Interview
Der Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble zu Einbürgerungen: «Das Gesamtbild muss stimmen»

Der Wittenbacher Gemeindepräsident Oliver Gröble steht auch der Einbürgerungskommission vor. Im Interview erzählt er, worauf es dabei ankommt.

Merken
Drucken
Teilen
Oliver Gröble

Oliver Gröble

Bild: Urs Bucher

Regelmässig treffen sich die Mitglieder der Wittenbacher Einbürgerungskommission – neben Gemeindepräsident Oliver Gröble zwei weitere Gemeinderäte und drei Vertreter der Ortsbürgergemeinde –, um Einbürgerungsgesuche zu prüfen und Gespräche mit den Gesuchstellern zu führen. Wie das abläuft, erklärt Gröble im Interview.

Was macht diese Einbürgerungskommission genau?

Oliver Gröble: In einem ersten Schritt prüfen wir, ob die Einbürgerungsgesuche vollständig sind. Wir schauen, ob das Bewerbungsschreiben, der Sprachnachweis und der Strafregisterauszug vorhanden sind. In einem zweiten Schritt laden wir die Personen und Familien dann zu einem 30-minütigen Gespräch ein. Dabei wollen wir herausfinden, ob jemand integriert ist.

Wie gehen Sie dabei vor?

Es kommen Menschen aus unterschiedlichen Schichten, viele sind am Anfang sehr nervös. Zuerst müssen wir sie meist ein wenig beruhigen, denn sie sollen authentisch sein. Uns ist auch wichtig, zu sehen, ob sich jemand an unsere Werte hält, etwa bei der Gleichstellung von Mann und Frau. Wir arbeiten bei diesen Gesprächen mit einem Fragebogen, daneben kann aber natürlich auch jedes Kommissionsmitglied eigene Fragen stellen.

Was müssen denn Personen, die bei Ihnen eingebürgert werden wollen, wissen?

Wir stellen einerseits grundsätzliche Wissensfragen zur Demokratie und dem Schweizer Staatswesen, etwa wie viele Bundesräte die Schweiz hat und wer zurzeit Bundespräsidentin ist. Daneben wollen wir aber auch herausfinden, wie gut eine Person die Gemeinde kennt und wie verankert sie hier ist. Darum interessiert uns auch, welche Orte sie in Wittenbach kennt, was sie in der Freizeit macht und mit wem sie diese verbringt, also ob sie hier ein soziales Umfeld hat.

Und wenn man nicht weiss, dass Simonetta Sommaruga dieses Jahr Bundespräsidentin ist, fällt man durch?

Nein. Nur weil man eine solche Frage nicht beantworten kann, heisst das nicht, dass man nicht integriert ist. Es geht um das Gesamtbild, dieses muss stimmen. Wir wollen Missbrauch verhindern. 30 Minuten sind zwar nur eine kurze Zeit, um herauszufinden, ob es jemand ernst meint. Ich bin aber überzeugt, dass wir merken würden, wenn dem nicht so wäre.

Wie oft lehnen Sie ein Gesuch denn nach dem Gespräch ab?

Seit ich Präsident der Einbürgerungskommission bin, also seit Anfang 2019, ist das noch fast nie passiert.