Wittenbachs Gemeindepräsident lädt zu seiner ersten Bürgerstunde - und wird vom Ansturm überrascht

Oliver Gröble will ein offenes Ohr für die Wittenbacher haben. Der Gemeindepräsident hat deshalb zum ersten Mal zu einer Bürgerstunde eingeladen. Und wurde dabei mit unterschiedlichsten Anliegen zugedeckt.

Perrine Woodtli
Drucken
Teilen
Gemeindepräsident Oliver Gröble bespricht in seinem Büro mit einem Bürger dessen Anliegen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Gemeindepräsident Oliver Gröble bespricht in seinem Büro mit einem Bürger dessen Anliegen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im zweiten Stock im Wittenbacher Gemeindehaus herrscht ein Kommen und Gehen. Im sonst stillen Gang haben sich einige Frauen und Männer, vornehmend ältere, versammelt und plaudern miteinander, viele kennen sich. Sie alle warten, bis sie an der Reihe sind und mit ihrem Anliegen ins Büro des Gemeindeoberhaupts können. Oliver Gröble hat nach seinem ersten Monat als Gemeindepräsident am Montag zum ersten Mal zur monatlichen Gesprächsstunde «Offenes Ohr» eingeladen.

Die Bürger haben die unterschiedlichsten Anliegen dabei, die sie bei ihm deponieren wollen. Annemarie Rieser etwa stört sich seit Jahren an der Strassenbeleuchtung. Die Lichter würden immer viel zu lange brennen. «Und das als Energiestadt», entrüstet sich Rieser. Sie habe schon mehrmals auf die Situation aufmerksam gemacht, jedoch ohne Erfolg. «Immer hiess es, dass man nichts dagegen tun könne, das werde von St.Gallen aus gesteuert.» Nun hofft Rieser beim neuen Gemeindepräsidenten auf eine bessere Antwort.

Zu viel Abfall, zu wenig Schmetterlinge

Nicht über die Strassenbeleuchtung, sondern über Abfall regt sich ein Pensionär auf. «Überall, vor allem entlang der Hauptstrasse, liegt Müll herum», ruft er aus. Er zeigt ein Foto mit einem Haufen Flaschen, Dosen und Zigarettenschachteln – «eine Sauerei». Er sammle den Müll manchmal ein, jedoch könne das nicht die Lösung sein. Man solle besser «saftige Bussen» in der Höhe von 400 bis 500 Franken verteilen. Das schrecke vielleicht ab. «Gegen diese Sauhunde muss man etwas unternehmen.»

Ebenfalls um die Umwelt geht es einer Frau. Als sie im Gemeindehaus ankommt und die Warteschlange sieht, meint sie lachend:

«Na dann hoffe ich, dass seine Ohren nicht schon verstopft sind, wenn ich an der Reihe bin.»

Ihre Mission: Sie will die Schmetterlinge zurück nach Wittenbach holen, denn davon gebe es heute viel zu wenige. Es gebe zahlreiche Möglichkeiten, wie die Gemeinde dabei mithelfen könne.

Auch der ÖV ist ein Thema. Die VBSG-Busse seien eine Zumutung, findet René Schleuniger. Der Bus nach St. Gallen halte an jeder Haltestelle, hinzu kämen die Verspätungen. «Ich kenne fast niemanden, der zufrieden mit der Situation ist. Deshalb will ich es ansprechen.» Er, der nach Zürich pendle, fahre nur noch mit dem Zug. Herbert Murbach wiederum will eine Bushaltestelle beim Schwimmbad. Die Haltestellen «Schwimmbad», die trotz Name nicht vor dem Schwimmbad liegt, und «Egghalde» seien zu weit entfernt. Einen Namen hätte er schon: «Sportplätze».

Murbach wusste gleich, dass er diese Bürgerstunde nutzen wird. Es sei eine gute Sache. Eine Wittenbacherin stimmt ihm zu.

«Wenn einen etwas stört, sollte man das auch sagen können.»

Das sieht auch Victor Kündig so. Er ist wegen der Grünaustrasse gekommen, bei der zu wenig passiere. Er schätzt, dass Gröble diese Gesprächsstunde anbietet. «Er ist ein guter Zuhörer.»

Zeit zum Durchschnaufen hat dieser an diesem Abend keine. Kaum verabschiedet Gröble einen Gast, wartet schon der nächste. Marianne Klimstein ist als letzte dran. Sie wünscht sich eine Haltestelle vor dem Migros-Provisorium. «Vor allem ältere Leute sind darauf angewiesen.»

Vom Ansturm überrascht

Über zwei Stunden, nachdem Gröble den ersten von 13 Besuchern empfangen hat, ist der Gang vor seinem Büro leer, die Bürgerstunde vorbei. Eigentlich sollte diese nur anderthalb Stunden dauern. Mit so vielen Bürgern hatte er nicht gerechnet, höchstens mit vier bis fünf. «Aber sicher nicht mit 13. Ich bin positiv überrascht und begeistert, dass so viele gekommen sind», sagt Gröble. «Es hat sich definitiv gelohnt.»

Er geht nochmals seine Notizen durch. Er werde sich nun mit den einzelnen Anliegen auseinandersetzen und Abklärungen vornehmen. Jeder Bürger werde eine persönliche Antwort erhalten. Nach 13 Gesprächen mit solch unterschiedlichen Themen sei er schon ein wenig müde, es sei intensiv gewesen. «Klar bedeutet so eine Bürgerstunde einen Mehraufwand. Man muss sich Zeit nehmen», sagt Gröble. Das sei vermutlich der Grund, wieso nicht jeder Gemeindepräsident diese anbiete. «Aber mir ist es wichtig, nicht bloss im Büro zu sitzen, sondern mit den Leuten in Kontakt zu sein.» Man müsse die Probleme ernst nehmen – auch die kleinen.

Das könnte Sie ebenfalls interessieren: