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Unternehmercamp für Jugendliche sorgt für Wirbel - St.Galler Stadtrat sieht aber keinen Handlungsbedarf

Müssen Schüler in Camps mit Werten des Silicon Valley vertraut gemacht und auf Unternehmertum getrimmt werden? Das fragte Parlamentarierin Marlene Bodenmann (SP) den Stadtrat. Die Antwort ist da, die Diskussion noch nicht beendet.
Seraina Hess
Jugendliche am «Entrepreneurship Camp» im April. (Bild: PD)

Jugendliche am «Entrepreneurship Camp» im April. (Bild: PD)

Die Flyer, die das Innovationsnetzwerk «Startfeld» an Oberstufen, Gymnasien und Berufsbildungszentren der Region versandt hatte, sind Primarlehrerin Marlene Bodenmann sauer aufgestossen. So sehr, dass sich die SP-Parlamentarierin mit einem Vorstoss an den Stadtrat wandte. Gegenstand war das sogenannte «Entrepreneurship Camp», konzipiert für Schüler zwischen 12 und 19 Jahren. Drei Tage, in denen die Jugendlichen lernen sollten, «the next big thing» zu starten.

Jugendliche testen ihr Führungspotenzial

Angebote wie dieses werden teils von «Startfeld» selber, teils von externen Partnern durchgeführt. Wie das «Netzwerk für Innovation und Start-ups der Region St. Gallen-Bodensee» mitteilt, lernten 16 Teilnehmer zwischen 16 und 19 Jahren, aus einer Idee im Team ein Produkt zu entwickeln. Das Camp, das vom 20. bis 22. April in den Räumen des Innovationszentrums an der Lerchenfeldstrasse stattgefunden hat, ist ein Format von «Camp BizSmart»: eine amerikanische Unternehmer-Akademie für 11- bis 19-Jährige. Partner sind neben vielen anderen IT-Konzernen auch Google und Microsoft.

Marlene Bodenmann tat in der Einfachen Anfrage im März ihr Missfallen gegenüber Schlagworten kund, mit denen für das englischsprachige Camp geworben wurde. Jugendliche sollten ihr «CEO Leadership Potential» – ihr Führungspotenzial – testen. Oder auf «das Unternehmertum sensibilisiert werden» und von den Erfahrungen aus dem Silicon Valley profitieren. Alles gipfelt im «Needfinding»: das Entdecken von Bedürfnissen der Kunden, die sie selbst noch nicht kennen. Bodenmann sagt: «Als Pädagogin bin ich skeptisch, wenn Zwölfjährige schon manipulieren lernen sollen.» Sie wollte vom Stadtrat im Wesentlichen wissen, ob er der Ansicht sei, die Vermittlung von Werten aus dem Silicon Valley an Schüler sei sinnvoll. Ausserdem, ob er über die Inhalte des Camps Bescheid wisse. Bodenmann wünscht sich, der Rat setzte sich beim Netzwerk ein, auch kritische Haltungen gegenüber der Digitalisierung zu vermitteln.

Keine Überwachung privater Angebote

Der Stadtrat hat inzwischen geantwortet. Unter Werten des Silicon Valley versteht er Innovationskultur, verbunden mit einem hohen Wissenstransfer, einer Fehlertoleranz und einer Risikofreude. Da die Schweizer Wirtschaft von diesen Attributen abhängig sei, ist der Stadtrat überzeugt, eine Auseinandersetzung der Schüler mit diesem Thema sei «pädagogisch wertvoll».

Grund zum Einschreiten gibt es gemäss Stadtrat nicht: Die kritische Auseinandersetzung mit Informatik und neuen Technologien sei durch den Volksschulunterricht bereits abgedeckt. «Zudem wäre es problematisch, wenn die Stadt Trägerschaften privater Angebote, die von Kindern und Jugendlichen freiwillig und in der Freizeit besucht werden, inhaltliche oder programmatische Vorgaben machen würden», heisst es weiter.

Die SP-Stadtparlamentarierin ist mit der Antwort nicht zufrieden, obschon sie betont, grundsätzlich keine Einwände gegen die Unterstützung von «Startfeld» zu haben. Sie weist allerdings darauf hin, was es bewirke, wenn Lehrpersonen die Werbetrommel für Veranstaltungen schlagen: «Eltern denken: Was die Schule empfiehlt, ist gut. Doch wer weiss denn genau, was dort vermittelt wird?» Ihrer Ansicht nach sollte das zumindest der Stadtrat wissen, «denn die Stadt unterstützt die Institution mit ihrem Label und damit auch mit Geld.» Stadtpräsident Thomas Scheitlin weist auf Anfrage darauf hin, dass diese Tatsache keinen Einfluss habe: «Der Stadtrat macht auch bei anderen Beitragsempfängern wie beispielsweise Kulturinstitutionen keine programmatischen und inhaltlichen Vorgaben.»

Was Zwölfjährige können – und was nicht

Sorge bereitet Bodenmann nicht zuletzt der Umgang mit dem Internet: «Der Stadtrat vertraut ganz auf die Aufklärung an der öffentlichen Schule. Das Camp steht aber bereits Zwölfjährigen offen. Der Rat hat eine etwas falsche Vorstellung davon, was Kinder über die Gefahren im Netz wissen und was nicht.»

Marlene Bodenmanns Vorstoss war «Startfeld» Anlass, seine Angebote zu reflektieren. «Wir kamen zum Schluss, dass wir auf dem richtigen Weg sind – und diesen noch konsequenter beschreiten wollen», sagt Cornelia Gut, Geschäftsführerin der Stiftung Startfeld. «Kinder und Jugendliche sollen mündig mit neuen Technologien und neuen Medien umgehen können und auch deren Gefahren erkennen.»

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