Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Keine Rute, kein Tadel: St.Galler Samichläuse wollen nicht mehr böse sein

Die Chlausgruppe St.Martin besucht seit 50 Jahren Familien im Westen von St.Gallen – geändert hat sich vor allem das Verhalten des Samichlauses: Er hält seine Litanei kurz und den Dialog mit den Kindern offen.
Jonas Manser
Samichlaus und Schmutzli der Chlausgruppe St.Martin auf Besuch. (Bild: PD)

Samichlaus und Schmutzli der Chlausgruppe St.Martin auf Besuch. (Bild: PD)

Der Samichlaus von der Chlausgruppe St.Martin ist kein böser Mann. Sein Gehilfe Schmutzli trägt keine Rute, sondern eine Laterne und ein Glöckchen, um ihren Besuch anzukündigen. Die Chlausgruppe feiert diesen Winter ihr 50-Jahr-Jubiläum: Seit 1968 besuchen die ehrenamtlichen Chläuse die warmen Stuben im Westen der Stadt. Der Brauch blieb erhalten, passte sich über die Jahre der heutigen Zeit an.

Die Samichläuse sind ausgebucht. Sie werden in dieser Saison voraussichtlich 180 Kinder besuchen. Jeweils bis zu neun Gruppen sind gleichzeitig unterwegs, denn viel Zeit bleibt ihnen nicht. In nur fünf Tagen besuchen sie die Familien. Nach Feierabend heisst es für die ehrenamtlichen Chläuse: auf direktem Weg zur «Hütte».

Dort liegen Gewand, Mitra, Buch und Stab bereit. Danach machen sich Samichlaus und Schmutzli auf den Weg zu den Familien. Während die Gruppen unterwegs sind, bereiten die Helferinnen und Helfer des Hüttendienstes die Verpflegung vor, die es für die Chläuse nach der Tour gibt.

Tadel nur für einen Tag effektiv

«Früher stand Lob und Tadel im Zentrum. Der Samichlaus war ein böser Mann, der Schmutzli kam mit der Rute», erzählt Dominik Hollenstein. Der Nikolaus sei ein Zuchtmittel für Eltern gewesen, die nicht weiter wussten. Die Erziehung werde heutzutage aber anders gelebt. «Es ist deshalb nicht mehr notwendig, den bösen Mann zu spielen.» Hollenstein ist bereits seit 35 Jahren als Samichlaus unterwegs, hat die Chlausgruppe St.Martin für zehn Jahre geleitet.

Aus Erfahrung wären Ermahnungen in den meisten Fällen genau nur für einen Tag effektiv. «Ich sage lieber etwas Gutes und halte die Litanei kurz.» Sie vermitteln den Kindern Werte, anstatt sie zu tadeln: Weitergeben, Schenken, Teilen. Kinder müssten dem Samichlaus nichts mehr versprechen. «Wir reden offener mit ihnen, führen einen Dialog. Wir sind nicht mehr allwissend.»

Lob und Tadel weichen Ratschlägen, was die Kinder künftig besser machen könnten. Vor dem Besuch erwägen sie mit den Eltern die beste Herangehensweise. «Wir versuchen, die Kinder Verantwortung für ihr Handeln übernehmen zu lassen», sagt Hollenstein. Der Samichlaus versucht zu erklären, was passiert, wenn sie etwas nicht so machen, wie es die Eltern gerne möchten. «Wir bringen Beispiele oder fragen die Kinder, wie es denn ihre Kollegen oder ihre älteren Geschwister machen.»

Unterwegs zu den warmen Stuben. (Bild: PD)

Unterwegs zu den warmen Stuben. (Bild: PD)

In letzter Zeit seien sie sehr gut aufgestellt, so Hollenstein. Der Verein zählt 40 Mitglieder. 15 bis 20 davon sind jeweils als Samichlaus unterwegs. Der Verein sei jedoch immer offen für neuen Nachwuchs. Hollenstein ist der Ansicht, dass eher junge Familienväter die Rolle des Samichlauses übernehmen sollten. Denn diese seien «noch voll in der Thematik». Wolle man bei ihnen Chlaus werden, müssten die Anwärter für gewöhnlich als Schmutzli mitgehen, um vom erfahrenen Chlaus zu lernen. Aber eine Regelung gebe es nicht.

Überschuss geht an wohltätige Projekte

Der Chlausbesuch von der Chlausgruppe St.Martin ist nicht gratis: «Wir decken damit unsere Kosten», sagt Hollenstein. Vor 20 Jahren habe der Verein damit begonnen, den Überschuss an Projekte für wohltätige Zwecke zu spenden. «Jedes Jahr kommt so einiges zusammen.» In diesem Winter unterstützen sie Projekte von «Brücke – Le Pont», «Kinder in Peru» und «JAM».

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.