Die Adventsfensterexperten: Wie eine Familie aus Muolen seit zehn Jahren Weihnachtsstimmung verbreitet 

Seit 23 Jahren gibt es in Muolen jedes Jahr Adventsfenster. Die Familie Rizzi hilft, diese Tradition am Leben zu erhalten. 

Timon Reich
Hören
Drucken
Teilen
Karin und Michael Rizzi mit ihren Kindern vor dem Adventsfenster.

Karin und Michael Rizzi mit ihren Kindern vor dem Adventsfenster.

Benjamin Manser

Im Dezember verwandelt sich Muolen jeweils in einen Adventskalender. Dann geht im kleinen Dorf jeden Abend ein neues Fenster auf, das von den Besuchern bei Punsch und Guetzli bestaunt werden kann. Diese Tradition, die auch in anderen Dörfern praktiziert wird, kennt Muolen schon länger: «Bei uns gibt es seit 23 Jahren jeden Dezember Adventsfenster», sagt Rahel Steiger, welche die Aktion mit ihrer Schwester Sarah Bürger organisiert. Die beiden führen den von ihrer Mutter gestarteten Brauch weiter.

Obwohl nicht jedes Jahr alle Fenster gefüllt werden, kommt die Aktion in Muolen immer zu Stande. Das hängt laut Steiger damit zusammen, dass man nicht nur jedes Jahr neue Freiwillige dafür gewinnen, sondern auch immer wieder die Gleichen mobilisieren kann.
Einer dieser langjährigen Adventsfenstergestalter ist die Familie Rizzi: «Wir schmücken unser Fenster seit zehn Jahren fast jedes Jahr», sagt Karin Rizzi. Die gebürtige Muolerin hat schon 1997, als diese Tradition gestartet wurde, mitdekoriert und einiges an Erfahrung gesammelt. Von selber gemachten Tonglocken bis zu Weihnachtsengeln aus Tannzapfen mit Walnusskopf hat sie schon alles gebastelt.

Karin Rizzi und ihre Tochter Eleya zeigen den Tannzapfenengel, den sie letztes Jahr gebastelt haben.

Karin Rizzi und ihre Tochter Eleya zeigen den Tannzapfenengel, den sie letztes Jahr gebastelt haben.

Timon Reich

Ideen aus Zeitschriften und Pinterest

Gemeinsam mit der achtjährigen Malin, der fünfjährigen Jalja und der erst dreijährigen Eleya haben Karin und Michael Rizzi dieses Jahr zum 10. Dezember ein Adventsfenster gestaltet. Sie haben aus Salzteig Figuren ausgestochen. «Es muss manchmal gar nichts Aufwändiges sein», kommentiert die 44-Jährige das diesjährige Fenster:

«Viel wichtiger ist uns, dass unsere Kinder auch mitmachen können.»

Diese sind einer der Gründe, warum sicher auch im nächsten Advent das Fenster am Schopf neben dem Haus der Rizzis leuchten werde: «Die drei Mädchen haben ihr Künstlertalent entdeckt», sagt Rizzi. Auch an Ideen mangle es nicht. Ansonsten würden Zeitschriften oder Pinterest immer neue liefern.

50 Besucher an der Fenstereröffnung

Am Abend, als das Fenster der Rizzis an der Bahnhofsstrasse angezündet wird, kommen fast 50 Leute zu Besuch, also fast jeder zwanzigste Einwohner Muolens. Karin Rizzi schätzt diese Gemeinschaft. Sie sagt:

«Es ist schön, dass man auf diese Weise so viele Leute in der dunklen Adventszeit zusammenbringt.»

Auch die Kinder mögen die gemütlichen Abende. Eleya, die dieses Jahr in die Spielgruppe gekommen ist, findet, dass Guetzli das Beste daran seien. Gerade auch wegen der Kinder und dieser Vorliebe sieht sich die Familie darum oft andere Fenster an: etwa vier mal pro Woche. Dies hat allerdings auch Nachteile: Es führe dazu, dass die Kinder vor lauter Gebäcken am Abend häufig keinen Hunger mehr hätten, sagt Rizzi.

Adventsfenster in der Region

Es ist ein gutes Jahr für regionale Adventsfensterliebhaber. Neben Muolen gibt es auch in Mörschwil und Eggersriet jeden Tag eine andere Fenstereröffnung. Gleiches gilt für Häggenschwil, wo man anders als letztes Jahr diesmal wieder 24 Fenster auf der Dorfwiese bestaunen kann. Auch in Wittenbach und Engelburg sind Adventsfenster zu sehen, allerdings nicht jeden Tag.
Im regionalen Gemeindevergleich hat es somit einzig in Berg keine Adventsfenster. (tir)