Die Andwiler wollen ein bekanntes Gesicht statt einer Bekanntheit

Es war eine Wahl wie David gegen Goliath. Ein No Name gewinnt die Andwiler Gemeinderatswahl gegen eine prominente Kantonalpolitikerin. Das ist eine peinliche Niederlage für Seline Heim-Keller.

Melissa Müller, Redaktorin
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Melissa Müller

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Dabei hätte Andwil profitieren können von Heim und ihrem Know-how. Die Bäuerin und Leiterin einer Bäuerinnenschule gilt als blitzgescheit. Ob Schulpolitik, das marode Gemeindehaus oder Vandalismus: Die 56-jährige CVP-Frau hat sich mit dem Dorf auseinandergesetzt. In einem Interview betonte sie zudem, dass sie im Frauenverein in Andwil turne, am Sonntag im Dorf in die Kirche gehe und im Dorfladen einkaufe. Doch das genügt anscheinend nicht, um Gemeinderätin zu werden. Denn Heim lebt erst seit eineinhalb Jahren in Andwil, zuvor wohnte sie auf ihrem Bauernhof gleich um die Ecke in Gossau.

Ein weiteres Manko: Ihre fünf erwachsenen Kinder sind nicht in Andwil zur Schule gegangen – im Gegensatz zu jenen von Irene Räss, die am Ende gewählt wurde. Die 39-Jährige wohnt seit 20 Jahren in Andwil, ist da verwurzelt und vernetzt und gilt als «gmögig». Dass sie noch nie ein politisches Amt innehatte, ist für die Andwilerinnen und Andwiler zweitrangig. Ein bekanntes Gesicht scheint mehr zu zählen.