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Wahlkampf in Wittenbach: Der unerwartete Dritte will sich nicht schubladisieren lassen

Zu den beiden bestehenden Kandidaten für das Wittenbacher Gemeindepräsidium gesellt sich Oliver Gröble. Statt auf die Rückendeckung der Parteien, vertraut er auf seinen Rucksack als Standortförderer.
Interview: Noemi Heule
Sollte Oliver Gröble (parteilos) die Nachfolge von Fredi Widmer antreten, will er das rasante Wachstum in Wittenbach stoppen. (Bild: Mareycke Frehner)

Sollte Oliver Gröble (parteilos) die Nachfolge von Fredi Widmer antreten, will er das rasante Wachstum in Wittenbach stoppen. (Bild: Mareycke Frehner)

Er macht aus einem Duell einen Dreikampf: Oliver Gröble (parteilos) will Gemeindepräsident von Wittenbach werden, genauso wie Georges Gladig (FDP) und Norbert Näf (CVP). Sie beide waren zuvor von der überparteilichen Findungskommission für die Nachfolge von Fredi Widmer vorgeschlagen worden. Der erste Wahlgang findet am 23. September statt.

Oliver Gröble, Parteien und Bürger waren überrascht, als mit Ablauf der Einreichefrist für Wahlvorschläge plötzlich Ihr Name auftauchte. Haben Sie ihre Kandidatur bewusst unter Verschluss gehalten?

Nein, der Kandidatur ging ein langer Reifeprozess voraus für die ganze Familie. Als Wahlkampfkandidat ist man der Öffentlichkeit ausgesetzt. Das bin ich als Leiter Standortentwicklung und Tourismus beim Amt für Wirtschaft und Arbeit gewohnt – nicht aber meine Familie.

Zur Person

Oliver Gröble ist seit elf Jahren Leiter Standortentwicklung und Tourismus beim kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit. Zuvor hatte er sieben Jahre lang eine Stabfunktion in der Direktion Soziales und Sicherheit der Stadt St. Gallen inne. Nebenberuflich absolvierte der Rechtsanwalt einen Executive MBA in Unternehmensführung. Der 50-Jährige ist Vater einer neunjährigen Tochter und wohnt mit seiner Familie seit acht Jahren in Wittenbach.

Dann haben Sie sich erst kurz vor Ende der Frist entschieden, überhaupt zu kandidieren?

Ich habe mir das bereits vor Monaten überlegt und mich gefragt, ob ich zu diesem Amt fähig bin. Ich kenne Politik und Verwaltung sehr gut und kann auf juristische Erfahrung zählen. Ich bringe einen vollen Rucksack, ein gutes Gesamtpaket mit.

Weshalb haben Sie nicht den Weg über die Findungskommission gewählt?

Ich will parteiunabhängig kandidieren und habe mich deshalb auch nicht bei den Parteien vorgestellt. Ich will die Anliegen der Wittenbacherinnen und Wittenbacher so vertreten wie ich bin – ohne mich durch ein Parteibüchlein einschränken zu lassen.

Ihre Konkurrenten gehören den beiden grossen Ortsparteien an. Die CVP stellte in Wittenbach seit bald einem Jahrhundert fast alle Gemeindepräsidenten. Kann es ganz ohne Parteien überhaupt funktionieren?

Ja, das kann sogar ein Vorteil sein. Im Gemeinderat sind verschiedene Parteien vertreten. Der Präsident soll unabhängig sein. Das Parteiendenken verliert auf kommunaler Ebene ohnehin an Wert, weshalb es immer mehr parteilose Präsidenten gibt.

Allerdings kann man sie nicht einordnen. Wo stehen Sie politisch?

Ich habe bewusst darauf verzichtet, mich einer Partei anzuschliessen. Statt an politischen Ansichten, will ich mich an den Anliegen der Bürger orientieren. Ich will themenbezogen und lösungsorientiert arbeiten.

Welche Themen sind das?

Als Vater ist mir Familienpolitik ein Anliegen. Zudem ist mir eine bürgerorientierte Verwaltung wichtig. Meine Erfahrung in der Verwaltung hat mir gezeigt, dass diese unbürokratisch funktionieren muss. Als Standortförderer schlägt mein Herz auch für die Wirtschaft. Als Steuerzahler sind mir gesunde Finanzen wichtig. Alles in allem stehe ich für eine attraktive Lebensqualität ein.

Im Gegensatz zu Ihren Konkurrenten sind Sie in Politik und Wahlkampf völlig unerfahren. Wie wollen Sie dieses Manko wettmachen?

Seit 18 Jahren arbeite ich an verschiedenen Schaltstellen zwischen Politik und Verwaltung. Bereits in meiner jetzigen Tätigkeit muss ich wie ein Politiker denken, politische Programme schreiben und parlamentarische Vorstösse beantworten.

Sie sind Leiter Standortentwicklung und Tourismus beim Kanton. Was fehlt dem Standort Wittenbach?

Wittenbach ist in den vergangenen Jahren rasant gewachsen und es gab viele Zuzüger. In Zukunft müssen wir mehr in Qualität denn in Quantität investieren. Wittenbach soll eine attraktive Gemeinde mit attraktiver Lebensqualität sein.

Sie sprechen lieber von Standortattraktivität denn von Politik. Muss ein Gemeindepräsident Marketing-Profi sein?

Nein, das wäre zu oberflächlich. Er muss auch an der Substanz arbeiten. Man muss die Angebote zuerst entwickeln, damit man sie vermarkten kann.

Derzeit wird viel gebaut in Wittenbach. Welche Baustellen stehen politisch an?

Viele Projekte sind aufgegleist: Die Zentrumsüberbauung, die Schulhäuser, die dritte Etappe der Überbauung Bettwiesen. Als Standortförderer weiss ich, dass die Umsetzung manchmal genauso anspruchsvoll sein kann wie die Initiierung. Grossprojekte gut und schnell umzusetzen, das braucht Kraft.

Geht es für Sie also primär darum, Bestehendes umzusetzen statt Neues anzupacken?

Ja, wir müssen zuerst diese Grossprojekte auf den Boden bringen und nicht versuchen, immer noch mehr zu machen. Es ist wichtig, weniger schnell zu wachsen und den Fokus auf die Qualität zu legen.

Sie haben zuvor Ihre Qualifikationen angesprochen. Was ist Ihre Motivation für das Amt?

Wittenbach ist seit acht Jahren der Lebensmittelpunkt von mir und meiner Familie und finde unseren Ort lebenswert, weshalb ich aktiv die Gemeinde mitgestalten möchte. Ich bin aufgrund meiner breiten beruflichen Erfahrung und mit 50 Jahren im besten Alter, dieses Amt anzu­treten.

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