Massnahmen zum A1-Zubringer: Der Verkehr soll weg aus den Zentren am See

Falls der A1-Anschluss Witen gebaut wird, braucht es Massnahmen, um den Verkehr um die Stadt am See zu leiten. Das finden der Kanton und die Gemeinden. Kritiker wollen zwar die Massnahmen – aber nicht den Autobahnanschluss.

Martin Rechsteiner
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Die Planung rund um den 3. Autobahnanschluss Witen auf Goldacher Boden gehen in die nächste Runde. In einer Mitteilung hat die Steuerungsgruppe Autobahnanschluss Plus, bestehend aus Vertretern der Gemeinden Goldach, Rorschach und Rorschacherberg sowie des Kantons St. Gallen, einen ersten Schritt in der Siedlungsplanung bekanntgegeben.

Die Rede ist von rund 20 baulichen Massnahmen an Strassen in den drei Gemeinden. Sie sollen mehrheitlich zum Tragen kommen, wenn der A1-Anschluss gebaut wird. Damit verfolgt die Steuerungsgruppe das Ziel, «den motorisierten Individualverkehr an den Rand des Siedlungsraums zu verlegen und das regionale Velokonzept umzusetzen». Die Achsen in den Siedlungszentren sollen so entlastet werden, wovon laut den Planern besonders Anwohner profitieren (s. Grafik).

Den Verkehr kanalisieren

Den Verantwortlichen schwebt folgender Plan vor: Strassen im Zentrum, darunter viel befahrene Achsen, sollen mit Verkehrsschikanen oder ähnlichem ausgestattet werden. Damit wird der Verkehr auf die Autobahn und die teilweise neu gebauten Zubringerstrassen ins Zentrum kanalisiert.

So ist das zum Beispiel für die St. Gallerstrasse in Goldach vorgesehen, sofern der A1-Zubringer von den Stimmbürgern angenommen wird. «Verkehrsflussberechnungen des Kantons zeigen: Auf der St. Gallerstrasse werden ohne eine Anpassung der Verkehrsinfrastruktur im Jahr 2040 rund 20000 Fahrzeuge pro Tag unterwegs sein», sagt Dominik Gemperli, Gemeindepräsident von Goldach und Vorsitzender von «Autobahnanschluss Plus». Das sei besonders für die rund 500 direkten Anwohner (s. Grafik) eine Belastung. Mit der neuen Führung werde der Verkehr auf dieser Achse aber um bis zu 40 Prozent reduziert und die Sicherheit für Fussgänger und Velofahrer erhöht.

Ähnliches könnte in Rorschach und Rorschacherberg auf den Achsen Feldmühle- und Rosengartenstrasse geschehen. «Die Planungen sind angelaufen, Details gibt es aber noch keine», sagt Markus Fäh, Leiter des Bereichs Bau- und Stadtentwicklung in Rorschach. Ebenfalls eine Anpassung ist für die Promenaden- und die Pestalozzistrasse geplant. Sie sollen die Funktion als innerörtliche Achse beibehalten. Laut der Mitteilung ist vorgesehen, die Geschwindigkeitsbegrenzung zu reduzieren. Zentral sei zudem die Schulwegsicherheit. Weiter zu den angekündigten, rund 20 baulichen Massnahmen, zählen zum Beispiel die Unterführungen beim Rorschacher Stadtbahnhof oder die Zentrumsentwicklung Goldach. Sie werden auch unabhängig vom A1-Anschluss vorangetrieben.

Anwohner im Zentrum profitieren nicht nur

Für die Anwohner im Zentrum bedeutet das, dass sie möglicherweise weniger Verkehr vor der Tür haben. Die Einschränkungen treffen sie aber, sobald sie selbst mit dem Auto unterwegs sind. Den Missmut darüber liessen die Goldacher die Planer bei einer Umfrage spüren: Obwohl die Gemeinde am meisten von der Verkehrsentlastung profitiert, stimmten die Goldacher Umfrageteilnehmer dem Projekt «nur» mit 69 Prozent zu – weniger als die Rorschacher und Rorschacherberger. Gemperli räumt ein: «Mit so einem Projekt kann man es nie allen recht machen. Klar, es wird individuelle Rückmeldungen geben, die nicht positiv sind.» Jedoch sei der Wert des Projekts für die Gemeinde nicht von der Hand zu weisen. «Für verhältnismässig wenig Geld, 5 bis 7 Millionen muss Goldach beisteuern, wird die Verkehrssituation im Dorf massiv verbessert.»

Die Idee, den Verkehr aus den Zentren an den Rand zu verbannen, behagt auch den Gegnern des Autobahnanschlusses Witen, dem Verein Kein 3. Autobahnanschluss. «Die in der Mitteilung vorgeschlagenen Massnahmen begrüssen wir mehrheitlich», sagt Felix Gemperle, Mitglied des Vereins-Vorstands. Die angedachten baulichen Massnahmen für den Velo- und Fussverkehr sowie die Massnahmen zur Verflüssigung des Verkehrs an den Hauptachsen seien zielführend. «Das sind sie aber auch ohne den geplanten Autobahnanschluss», sagt Gemperle, bevor er zur Kritik ausholt:

«Das Projekt Autobahnanschluss Plus erreicht das Gegenteil von dem, was es will: Es lässt den Verkehr ungehindert ins Zentrum fliessen und verstärkt damit die Überlastung.»

Gemperle glaubt zudem nicht, dass es auf der St. Galler­strasse, jemals 20000 Fahrzeuge pro Tag geben könnte, wie von Autobahnanschluss Plus behauptet. «Die grösste Verkehrsstudie der Schweiz, der Mikrozensus, zeigt auf, dass der Verkehr nur noch im Verhältnis zum Bevölkerungswachstum wächst, somit ist diese Zahl zu hoch gegriffen.»