Interview

Bergs Gemeindepräsident Parissenti: «Die Busverbindung käme 2020»

Eine neue Busverbindung soll durch das Dorf führen: Dies wünscht der Gemeinderat von Berg. Um den ersten Grundstein zu legen, führte er erste Gespräche mit dem Kanton.

Interview: Yann Lengacher
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Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg. (Bild: Benjamin Manser)

Sandro Parissenti, Gemeindepräsident Berg. (Bild: Benjamin Manser)

Die Berger Bevölkerung hofft schon lange auf eine bessere ÖV-Erschliessung. Der Gemeinderat führte nun Gespräche mit dem Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen, um den Grundstein für eine neue Busverbindung zu legen. Gemeindepräsident Sandro Parissenti erklärt, wie eine solche aussehen könnte.

Hat es in Berg überhaupt genug Einwohner, damit eine neue Busverbindung eingeführt würde?

Sandro Parissenti: Auf jeden Fall. Wir erfüllen die Anforderung des Amts für öffentlichen Verkehr, um in die Güteklasse D zu fallen und somit entsprechend erschlossen zu werden.

Wo würde die neue Buslinie idealerweise durchführen?

Die Idee ist, eine Verbindung zu schaffen, die zwischen Arbon Kupferwiese, Berg Seeblick, Wittenbach und allenfalls dem Bahnhof Roggwil/Berg verkehrt. Mit dieser Verbindung könnten wir in den Stosszeiten die bestehende Buslinie entlasten. Zudem würde sie einen besseren Anschluss an die Haltestelle Arbon Kupferwiese und somit auch an den Schnellbus nach St.Gallen gewähren. Ausserdem stünde so allenfalls ein Anschluss nach Wittenbach zur Verfügung.

In welchem Takt würde diese Buslinie verkehren?

Wir befinden uns in der Planung der Busverbindung noch ganz am Anfang. Vorgesehen wäre allerdings, dass der Bus am Morgen zwischen 6 und 8 Uhr und abends zwischen 16 und 19 Uhr jeweils im Halbstundentakt verkehrt – eventuell auch zur Mittagszeit.

Sie wollen nun eine Umfrage in der Bevölkerung für eine Bedürfnisermittlung durchführen. War es nicht schon seit längerem klar, dass das Bedürfnis nach besseren ÖV-Verbindungen bestand?

Ja, es ist so, dass dieses Bedürfnis schon mehrfach bei uns angemeldet wurde. Wir wollen klären, wohin die Leute pendeln und wie viele Male sie den Bus nutzen würden. Auch wollen wir erfahren, wie die Pendler nachher weiterreisen, ob zu Fuss, mit dem Velo oder mit dem Zug. Eine Frage ist zudem, wie wichtig den Leuten dieses Angebot ist.

Wie viel würde die Busverbindung denn kosten?

Das können wir noch nicht sagen, weil viele Variablen wie die Betriebsstunden oder die Wirtschaftlichkeit der Linie eine Rolle spielen. Die Buslinie würde zuerst in einem maximal vierjährigen Versuchsbetrieb geführt. Nach Ablauf dieser Probezeit müsste eine Zielvorgabe für die Wirtschaftlichkeit und die Nachfrage erfüllt sein. Wenn wir diese Linie bestellen würden, wäre sie trotz Kostenbeteiligung des Kantons im Versuchsbetrieb wohl teurer. Danach hinge die Höhe der Kosten von der Anzahl Haltestellen und der Wirtschaftlichkeit der Linie ab.

Könnte eine Gemeinde mit knapp über 800 Einwohnern diese Kosten stemmen?

Ganz am Ende muss die Bevölkerung entscheiden, was ihr die Sache wert ist. Wir als Gemeinde können lediglich die Rahmenbedingungen schaffen und Grundlagen erarbeiten. Ich bin davon überzeugt, dass es wichtig ist, entsprechend erschlossen zu sein, und der Mehrwert erheblich überwiegt.

In einem Pilotprojekt versuchten sie, die unzureichenden ÖV-Verbindungen zu kompensieren. Nutzen Sie selbst die «Mitfahrbänkli»?

Über die Wintermonate habe ich sie nicht mehr genutzt. Wenn die Sonne wieder scheint, werde ich mich aber definitiv wieder einmal auf eines der «Mitfahrbänkli» setzen.

Wie sind die Rückmeldungen zu den «Mitfahrbänkli» ausgefallen? Die gibt es ja seit vergangenem Oktober.

Grösstenteils erhielt ich positive Rückmeldungen. Vereinzelt hörte ich Leute, die es eine weniger gute Idee finden und darin Risiken sehen. Dafür habe ich Verständnis. Es ist klar, dass dieses Angebot keine Buslinie ersetzen kann, aber wir wollten sehen, wie und ob das Angebot genutzt wird.

Wie lange wird dieses Pilotprojekt noch weiterlaufen?

Wir überprüfen das Pilotprojekt der «Mitfahrbänkli» im Sommer und schauen auch darauf, wie gut wir mit den Busverbindungen vorwärtskommen.

Wann fährt denn frühestens eine neue Busverbindung durch Berg?

Wir gehen davon aus, dass sie mit dem Fahrplanwechsel 2020 eingeführt werden könnte. Aktuell gilt es noch Grundlagenarbeit zu leisten. An der Bürgerversammlung nächstes Jahr gilt es dann, der Bevölkerung das Budget darzulegen.