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Die erste Bundesrätin zu Besuch: Eigentlich ist Kopp eine St.Gallerin

Elisabeth Kopp hat die Rolle der Frau in der Schweiz geprägt. Am Freitag besucht die erste Bundesrätin die Stadt St.Gallen.
Sandro Büchler
Nachdem sich Elisabeth Kopp aus der Öffentlichkeit zurückzog, äussert sie sich heute wieder aktiv. (Bild: Claudio Thoma, Zürich, 26. Oktober 2018)

Nachdem sich Elisabeth Kopp aus der Öffentlichkeit zurückzog, äussert sie sich heute wieder aktiv. (Bild: Claudio Thoma, Zürich, 26. Oktober 2018)

St.Gallen ist eigentlich ihre Heimstadt. Das sagt Elisabeth Kopp selbst. Zwar ist die erste Bundesrätin der Schweiz in Bern und Muri aufgewachsen. Doch sie sei ebenso stolz, St.Gallerin zu sein. «Denn hier bekam ich mein erstes Bürgerrecht», sagt die 82-Jährige. Später seien zwar noch weitere Bürgerrechte und Ehrenbürgertitel hinzugekommen. Doch die Gallusstadt bedeute ihr besonders viel. «Denn ich habe auch ein Faible für St.Galler Spitzen», sagt Kopp. Sie schaue sich gerne im Textilmuseum um, wenn sie hie und da in St.Gallen sei.

«Aber ich muss zugeben, dass ich die Stadt nur schlecht kenne.»

Kopps Hang für das St.Galler Textilhandwerk hat auch mit ihren Wurzeln zu tun. Denn die liegen in der Hochblüte der hiesigen Stickereiindustrie. Ihr Grossvater Adolf Iklé war so etwas wie der letzte «Stickerei-Baron» der Stadt. Als letzter der Familie betrieb er die Stickereiexportfirma Iklé-Frères. In Berlin, Hamburg, Paris, London und New York hatte diese Niederlassungen.

Kopps Name ist in vielen Köpfen präsent

Noch heute sind Iklés Spuren in St.Gallen sichtbar. An der Feldlistrasse 31a liess er 1880 die erste Schifflistickereifabrik der Ostschweiz errichten. Im Jahr 1923 starb Adolf Iklé 71-jährig, noch bevor das traditionsreiche Unternehmen 1929 in der Stickereikrise verkauft wurde. Sohn Max – Elisabeth Kopps Vater – wuchs in St.Gallen auf, ehe er als junger Mann nach Zürich zog.

Kopp ist morgen Freitag im Alters- und Pflegeheim am Schäflisberg zu Gast. Die St.Galler Filmemacherin Eveline Falk wird die Altbundesrätin interviewen. «St.Gallen ist für mich eine lebendige und aufgeschlossene Stadt», sagt Kopp. Sie blickt erwartungsvoll auf den Besuch: «Denn ältere Leute haben immer wahnsinnig Freude, mich zu sehen. Viele kennen mich von früher, aus dem Fernsehen.» Es überrasche sie stets aufs Neue, wie präsent ihr Name noch immer in den Köpfen sei.

Kopps Leben erzählt auch davon, wie sich die Frauen in der Schweiz emanzipiert haben. 1974 wurde Kopp im zürcherischen Zumikon zur ersten Gemeindepräsidentin der Deutschschweiz gewählt. Zuvor war sie das erste weibliche Mitglied im Erziehungsrat des Kantons Zürich. Und schliesslich wurde sie am 2. Oktober 1984 mit 124 von 244 Stimmen als erste Frau in den Bundesrat gewählt. Kopps Geschichte ist aber auch die eines unrühmlichen Abgangs und einer medialen «Hexenjagd», wie sie es später nannte (siehe Kasten). Nach dem Rücktritt zog sie sich für lange Zeit aus der Öffentlichkeit zurück.

Die erste Bundesrätin

Elisabeth Kopp wurde 1936 geboren, wuchs in Bern auf und studierte in Zürich Rechtswissenschaften. Sie war von 1984 bis 1989 die erste Bundesrätin der Schweiz. Ein umstrittenes Telefongespräch von Kopp mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann, führte im Herbst 1988 zu einem Skandal. Unter dem öffentlichen Druck trat sie im Januar 1989 von ihrem Amt zurück. Später stellte sich der Vorwurf der Amtsgeheimnisverletzung als falsch heraus. (sab)

Trotz Widerstand auf Katalysatorpflicht beharrt

Dass mit Simonetta Sommaruga, Viola Amherd und Karin Keller-Sutter heute drei Frauen im Bundesrat sitzen, freut Kopp.

«Ich hätte mir damals eine Kollegin im Gremium gewünscht – egal von welcher Partei.»

Mit Keller-Sutter ist 30 Jahre nach Kopp erst die zweite FDP- Bundesrätin im Amt. «Sie ist eine fähige Bundesrätin und ich beobachte ihr Tun aktiv», sagt Kopp über ihre Parteikollegin.

Die Altbundesrätin setzt sich neben der Gleichberechtigung von Frauen und Migrationsfragen für den Umweltschutz ein. Die Demonstrationen der Klimajugend beurteilt Kopp positiv. «Es ist erfreulich, wenn etwas geschieht – aber es könnte noch mehr sein.» Denn die Klimafrage gehe alle an, da alle davon betroffen seien.

Gerne erzählt Kopp, wie sie es geschafft hat, dass die Schweiz als erstes europäisches Land eine Pflicht für bleifreies Benzin und Katalysatoren eingeführt hat. Sie erinnert sich, wie sie trotz Widerstand auf ihrer Idee beharrte. «Nur wer nicht nachlässt, gewinnt.» Das Motto habe sie aus ihrer Zeit bei der Pfadi verinnerlicht. Das Mantra brachte Kopp als Teenager auch zur Schweizer Juniorenmeisterschaften im Eiskunstlauf. Ein weiterer Aspekt in der vielfältigen Biografie Kopps.

Hinweis

Elisabeth Kopp im Gespräch: Fr, 14 Uhr, Alterszentrum am Schäflisberg, Felsenstrasse 6. Die Veranstaltung ist öffentlich.

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