Legal durch den Wald brettern: Die Biker arbeiten an ihrem Traum in St.Gallen

Auf dem Waldegg-Trail können Mountainbiker legal durch den Wald brettern. Für die Fertigstellung der Strecke benötigen sie aber Hilfe.

Sandro Büchler
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Ein Biker springt auf dem Waldegg-Trail über einen Erdhügel. (Bild: Benjamin Manser)

Ein Biker springt auf dem Waldegg-Trail über einen Erdhügel. (Bild: Benjamin Manser)

Florian Buck klopft die lehmige Erde wuchtig mit einer Schaufel platt. Der 21-Jährige steht im Stueleggwald oberhalb von St.Georgen und baut an einer Steilwandkurve. Sie soll den Mountainbikern auf dem Waldegg-Trail künftig Fahrspass bringen. Zuvor hat der gelernte Zimmermann mit einer Kettensäge Holzstücke zurechtgeschnitten und aufgeschichtet. «Das gibt eine geile Kurve», sagt er zufrieden.

Mit einer Karrette bringt ein Freiwilliger Erde auf den Trail. (Bilder: Sandro Büchler)

Mit einer Karrette bringt ein Freiwilliger Erde auf den Trail. (Bilder: Sandro Büchler)

Weiter oben schiebt Stefan Signer emsig eine Karrette um die andere heran. Er formt ebenfalls eine Kurve. Die Arbeit ist schweisstreibend. «Und das alles freiwillig», sagt Buck. Er opfert für die Bauarbeiten einen prächtigen Sonntag – es scheint der letzte warme Herbsttag des Jahres zu sein. Buck, Signer und zehn Mitstreiter bauen heute an ihrem Traum: einem anspruchsvollen, gut ausgebauten Biketrail.

Der Waldegg-Trail beginnt westlich des Ausflugsrestaurants Waldegg und führt durch den Stueleggwald bis zum Unteren Brand. Dort endet er vorerst, denn der letzte Streckenabschnitt vom Ringelberg durch den Falkenwald ins Tal der Demut ist noch nicht fertiggestellt. Teils verwildern die bereits gebauten Kurven- und Sprungpartien. Das soll sich im kommenden Jahr aber ändern, sagt Adrian Gerber. Er ist Präsident des Vereins Funpark, der den Waldegg-Trail in Eigenregie baut.

Florian Buck formt mit der Schaufel eine Steilwandkurve.

Florian Buck formt mit der Schaufel eine Steilwandkurve.

Bis Ende 2020 soll auch der letzte Abschnitt ausgebaut sein. Das hat einen Grund: 2021 läuft die Baubewilligung aus, die der Verein für die Bikestrecke vor sieben Jahren von der Stadt St.Gallen erhalten hatte. Der vollständige Ausbau ist aber eine Bedingung für eine Betriebsbewilligung und somit den Fortbestand des Bikertraums.

Finanzierung mit Garantien verbunden

«Wir wurden von Amtsseite oft gefragt, wieso wir noch nicht fertig sind», sagt Gerber. Es fehle dem Verein aber an Manpower. Zweimal pro Monat schaufeln und sägen die Vereinsmitglieder am Sonntag im Wald. Einerseits kämen dafür nicht mehr so viele Freiwillige wie noch zu Beginn, anderseits müsse man vieles von Hand erledigen.

«Wir haben gemerkt, dass wir nicht auf einen grünen Zweig kommen.»

Deshalb hat der 46-jährige Vereinspräsident die Stadt und die Ortsbürgergemeinde, der der Stueleggwald gehört, vor rund zwei Jahren um Unterstützung angefragt. «Es hat gedauert, doch nun haben wir die Zusage erhalten», sagt Gerber. Die Wochen und Monate zuvor seien aber eine Geduldsprobe gewesen, fügt der Hausmann und Vater dreier Kinder an. Es habe Zeit in Anspruch genommen, bis sich Stadt und Ortsbürger einig waren, ob und wie der Verein unterstützt werden könne.

Vor einem Rinnsal wird eine Schanze gebaut.

Vor einem Rinnsal wird eine Schanze gebaut.

Es sei stets betont worden, es müsse sichergestellt werden, dass der ganze Trail fertig gebaut werde, sagt Urban Hettich, Leiter Forst und Liegenschaften bei der Ortsbürgergemeinde St.Gallen.

«Sie wollen auch kein Haus finanzieren, das dann nicht gebaut wird.»

Deshalb habe man im Hinblick auf die Zukunft des Trails und die Betriebsbewilligung gewisse Garantien mit dem Verein vereinbart.

Während die Stadt nun eine finanzielle Unterstützung zugesichert hat, hilft die Ortsbürgergemeinde mit Maschinen. Mit dem hauseigenen Fuhrpark wird im kommenden Jahr das nötige Baumaterial direkt am Bauplatz auf der Bikestrecke abgeladen. Holzpfähle, Bretter und sandiger, formbarer Lehm, den die Vereinsmitglieder verbauen.

Bereits in diesem Jahr hat der Verein den obersten Streckenabschnitt mit Hilfe von Baumaschinen der Ortsbürger renoviert. Auch ein kleiner Bagger kam zum Einsatz. Denn von den vielen Fahrten war das Teilstück sanierungsbedürftig geworden. Die Kosten von rund 10000 Franken hat der Verein aber aus der eigenen Tasche bezahlt. Für Forstleiter Hettich eine positive Erfahrung: «So konnten wir die Zusammenarbeit testen und den Aufwand für den Bau im kommenden Jahr abschätzen.»

Schwelender Konflikt zwischen Bikern und Naturschützern

Stadt und Ortsbürgergemeinde betonen unisono die Wichtigkeit des Waldegg-Trails. «Wir brauchen ihn unbedingt», sagt Marcel Thoma, Chef der Dienststelle Sport der Stadt St.Gallen. Denn die Strecke sei das einzige Angebot für Biker aus der Stadt und der Region. «Und nicht nur St.Galler fahren auf dem Trail.» Die Stadt habe ein grosses Interesse daran, dass der Trail fertig gebaut werde. «Denn nur so hat er eine kanalisierende Wirkung und entlastet die umliegenden Wälder.»

Florian Buck, gelernter Zimmermann, schneidet ein Holzstück zurecht.

Florian Buck, gelernter Zimmermann, schneidet ein Holzstück zurecht.

Thoma spricht damit den schwelenden Konflikt zwischen Bikern und Naturschützern an. Denn Biken liege im Trend. Und Biker suchten sich oftmals neue Wege quer durch den Wald, obwohl dies laut Gesetz verboten sei. Im August hatte Regionalförster Raphael Lüchinger deshalb mit Bussen gedroht, wenn jemand auf illegalen Trails im Wald erwischt werde (siehe Zweittext).

Aufruf an illegale Baumeister

«Der Wald hat heute eine extrem dichte Nutzung», sagt Adrian Gerber. Da sei es für Wildtiere natürlich schwierig, wenn sie durch überraschend heranbrausende Biker aufgescheucht würden. Rund um regelmässig befahrene Trails wie in der Stuelegg, hätten Rehe aber bald kein Fluchtverhalten mehr, erklärt der Funpark-Präsident.

«Wenn Rehe an die Fahrer gewöhnt sind, können sie zehn Meter neben dem schmalen Weg in Ruhe zwischen den Tannen sitzen.»

Schwieriger seien wilde Fahrten durch den Wald, wofür auch Gerber wenig Verständnis hat. Für Biker attraktive, gut unterhaltene und vor allem legale Strecken – wie der Waldegg-Trail – seien deshalb wichtig. Sie bündelten die Biker und der Suchverkehr querfeldein nehme ab.

Das sagt nicht nur Gerber, sondern auch Urban Hettich. Er beobachtet die Szene und weiss von illegal gebauten Bikestrecken im Bruggwald. Auch im Menzlenwald oberhalb des Riethüsli gäbe es Bautätigkeiten. Es sei schade, dass dort auf eigene Faust gebaut werde. «Die Ressourcen würden besser für die Fertigstellung des Waldegg-Trails eingesetzt.» Denn der Verein könne die Hilfe gebrauchen.

Zwei Jugendliche angehalten

Gross war der Aufschrei in der Bikerszene, als im August bei den Veloclubs und Bikeläden in und um St. Gallen ein Brief des Regionalförsters Raphael Lüchinger eintraf. Der Förster der St. Galler Waldregion 1 wandte sich mit einer klaren Botschaft an die Biker. Wer auf illegalen Tracks abseits befestigter Wege quer durch den Wald fahre, könne gebüsst werden. Man wolle in den Gemeinden St. Gallen, Gaiserwald, Waldkirch und Gossau zusammen mit der Polizei regelmässig Kontrollen im Wald durchführen und fehlbare Personen büssen beziehungsweise anzeigen.
Lüchinger liegt der Wildtierschutz am Herzen. Er verweist auf das Waldgesetz. «Im Wald sind Reiten und Radfahren abseits von öffentlichen Strassen und Wegen verboten», steht da. Doch selbst der Regionalförster gibt zu, es sei nicht immer zweifelsfrei erkennbar, welche Waldwege öffentlich seien. Biker sollten sich an die Faustregel halten, nur befestigte Wege zu befahren, die mindestens zwei Meter breit sind.
Bisher wurden keine Biker gebüsst. «Es wurden lediglich zwei jugendliche Biker angehalten, die im Falkenwald unterwegs waren», sagt Roman Kohler, Sprecher der Stadtpolizei St. Gallen. Die beiden Jugendlichen seien mündlich verwarnt worden. Die Stadtpolizei führt wöchentlich zwei bis drei Kontrollen in den St. Galler Wäldern durch. Kontrolliert würden dabei allgemeine Fahrverbote, und Hunde-Probleme, aber auch illegale Bike-Trails.
Am vergangenen Oktoberwochenende hätten sich zudem Angehörige von Polizei und Forstdienst bei illegalen Biketrails im Wald postiert, wie der Regionalförster mitteilt. Angehaltene Biker hätten Verständnis für die Anliegen des Lebensraumschutzes gezeigt, aber auch darauf hingewiesen, dass geeignete Angebote für ambitionierte Sportler fehlten. Das Thema «Biken im Wald» soll nun in Gesprächen mit privaten und öffentlichen Institutionen vertieft erörtert werden. Die Kontrollaktionen im Wald würden im Frühjahr wiederholt, sagt Lüchinger. Dann müssten Fehlbare mit einer Busse oder Anzeige rechnen. (sab)