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Der Winter naht: Die Stadt St.Gallen macht Heizen mit Gas umweltfreundlicher – und teurer

Das Standardgas der Stadtwerke St.Gallen enthält bald mehr Biogas. Es wird umweltverträglicher – und teurer.
Daniel Wirth
Kommt der Winter, wird wieder geheizt. (Bild: Benjamin Manser)

Kommt der Winter, wird wieder geheizt. (Bild: Benjamin Manser)

Die St.Galler Stadtwerke (SGSW) erhöhen den Biogasanteil in ihren Gasprodukten und gehen damit einen weiteren Schritt in Richtung einer nachhaltigen Energiezukunft: Mit diesem Satz beginnt ein Schreiben der SGSW an ihre Kunden, mit dem eine Anpassung der Gasprodukte und -preise per 1. Oktober 2019 angekündigt wird.

Konkret heisst das: Ab dem nächsten Monat verkaufen die SGSW kein Produkt mehr, dass sich ausschliesslich aus fossilem Erdgas zusammensetzt. Mindestens fünf Prozent Biogas hat es auch im günstigsten Gasprodukt; es kostet ab dem 1. Oktober unverändert 7.9 Rappen pro Kilowattstunde. Das Standardprodukt enthält in Zukunft ein Fünftel Biogas (heute fünf Prozent) und vier Fünftel Erdgas.

Der Preis für das SGSW-Standardgas erhöht sich um 0.5 auf 8.9 Rappen pro Kilowattstunde. Neu im Angebot ist ein Produkt, das je zur Hälfte aus Erd- und aus Biogas (heute 20 Prozent) besteht. Der Preis für «Moitié Motié»: Elf Rappen pro ­Kilowattstunde. Das nachhaltigste SGSW-Gasprodukt besteht wie vor der Tarif- und Produktanpassung zu 100 Prozent aus Biogas und kostet ab Oktober 14.5 Rappen pro Kilowattstunde (minus 2 Rappen). Diese Tarife gelten für die Kategorie «Erdgas EG1».

Ausstoss von CO2 reduzieren

Drei von vier EG1-Kunden der St.Galler Stadtwerke auf Stadtgebiet beziehen gegenwärtig das Standardprodukt. Die sukzessive Ökologisierung der Energieversorgung sei ein wichtiger Schritt, um die Ziele des städtischen Energiekonzepts 2050 zu erreichen. Zuletzt haben die SGSW gemäss Graf den Anteil erneuerbarer Energie und solcher aus ökologisch sinnvoller Produktion mit ihren Stromprodukten erhöht.

Mit der Neuzusammensetzung der Gasprodukte gehen die Stadtwerke den nächsten Schritt, wie sie es formulieren, um den Ausstoss von Kohlenstoffdioxid (CO2) zu reduzieren: Für ein mit dem SGSW-Standardgas beheiztes Einfamilienhaus liegt die CO2-Ersparnis heute bei gut 198 Kilogramm. Ab dem 1. Oktober beträgt diese Ersparnis mit 792 Kilogramm exakt das Vierfache. Als Berechnungsmodell dient hier ein Einfamilienhaus mit einem Verbrauch von rund 20000 Kilowattstunden im Jahr.

Jährliche Mehrkosten von rund 100 Franken

Die Mieter oder Eigentümer müssen mit jährlichen Mehrkosten von rund 100 Franken rechnen, wie Peter Graf sagt. Er ist als Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing Mitglied der Geschäftsleitung der St.Galler Stadtwerke. Bei den Bewohnern einer Eigentums- oder Mietwohnung belaufen sich die Mehrkosten für das Gas gemäss Graf auf rund 60 bis 70 Franken.

2012 führten die St.Galler Stadtwerke beim Strom ein Standardprodukt ein, das nicht mehr das billigste im ganzen Angebot, aber umweltverträglicher als das günstigste war. «Die Akzeptanz für diesen Paradigmenwechsel damals war gross», erinnert sich Graf. Lediglich zehn Prozent der Stromkunden hätten auf das billigste Produkt, ein Kernenergie-Mix, gewechselt. Etwas anders sah es ein Jahr später aus, als die SGSW diesen Wechsel auch beim Gas machten: Seit 2013 wird dem Standardprodukt Biogas beigemischt

Ein Viertel wechselte auf das günstigere Produkt

Als dies den Kunden auf die gleiche Art mitgeteilt wurde wie die jüngste Produkte- und Tarifanpassung, wechselte gemäss Peter Graf rund ein Viertel der Kunden auf das günstigere Produkt mit 100 Prozent fossilem Erdgas. «Anders als beim Strom kann beim Gas nicht jeder Mieter oder Stockwerkeigentümer selber entscheiden, welches Produkt er wählen möchte. Um die Nebenkosten tief zu halten, spielt der günstigere Preis für Verwaltungen eine grössere Rolle», sagt Graf.

Proteststürme habe es in St.Gallen nicht gegeben, als die Stadtwerke anfingen, die Preise für ihre Standardprodukte im Sinne der politisch geforderten Energiewende anzuheben. Graf glaubt denn auch nicht, wie er sagt, dass die jüngste Produkte- und Tarifanpassung beim Gas aus Kostengründen viele Kunden zu einem Wechsel von 20 auf fünf Prozent Biogas veranlassen wird. «In unserem Schreiben machen wir die Kunden selbstverständlich darauf aufmerksam, dass ein Produktewechsel möglich ist», sagt Graf.

St.Galler befürworten Umweltschutz

Der Wechsel könne einfach und unkompliziert erfolgen, dies sei ihm «sehr wichtig», betont der SGSW-Marketingleiter. Denn energiepolitisch sei das Handeln der Stadtwerke zwar erwünscht, allerdings werde ihr Vorgehen nicht nur unkritisch betrachtet. Würde in der Privatwirtschaft so vorgegangen, würde das womöglich als anrüchig taxiert, sagt Graf. Er meint damit die Tatsache, dass der Kunde aktiv werden muss, wenn er mit der automatischen Tarifanpassung nicht einverstanden ist.

Grundsätzlich seien die St.Gallerinnen und St.Galler gegenüber Vorhaben, die dem Umweltschutz dienten und dem Klimawandel entgegenwirkten, positiv eingestellt, sagt Graf. Die Abstimmungsresultate der jüngsten Vergangenheit beispielsweise bei den Krediten für die Anschaffung von Trolleybussen mit Batterieantrieb oder dem Ausbau des Fernwärmenetzes seien der Beweis dafür. Bei den beiden Millionen-Vorlagen lag der Ja-Stimmen-Anteil bei über 80 Prozent.

Biogas aus Deutschland und Dänemark importiert

Das Biogas, das die St.Galler Stadtwerke ihren Kunden liefern, kaufen sie gemäss Graf in der Schweiz, aber auch in Deutschland und Dänemark ein. Es handelt sich dabei um Biogas, das den Grundsätzen der Schweizer Gasindustrie entspricht. Das heisst konkret: Das Biogas ist erneuerbar und klimafreundlich; es stammt nicht aus speziell zu diesem Zweck produzierten nachwachsenden Rohstoffen; die Ausgangsstoffe für die Herstellung von Biogas stehen nicht direkt in Konkurrenz zu Nahrungs- oder Futtermitteln.

Gemäss Peter Graf entsteht das Biogas, das dem Erdgas beigemischt wird, durch die Vergärung von organischen Abfallstoffen wie Grüngut, Schlachtabfällen oder Klärschlamm. Wesentlicher Bestandteil des Biogases bildet Methan (CH4), das auch Hauptbestandteil von Erdgas ist. In der Stadt St.Gallen werden heute noch rund vier von zehn Häusern (siehe Infografik) mit Gas beheizt, wie Peter Graf sagt. Mit einer Ölheizung ausgestattet sind noch rund 35 Prozent der Liegenschaften.

Sommaruga lobt St.Gallen

Ölheizungen dürfen ab dem nächsten Jahr gemäss dem kantonalen Energiegesetz, das nächste Woche auf Antrag der Regierung vom Kantonsrat in erster Lesung revidiert werden soll, nicht mehr ohne weiteres durch eine Ölheizung ersetzt werden. Bei Neubauten sind sie ab 2020 untersagt. Deswegen und weil das städtische Fernwärmenetz weiter ausgebaut wird, wird der Anteil von Öl- und Gasheizungen in der Stadt St.Gallen weiter sinken, wie Graf sagt.

Apropos Fernwärmenetz: Bundesrätin Simonetta Sommaruga, Vorsteherin des Eidgenössischen Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation, sagte bei ihrem Besuch Anfang September in St.Gallen nach einem Augenschein, das Fernwärmenetz der Stadt St.Gallen sei «innovativ und beispielhaft» in der Schweiz.

Die Strompreise sinken nächstes Jahr

Wie beim Gas bieten die Stadtwerke auch beim Strom unterschiedliche Produkte an. Das güns­tig­s­te Produkt ist zu 100 Prozent aus Kernenergie hergestellt. Kostenpunkt: 22.68 Rappen pro Kilowattstunde im Hochtarif und 16.48 Rappen im Niedertarif. Das teuerste Produkt heisst «Öko plus». Es setzt sich zusammen aus 60 Prozent Wasserkraft, 20 Prozent Windenergie und 20 Prozent Solarenergie. Kostenpunkt: 27.68 Rappen im Hochtarif und 21.48 Rappen im Niedertarif.

Preislich dazwischen liegen die Produkte «Öko» und «Basis», wobei es bei «Basis» um das Standardprodukt der SGSW handelt. Die Zusammensetzung: 60 Prozent Wasserkraft, zehn Prozent Windenergie, drei Prozent Solarenergie, vier Prozent Wärme-Kraft-Kopplung, drei Prozent Kehrichtverbrennung, 20 Prozent Kernenergie.

Im nächsten Jahr werden die Strompreise in der Stadt St.Gallen leicht sinken, wie Peter Graf, Bereichsleiter Energie, Verkauf und Marketing und Mitglied der Geschäftsleitung der St.Galler Stadtwerke, sagt. Den Kundinnen und Kunden werde das wie immer im November mitgeteilt. Am stärksten profitieren Eigentümer und Mieter kleiner Wohnungen: In der Kategorie H1 (Zwei-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und 1600 Kilowattstunden Verbrauch im Jahr) sinkt der Kilowattstundenpreis gemäss Graf um 0.72 Rappen oder um 2,77 Prozent.

Das senkt die Kosten für den Strom in einem Jahr um 11.60 Franken. In der Tarifklasse H7 (Fünf-Zimmer-Einfamilienhaus mit Elektroherd, 100-Liter-Boiler, Tumbler und Elektroheizung und 25000 Kilowattstunden ­Verbrauch im Jahr) sinkt der Kilowattstundenpreis lediglich um 0.04 Rappen oder um 0,19 Prozent. Das senkt die Kosten für den Strom in einem Jahr um 8.95 Franken. Der Strompreis setzt sich hauptsächlich zusammen aus der sogenannten Netznutzung und der Stromlieferung.

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