Die Clubs sind nicht die Treiber dieser Pandemie

So schnell geht es: Kaum waren die falschen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit zu den Coronaansteckungsraten im Ausgang am Freitag publiziert, wurden erneut Forderungen nach der Schliessung von Clubs laut.

Luca Ghiselli
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Luca Ghiselli, Redaktor Stadt St.Gallen.

Luca Ghiselli, Redaktor Stadt St.Gallen.

Die Zahlen stimmten bekanntlich zwar nicht. Aber sie befeuerten ein Phänomen, das in den vergangenen Wochen zu beobachten war: Es werden Generationen und Branchen gegeneinander ausgespielt, es wird mit dem Finger auf andere gezeigt und in Gut und Böse unterteilt.

Generationensolidarität wurde während der ersten Wochen der Pandemie grossgeschrieben. Junge gingen für Ältere einkaufen, diese isolierten sich weitgehend – man hielt zusammen. Und jetzt, einige Monate später? Die Zahlen steigen wieder, das Nachtleben ist unter öffentlichen Druck geraten. Die Schlagzeilen von Superspreadern in Olten und Zürich haben aufhorchen lassen. Wer in Clubs geht, steht unter Coronageneralverdacht. Die Schuldigen sind schnell gefunden und haben keine starke Lobby.

Dabei wird die Bedeutung des Nachtlebens für die Gesellschaft und für eine Stadt wie St.Gallen unterschätzt. Einerseits bietet es Jungen die nötigen Freiräume für soziale Interaktion, fürs Zusammensein, für das zeitweilige Abstreifen des Korsetts, das sich um den Alltag schnürt. Andererseits sind Clubs auch Arbeitgeber, Wertschöpfer – und nicht zuletzt hängen Existenzen daran. Dass sie diese Aufgabe auch während der Pandemie ausüben, ist also wichtig – selbst mit Einschränkungen.

Die BAG-Falschmeldung hat gerade deshalb so aufhorchen lassen, weil sie Klischees bedient und Ressentiments verschärft hat. Nach der Korrektur ist die Faktenlage aber klar: Die Clubs sind nicht die Hauptursache, dass die Fallzahlen wieder steigen. Bis das aber in den Köpfen ankommt, werden sie der Sündenbock bleiben. Sie sind es sich ja gewohnt.

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