«Wir sahen, wie die Kranken auf Bahren vom Schiff getragen wurden»: Rorschacherberger Paar ist von seiner Corona-Odyssee in der Südsee zurückgekehrt

«Wir hatten grosses Glück», sagen Felice und Bruno Eisenring, die ihre Kreuzfahrt abbrechen mussten.

Martin Rechsteiner
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Aus Australien ausgeflogen: Bruno und Felice Eisenring sind sicher und gesund zu Hause in Rorschacherberg angekommen.

Aus Australien ausgeflogen: Bruno und Felice Eisenring sind sicher und gesund zu Hause in Rorschacherberg angekommen.

Bild: Martin Rechsteiner

Nur die Koffer fehlen noch. «Die australischen Behörden wollten nicht, dass allfällige, vom Virus verseuchte Gepäckstücke das Logistiksystem des Flughafens kontaminieren», sagt Bruno Eisenring. «Unsere Koffer kommen deshalb per Schiff nach Hause. Das dauert wohl noch ein Weilchen», sagt er und zuckt mit den Schultern.

Die Eisenrings hatten Glück. Das sagen sie selbst. «Wir sind froh, dass wir gesund wieder zurückgekommen sind.» Das Paar aus Rorschacherberg erlebte, was manch einer als Albtraum bezeichnen würde: Voller Vorfreude bestieg es im Dezember in Hamburg das deutsche Kreuzfahrtschiff Artania, das sie auf eine mehrmonatige Reise um die Welt mitnehmen sollte. Doch das Coronavirus setzte dem mittendrin ein jähes Ende: An Bord brach die Pandemie aus.

Da war noch alles in Ordnung: Vor Sidney Mitte März wähnte man sich an Bord der «Artania» noch in Sicherheit vor dem Virus. Abstandsregeln scheint es noch keine gegeben zu haben.

Da war noch alles in Ordnung: Vor Sidney Mitte März wähnte man sich an Bord der «Artania» noch in Sicherheit vor dem Virus. Abstandsregeln scheint es noch keine gegeben zu haben.

PD

Die Behörden von Australien, in deren Gewässer das Schiff zu dem Zeitpunkt kreuzte, wollten es nicht in den Hafen bei Perth einlaufen lassen, sondern schickten es weg. Laut deutschen Medien sind mindestens 40 Menschen an Bord der «Artania» an Covid-19 erkrankt und drei Personen an den Folgen gestorben.

Australier lenkten ein

«Die Australier liessen sich nach Verhandlungen mit der Schiffsbesatzung dann doch erweichen», sagt Bruno Eisenring. «Wir konnten in den Hafen einlaufen, mussten aber drei Tage in Quarantäne auf dem Schiff bleiben.» Die Passagiere durften ihre Kabinen nicht verlassen, die Besatzung brachte das Essen und kam einmal täglich zum Fiebermessen. «Schwerkranke wurden auf Bahren von Bord gehievt. Das war schon ein unheimlicher Anblick.»

Australische Ärzte bringen bei Perth eine erkrankte Person von Bord der «Artania».

Australische Ärzte bringen bei Perth eine erkrankte Person von Bord der «Artania».

PD

Dann, am 29. März, war es so weit: Die Gäste wurden im Foyer des Schiffs zusammengetrommelt – mit Sicherheitsabstand, versteht sich. «Es hiess, wir würden jetzt nach Hause fliegen», sagt Felice Eisenring.

«Wir durften daraufhin das Schiff verlassen, draussen standen Ärzte und Polizei in Schutzanzügen Spalier. Nach etlichen Kontrollen konnten wir Busse besteigen.» Diese brachten die Gäste auf direktem Weg zum Flughafen – mit Polizeieskorte. Felice Eisenring sagt:

«An den Strassen waren Leute versammelt und winkten uns zu. Sie mussten aus den Medien erfahren haben, was los war.»

Am Flughafen sei es dann nochmals zu unschönen Szenen gekommen. «Wer Anzeichen hatte, krank zu sein, durfte nicht fliegen.» So seien Gruppen und Familien teilweise getrennt worden. «Das war ergreifend und ging uns nahe.» Die Eisenrings wurden jedoch gemeinsam an Bord eines der Flugzeuge gelassen, welche die Deutsche Regierung zur Evakuierung der «Artania»-Passagiere gechartert hatte. «Der Flug fand ohne spezielle Services statt, das erlaubten die Umstände nicht.» Dennoch sei die Reise bequem gewesen. «Alle Leute verhielten sich ruhig und diszipliniert.»

Eine Gasse aus Sicherheitspersonal und Ärzten: Die Australischen Behörden lassen den Gesundheitszustand und die Reisedokumente der Passagiere kontrollieren, als diese das Schiff verlassen.

Eine Gasse aus Sicherheitspersonal und Ärzten: Die Australischen Behörden lassen den Gesundheitszustand und die Reisedokumente der Passagiere kontrollieren, als diese das Schiff verlassen.

PD

Angekommen in Frankfurt am Main am nächsten Morgen, ging es für das Paar direkt auf einen Bus nach Basel. «Mein Sitznachbar hustete fürchterlich. Das war schon unangenehm. Ich wies ihn an, wenigstens in seine Armbeuge zu husten», sagt Felice Eisenring und schüttelt den Kopf.

Per Zug und Bus ging es von Basel aus zurück nach Rorschacherberg. «An der Grenze bekamen wir einen Zettel mit Anweisungen. Wir mussten uns zwei Wochen unter Heimquarantäne stellen, durften das Haus nicht verlassen und niemanden empfangen.» Das sei hart gewesen, sagt das Ehepaar. «Unser Sohn und unsere Tochter mit ihrer Familie – wir durften sie nicht in die Arme schliessen, sondern ihnen nur vom Balkon aus zuwinken.»

Trotzdem gute Erinnerungen

Die Quarantäne haben die Eisenrings inzwischen überstanden. «Jetzt sind wir wieder etwas freier.» Doch immer noch sei es schwer zu fassen, was in den vergangenen Wochen passiert sei. «Wer hätte, kurz vor Weihnachten, als wir auf das Schiff stiegen, gedacht, dass das alles so enden würde?», fragt Bruno Eisenring.

Wieder zurück am Bodensee: Bruno und Felice Eisenring sind froh, dass sie gesund zu Hause angekommen sind.

Wieder zurück am Bodensee: Bruno und Felice Eisenring sind froh, dass sie gesund zu Hause angekommen sind.

Martin Rechsteiner

«Aber dennoch. Was wir in den Monaten ohne Corona erlebt haben, war wunderschön. Die Reise war wirklich toll, bis das Virus kam. Wir haben viel gesehen und erlebt.» Und der Reiseveranstalter habe sogar das Geld für den Teil der Reise, den die Passagiere nicht mehr antreten konnten, bereits zurückgezahlt. «Ich glaube, ich würde wieder eine Kreuzfahrt machen», sagt Felice Eisenring. «Ich bin mir da nicht so sicher», entgegnet ihr Mann und sagt mit einem Lachen: «Und sowieso. Jetzt müssen wir ja erst einmal auf unser Gepäck warten.»