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Ortsbürgergemeinde plant erste Studentensiedlung der Stadt St.Gallen

Bis 2022 soll im Areal der Stadtsäge eine neue Überbauung entstehen. Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen will dort Wohnraum für rund 240 Personen schaffen. Ein Grossteil ist für Studenten vorgesehen. Denn für diese fehlt derzeit ein solches Angebot.
David Gadze
Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen hat die Stadtsäge Mitte 2016 an die Thurholz GmbH verkauft. Diese konzentriert die Produktion ab 2019 in Buhwil im Thurgau. (Bild: Ralph Ribi)

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen hat die Stadtsäge Mitte 2016 an die Thurholz GmbH verkauft. Diese konzentriert die Produktion ab 2019 in Buhwil im Thurgau. (Bild: Ralph Ribi)

Im Laufe des kommenden Jahres wird die Stadtsäge St.Gallen ihren Betrieb einstellen. Wo heute noch Holz verarbeitet wird, soll aber auch künftig viel Holz vorhanden sein, allerdings in anderer Form: Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen, der das Grundstück gehört, strebt dort bis 2022 eine Überbauung an, bei der wesentliche Teile der Tragkonstruktion und der Fassaden aus Holz hergestellt sind. Das Gelände will sie im Baurecht zur Verfügung stellen. Kürzlich hat sie einen Studienauftrag zur Entwicklung des Areals ausgeschrieben.

Mit dieser Überbauung will die Ortsbürgergemeinde eine Lücke auf dem städtischen Wohnungsmarkt schliessen, zumindest teilweise. Denn vom geplanten Wohnraum für rund 240 Personen soll ein grosser Teil Studentinnen und Studenten zur Verfügung stehen: Mindestens 150 Studierende sollen dort Unterschlupf finden. Es wäre die erste Studentensiedlung der Stadt. Damit möchte die Ortsbürgergemeinde gemäss Wettbewerbsprogramm einen Beitrag leisten, um St.Gallen als Bildungsstandort zu stärken und indirekt auch den Fachkräftenachwuchs zu fördern. Die hohe Nachfrage nach «studentengerechten Wohnräumen» in St.Gallen sei durch Abklärungen nachgewiesen. Aktuell bestehe Bedarf für mindestens 400 Studenten (siehe Zweittext).

Eine Mischung aus WG und Kleinwohnung

Im Zuge der Erarbeitung des Wettbewerbsprogramms sei die Verwaltungsdirektion der Hochschulen auf die Ortsbürgergemeinde zugekommen, sagt Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften. Sie habe beliebt gemacht, in der neuen Überbauung Studentenwohnungen anzubieten. An anderen Schweizer Hochschulstandorten gehörten solche Studentensiedlungen zum Standard, in St.Gallen seien sie hingegen Mangelware. «Das Wettbewerbsprogramm haben wir in der Folge entsprechend gestaltet», sagt Hettich. In der Jury seien auch die Hochschulen sowie die Stadtplanung mit beratenden Experten vertreten. Verschiedene potenzielle Investoren hätten bereits ihr Interesse signalisiert. «Es ist aber nicht vorgesehen, diese Überbauung mit einem reduzierten Baurechtszins zu fördern, weil es sich um Studentenwohnungen handelt.»

Das Angebot soll von Studierenden der unterschiedlichen Bildungsinstitutionen wie der Universität St. Gallen, der Fachhochschule oder der Pädagogischen Hochschule genutzt werden können. Es sei aber nicht vorgesehen, dass die Bildungsinstitutionen die Wohnungen mieten und sie dann an die Studenten weitervermieten, sagt Hettich. Vielmehr soll der Investor oder eine noch zu bildende Betreiberorganisation für die Vermietung zuständig sein. Bei der Variante mit einer Betreiberorganisation wäre es gemäss Hettich denkbar, dass diese die Wohnungen mietet und dann an die Studierenden weitergibt.

Die Nähe zu den Spitälern (Kantonsspital, Kinderspital, geriatrische Klinik) mit ihren Ausbildungsplätzen erschliesse eine weitere potenzielle Mietergruppe, schreibt die Ortsbürgergemeinde. Das Besondere an der Überbauung sei, dass auch «Wohnräume mit verschiedenen und innovativen Wohntypologien» entstehen sollen, die den Bedürfnissen verschiedener Lebensformen gerecht werden sollen – zum Beispiel Clusterwohnungen. Dabei handelt es sich gemäss Hettich um «eine Kreuzung zwischen einer WG und einer Kleinwohnung»: Jeder Bewohner hat sein eigenes Zimmer, die Küche gehört allen. Anders als bei einer WG verfügt jedes Zimmer über ein Bad und allenfalls über eine Kochnische. Die Studentenwohnungen richten sich hauptsächlich an WGs von zwei bis vier Personen. Zudem sind auch Gemeinschaftsräume und Studios für Einzelpersonen geplant. Die restlichen sollen normale Mietwohnungen sein.

Bezug voraussichtlich im Jahr 2022

Im Areal Waldacker, wo der Investor Previs Vorsorge auf dem Land der Ortsbürgergemeinde im Baurecht ab Mitte 2019 eine neue Überbauung mit insgesamt 113 Wohnungen erstellt, seien jedoch keine spezifischen Studentenwohnungen geplant, sagt Hettich. Es gebe aber andere Grundstückbesitzer in der Stadt St. Gallen, die sich damit beschäftigten, die Nachfrage nach zusätzlichem Wohnraum für Studenten zu decken.

Die Ortsbürgergemeinde will bis im März 2019 entscheiden, wer den Zuschlag für den Baurechtsvertrag erhält. Läuft alles wie vorgesehen, könnten die Bauarbeiten Anfang 2021 beginnen. Da es sich zu grossen Teilen um einen modularen Holzbau handeln werde, sei die Bauzeit relativ kurz, sagt Urban Hettich. Die Mieter sollen die Wohnungen ungefähr 2022 beziehen können. Für die Umsetzung des gewählten Projektes sei voraussichtlich ein Sondernutzungsplan erforderlich.

«Ein willkommener erster Schritt»

Rund 11500 Studentinnen und Studenten waren Ende 2017 an der Universität St. Gallen, den Teilschulen der Fachhochschule Ostschweiz (FHS St. Gallen und NTB Buchs) sowie der Pädagogischen Hochschule auf dem Platz St. Gallen eingeschrieben. Das geht aus dem Wettbewerbsprogramm für die neue Überbauung auf dem Areal der Stadtsäge hervor. Ein Teil dieser Studenten verlegt seinen Wohnort während des Studiums in die Stadt oder die nähere Umgebung. In ihrer Stellungnahme schreiben die Verwaltungsdirektoren der St. Galler Hochschulen im Wettbewerbsprogramm, dass gegenwärtig ein Wohnbedarf für mindestens 400 Studentinnen und Studenten, längerfristig gar für bis zu 10 Prozent bestehe. Gemäss der Grösse des Bildungsstandorts St. Gallen überrasche im Vergleich mit anderen Hochschulstandorten in der Schweiz, dass sich bis dato kein spezifisches Angebot für studentisches Wohnen etabliert habe.

Ein Problem vor allem für Austauschstudenten

Die Wohnungsnot für Studenten sei schon lange ein Problem, wenn auch nicht für alle ein gleichermassen Grosses, sagt Stephan Gmür, Präsident der Stiftung Studentenwohnungen der Universität St. Gallen. «Wir brauchen vor allem Wohnraum für Austauschstudenten, die nur für kurze Zeit nach St. Gallen kommen.» Denn während reguläre Studenten dank des vergleichsweise hohen Wohnungsleerstands in St. Gallen relativ einfach eine Wohnung oder WG finden, sei dies bei Austauschstudenten schwieriger. «Für sie gibt es keinen Markt. Deshalb quartieren wir sie derzeit in diversen Liegenschaften ein, die wir in der ganzen Stadt gemietet haben.» Die Stiftung suche etwa seit fünf Jahren mit Hochdruck nach Möglichkeiten, eine Studentensiedlung zu realisieren. «Wir haben viele Liegenschaften, die in den vergangenen Jahren umgebaut wurde, für eine Umnutzung geprüft.» Die meisten seien aber ohnehin zu klein. Denn ein richtiges Studentenwohnheim brauche mindestens 100, eher 150 Plätze sowie Gemeinschaftsräume. «Wichtig ist nicht nur ein Bett, sondern auch der Austausch.» Und im Idealfall sei es zentrumsnah, wie das Areal Stadtsäge.

Selber bauen ist nicht Aufgabe der Hochschulen

Selbst wollen aber weder die Universität noch die Stiftung ein solches Angebot bauen. Auch in der Stellungnahme der Hochschuldirektoren heisst es, dass die Bereitstellung von Wohnraum für Studierende einzig subsidiär zu den Kernaufgaben der Hochschulen und ihrer Trägerschaften gehöre. «Unsere Stiftung hat derzeit nicht die Mittel, ein solches Projekt zu realisieren, da sie bereits in andere Liegenschaften investiert hat.» Stephan Gmür ist dennoch sicher, dass der Bedarf an Studentenwohnungen in den kommenden Jahren zunehmen wird. Das Projekt der Ortsbürgergemeinde sei ein willkommener Anfang, und inzwischen hätten andere Grundeigentümer Interesse signalisiert. Konkret sei aber noch nichts. (dag)

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