Deshalb setzen sich diese Gaiserwalder Landwirte für einen fairen Milchpreis ein

Seit Januar sind die Landwirte Marcel und Marius Gschwend aus Abtwil Genossenschafter von «Faireswiss». Sie engagieren sich für «faire Milch», weil sie von der Philosophie begeistert sind und sie einen Franken pro Liter verkaufter Milch erhalten.

Rita Bolt
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Vater Marcel Gschwend und Sohn Marius genehmigen sich ein Glas Milch.

Vater Marcel Gschwend und Sohn Marius genehmigen sich ein Glas Milch.

Rita Bolt

Marcel Gschwend wohnt mit seiner Familie in der oberen Meldegg in Abtwil. Er führt einen Landwirtschaftsbetrieb mit Feldobst, acht Hektaren Wald, Kälbermast und -aufzucht, sechs Bienenvölkern und im Stall stehen 35 Kühe, die täglich zweimal gemolken werden. Der Milchpreis ist immer wieder Thema bei Gschwends, vor allem, wenn über die Zukunft gesprochen wird und die Hofübergabe. Sohn Marius könnte ein möglicher Nachfolger sein. Er ist gelernter Landwirt. Der Vater sagt:

«Wir wollen ja einen Betrieb mit Substanz übergeben.»

Das gehe nur, wenn für die Milch kostendeckende Preise erzielt würden. Es habe auch schon Überlegungen gegeben, in der nächsten Generation mit der Milchwirtschaft aufzuhören. Da wären Gschwends in guter Gesellschaft. Im Jahr 2018 wurden schweizweit noch 19568 Milchproduzenten gezählt. Vor 20 Jahren waren es 44000 gewesen.

Ein Franken pro Liter verkaufte Milch

Gschwends schlagen einen anderen Weg ein. Sie engagieren sich seit Januar für «Faireswiss», eine Genossenschaft, die ihren Ursprung im Welschland hat und die dank Gschwends langsam auch in der Ostschweiz Fuss fasst. Die ersten Ostschweizer Mitglieder sind sechs Betriebe der Gaiserwalder Käsereigenossenschaft Rüti, treibende Kräfte sind Marcel und Marius Gschwend. Warum machen sie mit? Vater und Sohn sagen:

«Faireswiss garantiert einen Franken pro Liter verkaufte Milch.»

Das sei um einiges höher als der normalerweise erzielte Milchpreis. Ohne «Faireswiss» bekomme der Bauer für einen Liter verkaufte A-Milch in der Schweiz zwischen 60 und 65 Rappen. Wenn die Milch auf dem europäischen Markt verkauft wird, sind es noch etwa 40 Rappen. Gemäss einer Studie der landwirtschaftlichen Beratungszentrale Agridea brauche es einen Franken, um die Produktionskosten zu decken.

Corona machte einen Strich durch die Rechnung

Das heisst aber auch, der Erfolg von «fairer Milch» hängt vom Konsumenten ab. Der Kunde im Laden muss tiefer in die Tasche greifen. «Ich bin sicher, dass die Endabnehmer etwas mehr bezahlen, wenn sie wissen, dass der Bauer einen höheren Milchpreis bekommt», sagt Marcel Gschwend.

Um den Absatz der «fairen Milch» anzukurbeln, ist es Pflicht der Genossenschafter, dass sie selber Werbung machen, in den Verkaufsläden stehen und die Kunden für «faire Milch» sensibilisieren. Marcel Gschwend hat sich auf diese Aufgabe gefreut. Corona hat den Ostschweizern allerdings einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die Werbeauftritte mussten bis auf weiteres verschoben werden. Trotzdem ist «Faireswiss» gemäss Gschwend auf Kurs:

«Wir rechnen damit, dass in diesem Jahr eine Million Liter Milch zu fairer Milch verarbeitet wird.»

Das sei mehr als angenommen. «Faire Milch» von «Faireswiss» wird in allen Manor-Läden verkauft. Sie kostet für den Konsumenten rund 30 Rappen mehr als normale Milch, schmeckt aber nicht anders. «Spar und Manor verzichten auf einen Teil ihrer Marge», sagt Marcel Gschwend. Ziel sei, die Absatzkanäle in naher Zukunft zu erweitern. Nur dann können weitere Bauern in die Genossenschaft aufgenommen werden.