Der ungreifbare Aussenseiter: Oliver Gröble will als Parteiloser Wittenbacher Gemeindepräsident werden

Überraschend und ohne Partei im Rücken stieg Oliver Gröble in den Wahlkampf ein. Der Standortförderer sieht seine Aussenseiterrolle als Vorteil. Er will Weitsicht zeigen und Wittenbach zum Leben erwecken.

Noemi Heule
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«Gemeinsam etwas bewegen»: Das Tandem hat für Oliver Gröble Symbolcharakter. (Bild: Thomas Hary)

«Gemeinsam etwas bewegen»: Das Tandem hat für Oliver Gröble Symbolcharakter. (Bild: Thomas Hary)

Oliver Gröble strampelt nicht gern allein. Deshalb hat der Kandidat für das Wittenbacher Gemeindepräsidium eigens ein Tandem gemietet. Mit vier Pedalen, zwei Sätteln und einer Lenkstange geht es gemeinsam durch die Gemeinde. Die Stationen für die Rundfahrt hat Gröble mit Bedacht gewählt. Genauso das Gefährt, das für ihn Symbolcharakter hat. «Man kann nur gemeinsam etwas bewegen», sagt er. Sobald aber jemand falsch trete, komme man nicht vorwärts – weder auf dem Tandem noch in einer Gemeinde.

Die erste Station der Route liegt am Ortsrand. Auf der St. Gallerstrasse vor dem Wittenbacher Ortsschild wartet Oliver Gröble mit seinem Tandem. Vor rund neun Jahren kam er selbst aus derselben Richtung an, kurz nach Geburt seiner Tochter. Zuvor hatte er 11 Jahre in Herisau gewohnt. Seither sei Wittenbach sein Lebensmittelpunkt, den er nun mitgestalten wolle. Als Rechtsanwalt und Leiter Standortentwicklung und Tourismus beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit bringe er nicht nur den Willen, sondern das nötige Rüstzeug mit.

Sich punktuell positionieren, statt Parteilinie befolgen

Gröble schwingt sich auf den Sattel des grasgrünen Gefährts und lässt die St. Gallerstrasse hinunter die Schwerkraft arbeiten. Von einem Plakat am Strassenrand der Wittenbacher Hauptschlagader grinst Konkurrent Georges Gladig (FDP) mit dem Slogan «einer von uns». Norbert Näf (CVP), «voller Energie für Wittenbach», erscheint auf der elektronischen Anzeigetafel. An dieser prominenten Stelle ist Gröble nicht vertreten. Einmal links abgebogen schaut er zum ersten Mal an der Weidstrasse in sein Antlitz. Es sei schwierig, Standorte für Eigenwerbung zu finden, sagt er. «Dynamisch, kompetent, unabhängig», lautet sein Wahlspruch. In seiner Aussenseiterrolle sieht er nämlich nur Vorteile. Er sei unbefangen und könne Situationen neutral analysieren. Gröble will sich weder auf eine Partei, noch auf eine politische Linie festlegen. Nur so viel: «Weder links noch rechts, ich nehme keine Extremposition ein.» Breit gefächert könne er sich je nach Thema punktuell positionieren.

Den Berg hinauf in Richtung Peter und Paul tritt Oliver Gröble kräftig in die Pedale. Auf dem Weg den Waldrand entlang ist er oft anzutreffen, nicht zu zweit auf dem Tandem, sondern zu dritt mit seinen haarigen Bolonka-Hündchen Gino und Leo. Hier, bei der Linde hoch über Wittenbach, reicht der Blick über Hausdächer bis zum Bodensee. Auch in der Politik sei der Weitblick wichtig, führt Gröble aus. «Ein Gemeindepräsident muss einzelne Puzzleteile zu einem Ganzen zusammensetzen.» Das Naherholungsgebiet an der Grenze zu St. Gallen sei zudem ein Beispiel für Lebensqualität.

Die Tour de Tandem führt weiter durch das Zentrum von Wittenbach, links und rechts brummen die Baumaschinen. Auch hier spricht Gröble von Lebensqualität: «Das Zentrum ist funktional, aber es fehlen Begegnungsorte», sagt er. «Wittenbach darf keine anonyme Schlafgemeinde werden.» In der Vergangenheit sei die Gemeinde zu schnell gewachsen, nun müsse man den Fokus auf die Qualität legen. «Wir wollten zu viel auf einmal», sagt er, «Entwicklungsprozesse aber brauchen Zeit.» Ein gelungenes Beispiel für die Begegnung zwischen Jung und Alt sei dagegen das Freibad, die nächste Station auf der Rundfahrt. Am Mittwochnachmittag bei 27 Grad ist hier vor allem Jung anzutreffen; Kinder jauchzen hinter der Badi-Hecke.

Nicht nur Wohn-, sondern auch Arbeitsort

Die Tandem-Rundfahrt endet im Industriequartier. «Wittenbach soll nicht nur Wohnort, sondern auch Arbeitsort sein», sagt er. Eine Gemeinde müsse für Bürger und genauso für lokale Unternehmen «Servicestelle» sein. Die Gemeinde müsse die Bedürfnisse der Wirtschaft und des Detailhandels einholen und gemeinsam Ideen entwickeln. Auch hier verweist Gröble auf seine Erfahrungen als Standortförderer, in der er auch mit Immobilienentwicklung zu tun habe.

Auf dem Weg ins Industriegebiet grüsst eine Passantin, eine Nachbarin winkt aus dem Autofenster. Und plötzlich ist sein Ebenbild nicht nur auf Plakaten am Strassenrand zu sehen, sondern kommt per Velo entgegen. «Mein Zwillingsbruder», sagt Gröble. Die beiden, eineiig, werden nun im Wahlkampf oft verwechselt. Der Bruder gehört, genauso wie seine Frau, zum bescheidenen Wahlkampf-Team von Oliver Gröble. Ganz allein strampelt er also doch nicht.

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