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Vom Königshaus in die Stickmaschine: Der Ursprung der St.Galler Spitze

Die Ausstellung "Die Spitzen der Gesellschaft" zeigt Stoffe, die von 1500 bis 1800 an den Höfen von Spanien und Frankreich Mode waren. Später dienten die kostbaren Spitzen den St.Galler Textilfabrikanten als Inspiration und Vorlage.
Roger Berhalter
Feinarbeit: Bevor die Spitzen maschinell produziert wurden, war ihre Herstellung sehr langwierig. (Bild: Thomas Hary)
Bei der Klöppeltechnik wird das Muster mit verschiedenen Klöppeln gestickt. Die Vorlage wird dabei auf einem Kissen fixiert. (Bild: Thomas Hary)
Ein Klöppelkissen in der Ausstellung zeigt, wie viel Handarbeit in einer Spitze steckt. (Bild: Thomas Hary)
Blick in die Ausstellung "Die Spitzengesellschaft" im St.Galler Textilmuseum.
(Bild: Thomas Hary)
Nicht nur adlige Frauen trugen Spitzen... (Bild: Thomas Hary)
...sondern auch Männer. Es gab sogar eine Zeit, als sich mehr Männer als Frauen mit Spitzen schmückten. (Bild: Thomas Hary)
Hüte im französischen Ausstellungssaal. (Bild: Thomas Hary)
Krägen, Manschetten und andere Accessoires sind in der Ausstellung zu sehen.
(Bild: Thomas Hary)
8 Bilder

Historische Spitzen im St.Galler Textilmuseum

Das Licht ist gedämpft, damit die filigranen Stoffe keinen Schaden nehmen. Geschützt hinter Glas liegen sie da: weisse Spitzen aus der Zeit zwischen 1500 und 1800. Hauben, Halskrausen, Manschetten, Tischdecken und Kissenbezüge. Es ist die Garderobe der Königshäuser von Spanien und Frankreich, die in jener Zeit nicht nur politisch, sondern auch modisch den Ton angaben. «Die Spitzen der Gesellschaft» heisst die neue Ausstellung im Textilmuseum. Sie gibt einen Einblick in die international bedeutende Spitzen-Sammlung des Museums mit mehr als 5000 Objekten.

Die Ausstellung zeigt auch ein wichtiges Stück St.Galler Geschichte. Im 19. Jahrhundert sammelten die Ostschweizer Textilfabrikanten gezielt solche historischen Spitzen. Diese dienten ihnen als Vorlagen für jene Muster, die im 19. Jahrhundert aus den Textilmaschinen ratterten und als «St.Galler Spitze» in die ganze Welt exportiert wurden.

Ein Jahr lang am Klöppelkissen

Bevor es Textilmaschinen gab, war die Herstellung von Spitzen unvorstellbar aufwendig. Gut möglich, dass eine Stickerin ein Jahr lang arbeitete, bis ein Ensemble aus mehreren Stücken fertig war. Einen Eindruck dieser langwierigen Handarbeit gibt in der Ausstellung ein aufgespanntes Klöppelkissen. Zudem zeigen zwei Videos den Unterschied zwischen den beiden Techniken Nadel- und Klöppelspitze. Während bei ersterer die Stickerin sozusagen mit der Nadel in der Luft stickt und aus weissem Faden ein feines Netz formt, handelt es sich beim Klöppeln um eine komplexe Flechttechnik.

Barbara Karl, Direktorin des St.Galler Textilmuseums (Bild: Benjamin Manser)

Barbara Karl, Direktorin des St.Galler Textilmuseums (Bild: Benjamin Manser)

Museumsdirektorin Barbara Karl hat die Ausstellung selbst kuratiert. Sie zählt die Spitzen-Techniken zu «den wichtigsten textilen Innovationen Europas der frühen Neuzeit», mit zwei Besonderheiten: Anders als andere Webtechniken seien sie in Europa erfunden und nicht aus Asien importiert worden. Zudem sei die Spitzen-Technik in weiblicher Hand gewesen und hätte den Frauen eine seltene Möglichkeit geboten, Geld zu verdienen.

Sowohl Männer als auch Frauen trugen früher Spitzen. Dies zeigen die grossen Portraitbilder an einer Ausstellungswand. Die spitzenbesetzten weissen Hauben, Halskrausen und Manschetten bilden einen starken Kontrast zu den schwarzen Stoffen. Die Kleiderordnung an den königlichen Höfen war streng, auch deshalb war es den unteren gesellschaftlichen Schichten untersagt, Spitze zu tragen – abgesehen davon, dass sie sich die Stoffe unmöglich leisten konnten und nicht die Zeit hatten, sie zum Eigengebrauch zu sticken. Das taten nur die Damen der feinen Gesellschaft, welche die Spitzen-Techniken erlernten und verschiedene Motive in sogenannte Mustertücher stickten.

Zuerst Spanien, dann Frankreich

Ein Ausstellungsraum widmet sich den spanischen Höfen, die vor allem im 16. und 17. Jahrhundert die adlige Mode in ganz Europa prägten. Der zweite Saal zeigt Spitzen des französischen Königshofes in Versailles, der im ausgehenden 17. und im 18. Jahrhundert die Modetrends setzte – bis mit der Französischen Revolution nicht nur die alten Eliten verschwanden, sondern (vorübergehend) auch ihre spitzenbesetzte Mode.

Zeitgleich mit der Ausstellung ist die Publikation «Historische Spitzen» erschienen, herausgegeben vom Textilmuseum und der Iklé-Frischknecht-Stiftung. Das Buch zeigt vor allem Fotografien der Spitzen-Sammlung des Textilunternehmers Leopold Iklé, die seit 1901 dem St.Galler Textilmuseum gehört.

Die Ausstellung dauert noch bis 10. Februar 2019. Begleitend dazu wird ein Rahmenprogramm geboten.

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