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Der St.Galler Wald hat einen Businessplan

Wie die St. Galler Ortsbürgergemeinde ihren Wald in den nächsten 15 Jahren entwickeln will, regelt ein neuer Betriebsplan. Auch über den Klimawandel machen sich die Ortsbürger schon jetzt Gedanken.
Roger Berhalter
Auch Erholung muss sein: Liegestühle der Ortsbürgergemeinde im Berneggwald. (Bild: Urs Bucher)

Auch Erholung muss sein: Liegestühle der Ortsbürgergemeinde im Berneggwald. (Bild: Urs Bucher)

Der St. Galler Wald ist für viele da. Für Spaziergänger und Biker, die auf Waldwegen und unter Baumkronen Erholung suchen. Für Jäger, die im Unterholz nach Wild Ausschau halten. Für Vogelfreunde, die sich über vielfältiges Gezwitscher freuen. Für Förster, die den Wald als Holzressource nutzen. Im Wald treffen verschiedene, zum Teil gegenläufige Interessen aufeinander.

Zudem darf ein Waldbesitzer nicht einfach tun und lassen, was er will. Verschiedene Vorschriften regeln, was im Wald erlaubt ist. Für das Gemeindegebiet von St. Gallen, Gossau und Wittenbach hat der Kanton einen Waldentwicklungsplan «Gallus» vorgelegt. Dieser gibt den Rahmen vor, wie Eigentümer ihren Wald entwickeln können. Der Waldentwicklungsplan ist für den Wald das, was der Richtplan für das Siedlungsgebiet ist.

Fichten gelten als «naturfern»

Wer mehr als 50 Hektaren Wald besitzt, muss zudem einen Betriebsplan vorlegen. Dieser dient als Führungsinstrument, sozusagen als Businessplan, und legt offen, was der Waldbesitzer in den kommenden 15 Jahren auf seiner Waldfläche zu tun gedenkt. Wo soll der Wald vor allem Erholung bieten? Wo wird in erster Linie Forstwirtschaft betrieben? Wo hat der Wald eine Schutzfunktion, die es zu erhalten gilt? Welche Baumarten sollen wachsen?

Die Ortsbürgergemeinde St. Gallen ist der viertgrösste Waldbesitzer im Kanton. Der Grossteil ihres Waldes befindet sich im Grünen Ring um die Stadt St. Gallen. Für gut 1000 Hektaren haben die Ortsbürger einen Betriebsplan erarbeitet und vom Kanton genehmigen lassen. Gestern unterschrieben Vertreter der Ortsbürgergemeinde und des Kantons sowie die beteiligten Förster das Papier und stellten es den Medien vor.

Der St. Galler Wald hat einige Eigenheiten. «Das Spezielle am Wald der St. Galler Ortsbürgergemeinde ist, dass er in dicht besiedeltem Gebiet liegt», sagt Kantonsoberförster August Ammann. Zudem sind fast die Hälfte der gut 1000 Hektaren, die der Betriebsplan regelt, «naturfern», wie Förster sagen. An vielen Standorten wächst nicht das, was von Natur aus dort wachsen würde. Weil der Mensch eingegriffen hat, machen sich andere Baumarten breit; vor allem die Fichte. Weiter hat der St. Galler Wald auch eine Schutzfunktion.

Nicht als Bannwald gegen Lawinen, doch stabilisieren Baumwurzeln vielerorts die Hänge und verhindern auf diese Weise Erosion, beispielsweise im Wattbachtobel oder im Menzlenwald. «In der Stadt St. Gallen ist fast 50 Prozent des Waldes Schutzwald», sagt Regionalförster Raphael Lüchinger. Bei den gut 1000 Hektaren Waldfläche, die der Betriebsplan der Ortsbürger regelt, sind es immerhin noch 36 Prozent. In weiteren sechs Prozent hat die Funktion «Natur und Landschaft» Vorrang, dort geht es beispielsweise um eine hohe Biodiversität. Sieben Prozent des Waldes sollen vor allem der Erholung dienen, dort sind die Ortsbürger etwa um Feuerstellen und Sitzbänke – seit Neustem auch Liegestühle – besorgt. Auf den übrigen gut 50 Prozent der Waldfläche hat keine besondere Funktion Vorrang.

Der halbe Wald dient der Holzwirtschaft

Für die Zukunft des Ortsbürgerwaldes gilt gemäss Betriebsplan: Auf dem ganzen Waldgebiet strebt die Ortsbürgergemeinde einen naturnahen Waldbau an. «In den stadtnahen Wäldern wird dem Erhalt eines naturnahen, attraktiven und vielfältigen Erholungsraumes ein hoher Stellenwert beigemessen», heisst es weiter. Seltene, einheimische Baumarten werden gezielt gefördert, und das Wild soll mehr Lebensraum erhalten. Im «übrigen Wald», also auf über der Hälfte der Waldfläche, soll die Holzproduktion im Vordergrund stehen.

Schliesslich begegnen die St. Galler Waldexperten auch dem Klimawandel. «Unser Wald soll naturnaher werden, um für den Klimawandel gerüst-et zu sein», sagt Urban Hettich, der bei der Ortsbürgergemeinde den Bereich Forst und Liegenschaften leitet. Man strebe einen Artenwechsel an und setze in Zukunft auf Bäume, die mit trockenen Sommern gut zurechtkommen.

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