«Die alten Schulhäuser verfallen zu lassen, ist keine Lösung»: Das sagen die Wittenbacher Parteien dazu, dass die alten Schulhäuser zwischengenutzt werden sollen

Ab Herbst stehen die Klassenzimmer in der Schulanlage Dorf leer. Der Gemeinderat will die Räume ab 2021 vermieten - so lange, bis klar ist, was mit den historischen Gebäuden passiert. Die Ortsparteien finden eine Zwischennutzung sinnvoll. Diese soll aber zeitlich befristet sein. Die FDP will nicht, dass sich die Gemeinde verzettelt.

Perrine Woodtli
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Die beiden alten Schulhäuser auf dem Wittenbacher Dorfhügel.

Die beiden alten Schulhäuser auf dem Wittenbacher Dorfhügel.

Bild; Ralph Ribi (5. November 2019)

Bis zum Herbst werden in der Schulanlage Dorf in Wittenbach noch Kinder unterrichtet. Dann werden die über 100-jährigen Schulhäuser nicht mehr benötigt. Die Kinder und deren Lehrpersonen zügeln ins neue Primarschulhaus Sonnenrain.

Was mit den zwei Schulhäusern geschieht, ist offen. So lange die Zukunft ungewiss ist, will der Gemeinderat die über 30 Räume in den beiden Gebäuden vermieten und als Zwischennutzung zur Verfügung stellen.

Eine Chance für die Gemeinde

Ursula Surber, Präsidentin SP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen

Ursula Surber, Präsidentin SP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen

Bild: Mareycke Frehner

Eine Zwischennutzung sei eine gute Sache, sagt Ursula Surber, Präsidentin der SP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen. «Einen Ort zu haben, wo die Bevölkerung ldeen verwirklichen kann und Raum findet für verschiedenste Aktivitäten, ist für unsere Gemeinde eine Chance.» Vielleicht ergebe sich aus der Zwischennutzung eine Einrichtung, die aus Wittenbach künftig nicht mehr wegzudenken sei, sagt Surber.

«Wir sind gespannt, was sich daraus entwickelt.»

Gemeinderat soll Umzonung vorantreiben

Auch für Adrian Schumacher, Präsident der FDP Wittenbach-Muolen, ist die Zwischennutzung «angesichts fehlender Alternativen die sinnvollste Option». «Die alten Schulhäuser verfallen zu lassen, ist keine Lösung.»

Entscheidend sei, dass die Zwischennutzung zeitlich befristet bleibe und kein Präjudiz für die weitere Zukunft des Areals geschaffen werde. «Mit dem Schloss Dottenwil verfügt Wittenbach heute über ein gut funktionierendes Angebot im Bereich der Kulturförderung», sagt Schumacher.

«Tragen wir primär diesem Sorge, anstatt uns zu verzetteln.»

Der Gemeinderat solle die Zeit nutzen, um die Umzonung des Dorfhügels voranzutreiben, damit dieser auch für Wohnbauprojekte genutzt werden könne. «Nur wenn die heutigen Nutzungseinschränkungen beseitigt sind, kann die Bevölkerung wirklich entscheiden, was langfristig mit dem Gebiet passieren soll.»

Wittenbacher sollen erneut abstimmen

Dass die Wittenbacher entscheiden können, was auf dem Dorfhügel geschieht, ist auch der SVP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen ein Anliegen, sagt Präsident Markus Brunner. Es habe einst geheissen, dass die Häuser und der Boden für den Bau der neuen Schule verkauft werden.

Markus Brunner, SVP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen

Markus Brunner, SVP Wittenbach-Häggenschwil-Muolen

Bild: PD
«Unter diesen Voraussetzungen haben die Bürger 2016 abgestimmt.»

Die Gemeinde sah ursprünglich vor, die Parzellen auf dem Dorfhügel zu verkaufen, um das neue Schulhaus mitzufinanzieren. Inzwischen ist man nicht mehr darauf angewiesen. «Wenn sich die Ausgangslage ändert, ist es wichtig, dass die Bürger ein weiteres Mal abstimmen können», sagt Brunner.

So lange aber unklar sei, was aus den Gebäuden wird, sei die SVP bereit, eine «sinnvolle Zwischennutzung» zu unterstützen.

CVP hofft auf schnellere Lösung

Auch die CVP Wittenbach begrüsse eine befristete Zwischennutzung, teilt Co-Präsident Erich Eberle mit. Diese soll ohne Investitionen in die Gebäude erfolgen und die laufenden Kosten decken.

Erich Eberle, Co-Präsident CVP Wittenbach

Erich Eberle, Co-Präsident CVP Wittenbach

Bild: PD
«Auf die Steuerzahler darf sich eine Zwischennutzung nicht mit einem höheren Steuerbedarf auswirken.»

Der Kantonsrat habe kürzlich einen Nachtrag zum Planungs- und Baugesetz verabschiedet, so Eberle. Damit soll den Gemeinden ihre Weiterentwicklung mit der Anpassung von Teilzonenplänen ermöglicht werden, bevor ihre gesamte Ortsplanung an das neue Planungs-und Baugesetz angepasst worden ist.

«Das ermöglicht im Zusammenhang mit den alten Schulhäusern unter Umständen eine schnellere Lösung», so Eberle. Der Gemeinderat habe zu diesen veränderten Rahmenbedingungen noch keine Aussage gemacht.