Sommerferien ist nun die Fahrbahnerneuerung beider Gleise im Gang. Das Projekt umfasst neben neuen Gleisen und einem neuen Unterbau auch eine sogenannte Zugfolgezeitverkürzung. Diese ist nötig, um einen dichteren Fahrplan gewährleisten zu können. Während ein Zug heute drei Minuten warten muss, um auf dieser Strecke auf einen anderen zu folgen, sollen es nach Abschluss der Arbeiten und mit dem Fahrplanwechsel 2018 im Dezember nur noch zwei Minuten sein. Dafür werden zwei neue Weichen eingebaut, die Signalisation angepasst, ein neuer Fahrleitungsmast installiert.

Kosten sparen dank Totalsperrung

SBB-Projektleiter Manuel Meier. (Bild: Benjamin Manser)

SBB-Projektleiter Manuel Meier. (Bild: Benjamin Manser)

Die Gesamtkosten des Grossprojekts belaufen sich auf rund 28,5 Millionen Franken. «Wir mussten uns die Frage stellen, ob wir nur in der Nacht unter Vollbetrieb arbeiten oder lieber eine Teilsperrung des jeweiligen Gleises in Kauf nehmen», sagt Projektleiter Manuel Meier. Schliesslich habe man sich für die zweite Variante entschieden. Dies habe zwar im Regional- und Fernverkehr Zugausfälle und längere Reisezeiten zur Folge (siehe Infobox), damit hätten aber auch Synergien genutzt und somit Kosten gespart werden können.

Tag und Nacht sind die Arbeiter während den kommenden Wochen mit dem Gleisbau beschäftigt. (Bild: Benjamin Manser)

Tag und Nacht sind die Arbeiter während den kommenden Wochen mit dem Gleisbau beschäftigt. (Bild: Benjamin Manser)

Am Bauzug arbeiten während den kommenden Wochen 35 Personen im Schichtbetrieb. Alle paar Minuten blinken Drehlichter und heult eine Sirene auf. Es ist das Signal, dass gleich ein Zug auf dem anderen Gleis vorbeirauscht. Läuft alles optimal, schafft die PM 1000 rund 30 Meter Gleis pro Stunde. Zu erneuern gibt es über sechs Streckenkilometer.

Der Bauzug kommt aus dem österreichischen Linz, Fachleute von dort helfen beim Bedienen. «Normalerweise arbeiten wir mit kleineren Fahrzeugen», sagt Meier. «Der Zeitplan ist eng», sagt Ronald Julen, zweiter Projektleiter der wandernden Grossbaustelle. Bis jetzt habe man mit dem Wetter Glück gehabt, gearbeitet werde aber bei jeder Witterung und zu jeder Tageszeit.

Während der Arbeiten bleibt ein Gleis befahrbar. Wenn ein Zug anrollt, werden die Arbeiter von Sirenen gewarnt. (Bild: Benjamin Manser)

Während der Arbeiten bleibt ein Gleis befahrbar. Wenn ein Zug anrollt, werden die Arbeiter von Sirenen gewarnt. (Bild: Benjamin Manser)

Der Bauzug hat es nun schon fast zum Bahnhof Winkeln geschafft. Ist er dort angelangt, wird er zwischenzeitlich andernorts eingesetzt, bevor er zurück nach St. Gallen kommt und die andere Spur erneuert. Bis 12. August sollen die Hauptarbeiten abgeschlossen und die Strecke normal befahrbar sein. Dann stehen noch Nacharbeiten an. «Dabei handelt es sich aber um reine Montagearbeiten», sagt Julen.

Verständnis für die Lärmklagen

Die Warnsirenen, der Schotter, der in den Zug rauscht: Die Arbeiten auf der Gleisstrecke sind für die Anwohner eine Belastung. «Wir haben bereits mehrere Lärmklagen von Anwohnern erhalten», sagt Projektleiter Manuel Meier. Er habe dafür Verständnis. «Wir versuchen alles, die Emissionen so gering wie möglich zu halten.» Aber die akustischen Warnsignale seien wichtig für die Sicherheit der Gleisarbeiter – und deshalb unverzichtbar. «Und weil die Baustelle wandert, sind auch nicht die gleichen Anwohner über Wochen dem Lärm ausgesetzt.»

Zugausfälle und längere Reisezeiten

Während der Gleisarbeiten zwischen Winkeln und Hauptbahnhof ist der Regional- und Fernverkehr eingeschränkt. So verkehrt der IC von St. Gallen nach Genf nur bis, beziehungsweise ab, Wil. Dieser verkehrt jeweils zur Minute XX.11 anstatt zur Minute XX.12. Und auch der Interregio nach Basel fährt zum Teil nur bis nach Wil. Im Regionalverkehr fallen die Züge der S11 zwischen Winkeln und Hauptbahnhof aus, für die drei Verbindungen um 6.05, 7.05 und 8.05 Uhr verkehren Ersatzbusse zum Hauptbahnhof. (ghi)

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