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Glosse

Generationenwechsel an der St.Galler Brühlgasse: «Die Box» wird zur Shisha-Bar

Einst war der St.Galler Club «Die Box» ein beliebter Treffpunkt für junge Erwachsene. Nun ist er geschlossen, schon morgen eröffnet dort die Shisha-Bar «Rockstar Lounge». Eine Hommage an ein Lokal aus vergangenen Zeiten.
Luca Ghiselli
Dieses Bild gehört der Vergangenheit an: Junges Partyvolk vor der «Box» an der Brühlgasse. (Bild: Mario Pavlik, 4. Dezember 2010)

Dieses Bild gehört der Vergangenheit an: Junges Partyvolk vor der «Box» an der Brühlgasse. (Bild: Mario Pavlik, 4. Dezember 2010)

Nostalgie ist für einen Mittzwanziger eigentlich ein No-Go. Wenn aber die Lieblingsbar der Jugend die Schotten dicht macht, kommt auch ein Angehöriger der Generation Y mal ins Schwärmen von vergangenen Zeiten. «Die Box» ist zu, und sie geht auch nicht mehr auf.

Deckel drauf, Kleber drumherum, fertig. Keine (zu) langen Sommerabende in der Brühlgasse mehr – dicht gedrängt mit Hunderten anderen. Mit Kanti-Kollegen, mit Jugendfreunden und einem Haufen Fremden. Mexikanisches Maisbier in der einen, Zigarette in der anderen Hand. Kein Zusehen, wie aus reihenweise «Ich sollte langsam nach Hause» ein «Also gut, aber nur noch eines» wird. Kein Bangen vor dem grimmigen Türsteher, kein bemühtes Altaussehen.

Es gab und gibt bessere Bars, als «Die Box» es war. Traditionsreichere vor allem, eröffnete das Lokal doch erst 2007, nachdem der Spielsalon Ami die Segel streichen musste. Trotzdem entwickelte sich «Die Box» vor etwa zehn Jahren zur Bar unserer Jugend.

Am «Halbtax-Abend» kam die halbe Kanti

Donnerstagabend gab’s alles zum halben Preis – «Halbtax» nannten sie das. Perfekt fürs knappe Schülerbudget. DJ Johnny Lopez im EG an den Plattentellern, unten im Keller lief meistens Hip-Hop. Den Whiskey-Cola gab’s am «Halbtax»-Abend zu dem Preis, den das mexikanische Maisbier an Wochenenden kostete. Und so drängten donnerstags Jugendliche in Scharen in die ziemlich enge Bar.

Im Sommer standen alle draussen, zwischen Birreria und Brühlhof war teilweise kein Durchkommen mehr. Ab 22 Uhr gab’s das Bier deshalb nur noch im Becher – wir tranken es auch so. Im Winter wurde es bisweilen ungemütlich, vor allem vor der Einführung des Rauchverbots. Im Kellergeschoss rauchten die hauptsächlich jungen Gäste, was ihre Lungen hergaben. War es richtig voll, sah man von der Tanzfläche aus kaum noch die Bar. Irgendwann kam dann das Glasfumoir, und auch dieses Kapitel war geschlossen.

«Die Box» war zu ihren (oder unseren) besten Zeiten ein Ort, an dem man auch mal alleine aufkreuzen konnte. Irgendjemanden kannte man sicher. Manchmal verirrten sich sogar Promis in die dreistöckige Bar mit den bettenähnlichen Lounges im Obergeschoss. Deutschrapper Sido nahm darauf schon Platz, der jamaikanische Pop-Sänger Shaggy ebenso. Letzterer weilte im Oktober 2009 für ein, zwei Drinks dort. Nachher zog weiter ins «Glow» bei der Shopping-Arena. Wo damals das «Glow» war, ist heute ein Indoor-Spielplatz für die Kleinen. «Die Box» ist mit ihrem Ende nicht allein.

Die Blütezeit war bald vorbei

Irgendwann hatten wir genug. Meine Freunde und ich zogen weiter, in andere Bars und Clubs, «Die Box» war nicht mehr cool. Es ist das Schicksal, das viele Lokale ereilt. Nach ihrer Blütezeit beginnen sie zu welken, und irgendwann gehen sie ein. Meist halten sie sich noch ein bisschen am Leben, wie es auch «Die Box» in ihren letzten Jahren tat. Aber auch das ist irgendwann vorbei. Es gibt wirklich bessere Bars, als es «Die Box» je war. Aber das Lokal war uns eigentlich eh egal. Was zählte, waren die Leute, der Lebensabschnitt, die verkaterten Freitagmorgen in der Schule. Schön ist: Das bleibt, auch wenn’s schon lange vorbei ist.

Die ehemalige «Box» an der St.Galler Brühlgasse: Am Freitag, 1. Februar, eröffnet dort die Shisha-Bar «Rockstar Lounge». (Bild: Jessy Nzuki, 31. Januar 2019)

Die ehemalige «Box» an der St.Galler Brühlgasse: Am Freitag, 1. Februar, eröffnet dort die Shisha-Bar «Rockstar Lounge». (Bild: Jessy Nzuki, 31. Januar 2019)

Am Freitag eröffnet die Shisha-Bar «Rockstar Lounge» in den umgebauten Räumen an der Brühlgasse. Und wer weiss, vielleicht wird sie für die Teenies von heute mal das sein, was «Die Box» für uns war.

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