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Die Begradigung kostet zu viel und bringt zu wenig: Im St.Galler Industriegebiet bleibt die Zürcher Strasse eine Kurve

Im Industriegebiet zwischen St.Gallen und Gossau hätte die Zürcher Strasse begradigt werden sollen, um Bauland zu gewinnen. Das Thema ist jetzt aber vom Tisch. Ein Grund sind die hohen Kosten für die Gemeinden - aber nicht nur.
David Gadze
In Winkeln entsteht derzeit ein rund 4500 Quadratmeter grosses Zwischenlager für Neuwagen der City-Garage AG. Die Nutzung ist auf fünf Jahre, bis Ende Juni 2024, beschränkt. Geplant war, die Zürcher Strasse (links) von hier aus entlang der Autobahn zu führen. (Bild: Ralph Ribi/4. September 2019)

In Winkeln entsteht derzeit ein rund 4500 Quadratmeter grosses Zwischenlager für Neuwagen der City-Garage AG. Die Nutzung ist auf fünf Jahre, bis Ende Juni 2024, beschränkt. Geplant war, die Zürcher Strasse (links) von hier aus entlang der Autobahn zu führen. (Bild: Ralph Ribi/4. September 2019)

Es ist bloss ein grau-weisses Rechteck auf einer grünen Wiese, an sich nichts Besonderes im riesigen Industriegebiet zwischen den Städten St. Gallen und Gossau, wo regelmässig etwas Neues entsteht. Und doch wirft dieses Rechteck Fragen auf. Dabei handelt es sich um ein Zwischenlager für Neuwagen der City-Garage AG, die auf der gegenüberliegenden Seite der Zürcher Strasse vor rund zwei Jahren ihren neuen Standort eröffnet hatte. Und für die Wiese hatte der Stadtrat 2013 eine Planungszone erlassen, also ein befristetes Bauverbot. Denn durch die Verlegung der Zürcher Strasse vom Arena-Komplex bis Oberdorf zur Autobahn hin sollte auf der ganzen Wiese – also auch auf dem westlich angrenzenden Gossauer Teil – zusätzliches Bauland entstehen.

Das Industriegebiet zwischen St. Gallen und Gossau ist eines der wichtigsten Entwicklungsareale der Ostschweiz. Schon seit Jahren diskutieren die Vertreter aus Politik, Verwaltung, Bevölkerung und den ansässigen Betrieben, wie man es weiter stärken könnte. Nachdem es aber in jahrelanger Arbeit nicht gelungen war, zusammen mit den Grundeigentümern einen Masterplan zu entwickeln, wurde im Sommer 2017 der Verein Areal St. Gallen West-Goss­au Ost (ASGO) ins Leben gerufen, um ein Konzept zu erarbeiten. Ein wichtiger Mosaikstein bei der Entwicklung des Gebiets sollte die Begradigung der Zürcher Strasse sein. Im Frühling 2013 sprach die damalige St. Galler Baudirektorin Patrizia Adam davon, dass das Projekt «von zentraler Bedeutung» sei.

Der Kanton will die Begradigung nicht bezahlen

Jetzt ist klar: Die Begradigung ist vom Tisch. Das bestätigt Stadträtin Maria Pappa. Vergangene Woche habe der Gossauer Stadtrat entschieden, sich an den Kosten für das Projekt nicht zu beteiligen. Denn anders als ursprünglich vorgesehen ist der Kanton nicht bereit, die Kosten von knapp 16 Millionen Franken für die Begradigung zu bezahlen. Dies, weil eine Studie aufgezeigt hatte, dass die Verkehrsbelastung in jenem Teil der Zürcher Strasse doch nicht so hoch ist, dass sich eine neue Lösung aufdrängt.

Maria Pappa Stadträtin St. Gallen (Bild: PD)

Maria Pappa
Stadträtin St. Gallen
(Bild: PD)

Der Kanton würde die Kosten für die ohnehin notwendige Sanierung übernehmen, die Gemeinden müssten die Begradigung bezahlen. Abzüglich der Beiträge aus dem Agglomerationsprogramm des Bundes wären das noch rund elf Millionen. Da der grössere Teil des Areals auf Gossauer Gebiet liegt, hätte Gossau gemäss Pappa voraussichtlich rund drei Viertel davon übernehmen müssen, die Stadt St. Gallen etwa einen Viertel.

Eine Chance habe man durch den Verzicht auf die Begradigung aber nicht vergeben, hält die Baudirektorin fest. Das Gebiet könne man auch so bebauen.

«Es wäre zwar die idealere Lösung gewesen. Aber das Verhältnis von Kosten und Nutzen ist schon sehr unausgeglichen.»

Wichtig sei nun, bei der Sanierung die Situation für Busse und Velos zu verbessern.

Grosses Fragezeichen hinter der Umzonung

Der Entscheid des Gossauer Stadtrats, sich an der Begradigung der Zürcher Strasse finanziell nicht zu beteiligen, habe mehrere Gründe, sagt Stadtpräsident Wolfgang Giella. Die hohen Kosten allein seien nicht ausschlaggebend gewesen. Zum einen sei es aufgrund des neuen kantonalen Planungs- und Baugesetzes ungewiss, ob man das Gebiet in absehbarer Zeit von der Landwirtschaftszone der Industrie- oder Gewerbezone zuweisen könne.

«Wir können erst dann neue Areale als Bauland einzonen, wenn die bestehenden Baulandreserven aufgebraucht sind. Und im Industriegebiet gibt es derzeit noch Reserven.»

Wolfgang Giella Stadtpräsident Gossau (Bild: Benjamin Manser)

Wolfgang Giella
Stadtpräsident Gossau
(Bild: Benjamin Manser)

Fraglich sei ausserdem, ob der Kanton bei der Prüfung einer allfälligen Umzonung nicht die Meinung vertreten würde, die bestehenden Industrieanlagen seien noch nicht genügend verdichtet.
Zum anderen sei noch nicht klar, welche Auswirkungen der Bau des Autobahnanschlusses Gossau Ost, der ziemlich genau am nordwestlichen Ende der betroffenen Freifläche entstehen soll, auf diese hätte. «Falls der Anschluss kommen wird, würden sich für Winkeln und Gossau ganz andere Arealpotenziale eröffnen, die man mit der Streckung der Zürcher Strasse eher verhindern würde.»

Potenzial für Gossauer Teil so noch grösser

Giella gibt auch zu bedenken, dass für Gossau durch die Streckenbegradigung nur ein geringer Vorteil bezüglich der Arealentwicklung entstehen würde. Denn die «neue» Zürcher Strasse würde nicht auf der ganzen Länge entlang der Autobahn verlaufen, sondern den westlichen Teil des Areals zerschneiden. «Wenn man den heutigen Bogen der Zürcher Strasse lässt und sie allenfalls noch etwas verbreitert, ist das Potenzial dieser Fläche sogar noch grösser.» Durch die hohen Kosten für die Begradigung würde sich ausserdem der Bodenpreis erhöhen, was eine Entwicklung zusätzlich erschweren würde.

Bis die Grünfläche bebaut wird, dürften gemäss Wolfgang Giella mehrere Jahre, ja Jahrzehnte vergehen. Bis auf weiteres bleibe sie unangetastet. Sie biete «verschiedene Potenziale», über die künftige Generationen entscheiden müssten.

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