Die Dragoner vom Dorf werden 100

Der Kavallerie- und Reitverein Häggenschwil-Muolen und Umgebung ist 100. Zivilisten sind erst seit dem Ende der Kavallerie dabei.

Fynn Wohlgensinger
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Wachtmeister Armin Meili am Unteroffizierschampionat im Jahr 1967. Er ist heute noch als Reiter im Verein aktiv. (Bilder: PD)

Wachtmeister Armin Meili am Unteroffizierschampionat im Jahr 1967. Er ist heute noch als Reiter im Verein aktiv. (Bilder: PD)

Ab dem 19. Jahrhundert entstanden in der Schweiz Kavallerievereine, die von Angehörigen der Schweizer Kavallerie, sogenannten Dragonern, gegründet wurden. In dieser Tradition wurde 1919 auch der Kavallerieverein Häggenschwil-Muolen und Umgebung ins Leben gerufen. Dieses Jahr feiert der Verein, der mittlerweile den Namen Kavallerie- und Reitverein (KVR) trägt, das 100-Jahr-Jubiläum.

Ein Wochenende voller Wettkämpfe

Die Pferdesporttage 2019 finden von diesem Freitag bis Sonntag auf dem Springplatz Rohrenmoos in Häggenschwil statt. Am Freitag mit dem Vereinsspringen des KRV Häggenschwil-Muolen und Umgebung. Samstags mit OKV Jump Green, R/N 100, 105 und Derby. Speziell zum 100-Jahr-Jubiläum wird am Sonntag das Finale des OKV-Vereinscups ihm Rahmen der Pferdesporttage abgehalten. Barbetrieb mit DJ am Freitag und Samstag. (red)

Vizepräsident Kilian Hauptlin ist zwar schon seit 1993 Mitglied im KVR, mit Jahrgang 1986 hat er aber nur einen kleinen Teil der langen Vereinsgeschichte selber miterlebt. Für Fragen zur Vereinsgeschichte greift er deshalb auf die Unterstützung älterer Mitglieder zurück. Unter anderem auf Wachtmeister Armin Meili aus Muolen, der bereits vor 1973 im KRV geritten ist, einem entscheidenden Jahr für alle Schweizer Kavallerievereine.

Anfänge ganz im Zeichen des Militärs

In den Anfangsjahren waren nur Armeeangehörige und keine Zivilisten im Kavallerieverein erlaubt. Im Verein wurden ausserdienstliche, aber obligatorische Übungen abgehalten. Ein Rapport an den Kommandanten war nach jeder Übung Pflicht. Zu den Übungen gehörten Fuchs- und Schnitzeljagten oder auch Patrouillen- und Distanzritte. «Während einer Fuchsjagd erhielt ein Reiter, der Fuchs, einen Vorsprung, um sich zu verstecken, danach gewann der Dragoner, welcher den Fuchs zuerst fand, und ihm den umgehängten Fuchsschwanz abreissen konnte», erklärt Hauptlin und fährt fort: «Der Patrouillenritt war ein Ritt zu zweit. Auf einer vorgegebenen Route gab es verschiedene Aufgaben, beispielsweise Schiessübungen, zu erfüllen.» So gedieh der Verein in den ersten gut 50 Jahren seiner Existenz als klassischer Kavallerieverein.

Die erste Standarte des Vereins von 1949 (Vorder- und Rückseite)

Die erste Standarte des Vereins von 1949 (Vorder- und Rückseite)

Per 1. Januar 1973 wurde dann aber die Kavallerie in der Schweizer Armee abgeschafft, als eine der letzten in einer modernen Streitkraft. Der Kavallerieverein Häggenschwil-Muolen und Umgebung geriet folglich in eine Krise. Sogar die Auflösung des Vereins stand ein Jahr später auf der Traktandenliste der Hauptversammlung.

Die erste Frau kommt gleich nach der Statutenänderung

Der Verein musste sich wandeln und mit einer Statutenänderung wurden auch Zivilisten zugelassen. Bereits 1974 begrüsste der Verein mit Rösli Bachmann-Kast sein erstes weibliches Mitglied, wie Hauptlin erläutert. Der Kavallerieverein habe sich der Situation angepasst. Von einem reinen Militärverein habe er sich zu einem regional gut verankerten Verein gemausert, in dem auf Geselligkeit und Freundschaft grosser Wert gelegt werde, sagt Hauptlin.

Heute zählt der KVR Häggenschwil-Muolen und Umgebung gut 100 Mitglieder: Junioren wie Senioren und Frauen wie Männer. «Reiter und Pferd» werden im Verein ausgebildet. Zahlreiche Mitglieder nehmen auch an Pferdesportveranstaltungen teil, die Disziplinen reichen von Dressur über Springen bis hin zum Patrouillenritt. Mit seiner Mannschaft partizipiert der KRV regelmässig am OKV-Cup des Verbands der Ostschweizerischen Kavallerie- und Reitvereine oder Coup-Prüfungen.

Militärische Tradition 
noch sichtbar

Trotz Modernisierung sei die militärische Tradition immer noch spürbar, sagt Hauptlin. Die «militärischen» Übungen wie Fuchsjagden und Patrouillenritte werden immer noch durchgeführt. Zudem treffen sich die Mitglieder etwa 20 Mal pro Jahr zum gemeinsamen Ausritt, dem wie in den Anfangszeiten ein Appell vorangeht.

Inserat des ersten Vereinsspringens von 1936

Inserat des ersten Vereinsspringens von 1936

Eine weitere Tradition ist das jährliche Vereinsspringen. Zum ersten Mal durchgeführt wurde es 1936. Alle zwei Jahre findet es im Rahmen der Pferdesporttage im Rohrenmoos statt, so auch 2019. Dieses Jahr stehen die Pferdesporttage natürlich im Zeichen des 100-Jahr-Jubiläums. Zudem organisiert der Verein im Herbst ein Jubiläumsfest in der Mehrzweckhalle Häggenschwil.