Gossau sehnt die Deponie herbei: Beim Lärmschutzwall geht es langsam vorwärts

Der Kanton will das Gebiet Weid in Gossau als Deponiestandort in den Richtplan aufnehmen. Auch Standorte in Mörschwil und Waldkirch stehen auf der Liste.

Perrine Woodtli
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Ein Lärmschutzwall entlang der A1 soll die Anwohner vor dem Lärm schützen. Das Gebiet Weid wäre der vierte Deponiestandort in Gossau, der in den Richtplan aufgenommen wird. Bereits aufgenommen wurden Radmoos, Degenau und Nutzenbuech.

Ein Lärmschutzwall entlang der A1 soll die Anwohner vor dem Lärm schützen. Das Gebiet Weid wäre der vierte Deponiestandort in Gossau, der in den Richtplan aufgenommen wird. Bereits aufgenommen wurden Radmoos, Degenau und Nutzenbuech.

Bild: Michel Canonica

Wohin mit dem Aushub? Diese Frage stellt sich der Kanton St.Gallen schon lange. Denn es gibt zu wenige Deponien. 2018 wurde 1,3 Millionen Kubikmeter unverschmutzten Aushubs abgelagert. Für diese Mengen reichen die Deponien nicht mehr aus, weshalb immer mehr Bauunternehmer ihren Aushub teilweise sogar ins Ausland bringen müssen.

Nun hat der Kanton seine Richtplan-Anpassung 2020 veröffentlicht. Er beantragt, sechs zukünftige Deponiestandorte in den Richtplan aufzunehmen. Unter den neuen Standorten befinden sich gleich vier in der Region St.Gallen: Weid in Gossau, Wannenwis in Waldkirch sowie Meggenhus und Wisental in Mörschwil.

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau

Wolfgang Giella, Stadtpräsident Gossau

Bild: Ralph Ribi

In Gossau wartet man schon lange darauf, dass der Standort Weid in den Richtplan aufgenommen wird. Die Stadt will mit einer Aushubdeponie einen Lärmschutzwall entlang der Autobahn realisieren. Ein fertiges Projekt gibt es noch nicht. Es müssten noch diverse Fragen geklärt werden, sagt Stadtpräsident Wolfgang Giella. Wie lange der Lärmschutzwall beispielsweise wäre, ist noch unklar.

Vorgesehen ist eine Dammschüttung südlich der A1 zwischen dem Gewerbegebiet Langfeld und der Lindenbergstrasse. Die Baufirma Hastag habe im Sinne einer Vorleistung die planerischen Arbeiten erbracht, sagt Giella. «Wichtige Partner sind aber auch die Grundeigentümer, mit denen das Projekt entwickelt werden muss.»

Flig fordert zügige Planung

Der Stadtrat sei nun «natürlich froh», dass der Deponiestandort im Entwurf des Richtplans sei, sagt Giella. «Wir hoffen, dass das Kantonsparlament diesen Entwurf hinsichtlich Deponiestandort auch so beschliesst.» Ob die Deponie letztlich komme, müsse sich aber noch zeigen.

Alfred Zahner, Flig-Politiker

Alfred Zahner, Flig-Politiker

Bild: Ralph Ribi

Der Lärmschutzwall ist schon lange ein Steckenpferd der Flig. Die Partei macht sich seit 2002 dafür stark. Entsprechend freut sich die Flig nun darüber, dass der Standort Weid im kantonalen Richtplan aufgenommen werden soll, teilt Alfred Zahner mit. Der ehemalige Parlamentarier und Flig-Präsident setzte sich an vorderster Front für den Wall ein.

Zu verdanken sei dieser erste Schritt dem «langjährigen, hartnäckigen Einsatz der Flig» sowie den «kürzlichen Interventionen des Stadtrats beim Kanton», sagt Zahner. Die definitive Planung müsse nun zügig folgen.

«Dies nachdem das Baudepartement bereits 1980 in Aussicht stellte, entlang der Autobahn einen Lärmschutzwall zu errichten.»

Der Wall könnte viele Bewohner im Gebiet Watt/Oberwatt vor dem Autobahnlärm schützen, sagt Zahner. Zudem könnte sich der nach Süden ausgerichtete Wall als idealer Standort für Solaranlagen erweisen.

Ein Standort ohne Konflikte gibt es nicht

Die Deponie Weid soll Platz für 500000 bis 700000 Kubikmeter Aushub haben. Das Amt für Umwelt kommt zum Schluss, dass beim Standort zwar mehrere Konfliktpunkte vorhanden sind, dieser aber grundsätzlich geeignet ist. Ein Problem ist, dass Fruchtfolgeflächen betroffen sind. Es ist daher zwingend, nach Deponiebetrieb den Boden so zu rekultivieren, dass dieser wieder mindestens die heutige Qualität aufweist. Am Standort befindet sich zudem der eingedolte Fenngraben-Bach. Dieser müsste offengelegt werden.

Angesprochen auf die Konfliktpunkte sagt Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton:

«Einen Standort ohne Konflikte kann es in unserem dicht überbauten Land eigentlich gar nicht geben.»
Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton

Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton

Bild: PD

Bei der Eignungsprüfung beurteile man die Standorte anhand diverser Kriterien. Allerdings könne nicht ausgeschlossen werden, dass bei den Detailuntersuchungen herauskomme, dass ein Standort doch nicht realisierbar sei.

Gammeter betont, mit dem Eintrag in den Richtplan sei erst der erste von vielen Schritten getan. «Dringender ist momentan, dass geplante Deponien bewilligt und in Betrieb genommen werden können.»

Bevölkerung kann mitwirken

Der Entwurf der Richtplan-Anpassung liegt bis 30.April in allen Gemeinden auf. Bis dann können die Gemeinden und Bürger Anmerkungen einreichen. Nach der Vernehmlassung werden die Inputs ausgewertet und veröffentlicht. Es sei durchaus möglich, dass noch Anpassungen an den Anträgen vorgenommen werden, so Gammeter.

Danach muss die Anpassung durch die Regierung erlassen und durch den Bund genehmigt werden. Läuft alles nach Zeitplan, wird das gegen Ende Jahr der Fall sein. In der Regel beginnen erst danach die Projektierungsarbeiten für die Deponien.

Waldkirch hält Standort für problematisch

Nebst dem Gebiet Weid will der Kanton drei weitere Standorte in der Region in den Richtplan aufnehmen. In Mörschwil soll an den Standorten Meggenhus und Wisental eine Deponie entstehen. Der Standort Wisental, der sich zwischen der «Unteren Waid» und der Swisswindows AG befindet, ist alleine für die Ablagerung des nicht verwertbaren Tunnelausbruchmaterials aus dem Projekt Engpassbeseitigung reserviert. Mit dieser Deponie soll das Material möglichst nahe am Entstehungsort (Rosenbergtunnel) abgelagert werden können.

In Mörschwil wird seit 2017 die Deponie Unterbüel betrieben. Mit Riederen und Aachen sind derzeit zudem zwei weitere in Planung. Dass nun nochmals zwei Standorte hinzukommen sollen, dürfte in Mörschwil keine Begeisterung auslösen. Schon 2016, als Aachen in den Richtplan aufgenommen wurde, ärgerten sich viele Bürger. Der Tenor lautete: Drei Deponien sind zu viel.

Tensing Gammeter, Leiter Sektion Abfall und Rohstoffe beim Kanton, sagt, es sei klar, dass die Deponien eine Belastung für Mörschwil seien. Es sei deshalb zweckmässig, wenn jeweils ein Standort nach dem anderen in Betrieb gehe. «Der Standort Wisental ist gekoppelt an die Engpassbeseitigung respektive an die damit geplanten Tunnelbauten», so Gammeter. «Das heisst, dass der Standort erst eröffnet wird, wenn in voraussichtlich etwas mehr als zehn Jahren mit den Arbeiten für den dritten Rosenbergtunnel begonnen wird.» Bis zu diesem Zeitpunkt seien Unterbüel, Riederen und Meggenhus vermutlich bereits wieder verfüllt.

Auf Waldkircher Boden gibt es heute noch keine Deponie. Das könnte sich ändern. Der Kanton will den Standort Wannenwis in den Richtplan aufnehmen. Er befindet sich südlich des Dorfes, nahe an der Gemeindegrenze zu Andwil. Der Waldkircher Gemeinderat halte den Standort für problematisch und unterstütze diesen nicht, sagt Gemeindepräsident Aurelio Zaccari.

So sei unter anderem die Zufahrt schlecht und ein Schulweg befinde sich auf der Zufahrtsstrecke. Auch die Gewässer und geschützte Hecken brächten Probleme mit sich. «Wir sind mit dem Ablauf, wie eine Aufnahme dieses Gebietes in den Richtplan vor sich geht, nicht glücklich», sagt Zaccari. Der Gemeinderat werde das Vorhaben erneut besprechen und Stellung nehmen. (woo)