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SBB-Rauchverbot an Bahnhöfen verärgert Wirte an der Rorschacher Hafenmeile

Ab 1. Juni 2019 herrscht an allen Schweizer Bahnhöfen Rauchverbot. Das bedeutet, dass die Rorschacher Hafenmeile rauchfrei werden muss. Unter den Gastronomen macht sich Unmut breit.
Noah Salvetti
Ab Juni 2019 rauchfrei: Die Rorschacher Hafenmeile, die gleichzeitig das Perron des Hafenbahnhofs bildet. (Bild: Noah Salvetti)

Ab Juni 2019 rauchfrei: Die Rorschacher Hafenmeile, die gleichzeitig das Perron des Hafenbahnhofs bildet. (Bild: Noah Salvetti)

An Rorschachs Hafenmeile reihen sich zahlreiche Lokale aneinander: Cafés, Restaurants, Imbisse und Bars. Ihre Ein- und Ausgänge führen unmittelbar aufs Perron Gleis 2 des Rorschacher Hafenbahnhofs – das bis auf einige Zentimeter vor dem Eingangsbereich zum Hoheitsgebiet der SBB gehört. Mit nach draussen gestellten Tischen und Stühlen laden die Gastronomen bei schönem Wetter dazu ein, Platz zu nehmen, bei einem Kaffee oder Bier und nicht selten einer Zigarette, zumal in den Restaurants nicht mehr geraucht werden darf.

An sämtlichen Bahnhöfen in der Schweiz ist ab dem 1. Juni 2019 das Rauchen komplett verboten, mit Ausnahme von speziell gekennzeichneten Raucherbereichen, die neu an Perrons und Zugängen eingerichtet werden sollen. Dies hat der Verband öffentlicher Verkehr (VöV) vergangene Woche in einer Medienmitteilung mitgeteilt. Die Massnahmen würden die Aufenthaltsqualität an den Bahnhöfen durch mehr Sauberkeit und einen angenehmeren Geruch steigern, zudem könne man mit dem Verbot Reinigungskosten einsparen, schreibt der VöV.

Fumoir als einzige Rauchmöglichkeit

Bei den Gastronomen herrscht wegen des drohenden Rauchverbots Unmut. «Im Sommer ist die ganze Hafenmeile voller Tische», sagt Albin Streule, Wirt des Restaurants Helvetia. Gut die Hälfte seiner Gäste seien Raucher. Für Streule steht fest:

«Sollte es hier komplett rauchfrei werden, kann man die Gastronomie am Hafen rauchen.»

Mit dem Rauchverbot auf dem Perron verlören die Gäste der Lokale am Hafenbahnhof ihre letzte Rauchmöglichkeit, sofern es im Restaurant kein Fumoir gebe. Das benachbarte Lokal, der Schnell-Imbiss Hafenkebap, verfügt über ein solches. Die Bewilligung zum Bau dieses Fumoirs hat die Stadtverwaltung Rorschach im Oktober 2014 erteilt. Nichtsdestotrotz ist man auch beim Hafenkebap alles andere als erfreut über den Beschluss: Der Raucherraum sei nämlich zu klein, um allen rauchenden Gästen zu dienen.

Zwei «Raucherinseln» pro Perron

Die Einrichtung eines Fumoirs sei überdies nicht überall umsetzbar, schildert Helvetia-Pächter Streule an dem eigenen Beispiel: «Mit insgesamt 20 Sitzplätzen ist es unmöglich, ein solches einzurichten.» Der Verband öffentlicher Verkehr schreibt, es würden pro Perron bis zu zwei Raucherbereiche eingerichtet. Streule hält dagegen: «Ein Wirt kann von seinen Gästen nicht erwarten, dass sie 20, 30 oder gar 40 Meter zu Fuss zurücklegen müssen, bis sie eine Zigarette anzünden dürfen.» Ein Rauchverbot führe auch zu einer Ungleichbehandlung gegenüber den Gastronomen, die nicht an der Hafenmeile tätig sind.

Daniel Mathan, Geschäftsführer der 3eee Bar, fürchtet, wegen des Verbots rauchende Kundschaft zu verlieren. Auch ihm sei es aus Platzgründen nicht möglich, ein Fumoir einzubauen. Die dafür nötigen Lüftungsanlagen seien zudem sehr teuer.

St. Gallen strenger als andere Kantone

Ein Blick auf das Bundesgesetz zum Schutz vor Passivrauchen verrät: Lokale, die eine Gesamtfläche von 80 Quadratmetern nicht überschreiten, können als Raucherlokale betrieben werden, so lautet die Mindestvorschrift des Bundes. Einige Kantone, darunter etwa Appenzell Innerhoden, wenden die Bestimmung in dieser Form an, der Thurgau überlässt die Umsetzung des Bundesrechts den Gemeinden. Der Kanton St. Gallen hingegen verfügt über eine restriktivere Regelung: Er erlaubt das Rauchen in Restaurationsbetrieben nur, wenn ein Fumoir vorhanden ist, reine Raucherlokale sind verboten.

Eine faire Lösung ist gefragt

Beim VöV heisst es, man informiere kommenden Mai, wie das Rauchverbot genau umgesetzt werde. Zu spät, findet Albin Streule. Würden die Wirte dann bis zur Einführung des Verbots im Juni keine Lösung finden, sei dies das Todesurteil für das betreffende Restaurant. «Man müsste über eine Kündigung der Räumlichkeiten nachdenken», sagt Streule. Er sieht den Kanton St. Gallen und die SBB in der Verantwortung, gemeinsam mit den betroffenen Wirten eine faire Lösung zu finden.

SBB mit Wirten im Austausch

«Zurzeit können wir keine bahnhofsgenauen Angaben machen», schreibt Oli Dischoe, Mediensprecher der SBB auf Anfrage. Man werde die Umsetzung des VöV-Beschlusses nun ausarbeiten. Streule hat den SBB seinerseits angeboten, eine Raucherecke einzurichten und selbst zu bewirtschaften. Seitens SBB heisst es, man stehe diesbezüglich im Austausch.

Das Rauchverbot an Schweizer Bahnhöfen entspreche einem Kundenbedürfnis. Es sei ein wiederkehrendes Thema bei den Kundendiensten der Transportunternehmen, begründet der Verband öffentlicher Verkehr seinen Beschluss.

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