Die Vampire hat Verspätung - Der Kreisel beim Hundertwasser-Haus bleibt verwaist

Der Kampfjet, der während zehn Jahren über dem Flughafenkreisel thronte, ist stärker beschädigt, als vermutet. Im Hangar des Fliegermuseums Altenrhein wird er von Heinz Bärfuss auf Vordermann gebracht.

Rudolf Hirtl
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Heinz Bärfuss begutachtet eine bereits mit Kunststoff und Sperrholz reparierte Stelle an der Vampire.

Heinz Bärfuss begutachtet eine bereits mit Kunststoff und Sperrholz reparierte Stelle an der Vampire.

Rudolf Hirtl

Heinz Bärfuss streicht mit seiner Hand schon beinahe liebevoll über die frisch renovierte Seite der Vampire DH-100. Er nimmt das Resultat mit einem zufriedenen Lächeln zur Kenntnis. Der erste Kampfjet der Schweizer Luftwaffe «flog» seit einem Jahrzehnt in Altenrhein über dem Verkehrskreisel als Windfahne. Im vergangenen Februar wurde er dann von seinem Sockel geholt und in den Hangar des Fliegermuseums gebracht, weil dringende Reparaturarbeiten anstanden.

Die aufwendige Restauration sollte bis Ende März abgeschlossen sein.

Über 300 Stunden hat der 69-Jährige inzwischen in die Sanierung des zweieinhalb Tonnen schweren Düsenjet investiert. Ehrenamtlich, für einen Händedruck und einen Kaffee, wie er mit einem Schmunzeln feststellt. Am Schluss dürften es gegen 400 Stunden sein. Über dreimal mehr, als ursprünglich eingeplant. «Die Holzkonstruktion hat unter der Witterung enorm gelitten. Das Balsaholz zwischen den Sperrholzflächen war so faul, dass ich es von Hand herauslösen konnte», sagt Bärfuss und nimmt ein Stück Kunststoff in die Hand, das er nun anstelle des Basalholzes für die Füllung verwendet hat. Dieses auch beim Bau von Segelfliegern verwendete Material sei unempfindlich gegenüber Nässe.

Schäden waren grösser als vermutet

Das Heck wurde für die Reparatur vom Jet getrennt.

Das Heck wurde für die Reparatur vom Jet getrennt.

Rudolf Hirtl

Die Materialwahl kommt nicht von ungefähr, denn Heinz Bärfuss ist nicht nur Cheffluglehrer der Segelfluggruppe Säntis, der pensionierte, ehemalige Musiklehrer ist auch passionierter Modellbauer und auf die Instandhaltung dieser motorlosen Gleiter spezialisiert. Egal, ob nun beim Flötenspiel oder beim Segelfliegen, ohne Luft geht es nicht. Und in luftiger Höhe schweben sollte die Vampire eigentlich schon wieder seit vergangenen Juli, als das neue Fliegermuseum in Altenrhein eingeweiht wurde. «Im Hangar wurde rasch sichtbar, dass wir den Termin nicht einhalten können», sagt Heinz Bärfuss. «Wir hoffen nun, dass wir die Vampire Ende März wieder auf das Stahlgerüst stellen können.»

Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.
8 Bilder
Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.
Das Balsaholz zwischen den Sperrholzflächen ist verfault.
Anstelle von Balsaholz kommt Kunststoff zum Einsatz.
Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.
Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.
Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.
Am 9. Februar 2019 wurde der Jet in einer Nachtübung vom Stahlgerüst gehoben.

Die Vampire DH-100 wird im Hangar des Fliegermuseum restauriert.

Rudolf Hirtl

Wie die «Biene Maja» gelb und schwarz anmalen

Zu Versuchszwecken besassen die mittlerweile ausrangierten Vampire-Jets der Schweizer Flugwaffe für eine kurze Zeit einen gelb-schwarzen Anstrich. Es gehen nun Ideen im Fliegermuseum um, der frisch sanierten «Vämpi», wie sie ihreFans liebevoll nennen, ebenfalls einen derartigen «Biene Maja»-Anstrich zu verpassen. Damit kann sich Bärfuss allerdings nicht wirklich anfreunden. «Ich bin der Meinung, dass sich der Vampire farblich mit dem bunten Hundertwasser-Haus nicht beissen soll. Mir wäre es lieber, wir würden es bei der dezenten Silberlackierung belassen.»

Die «Vampire» in Altenrhein dreht sich nicht mehr im Wind

Die legendäre Vampire DH-100, der erste Kampfjet der Schweizer Luftwaffe, wurde in der Nacht auf Samstag von ihrem Stahlgerüst geholt und in einen Hangar gebracht. Zur Eröffnung des neuen Fliegermuseums im Juli soll der Jet frisch restauriert wieder über dem Flughafenkreisel schweben.
Rudolf Hirtl