Ersatzwahl
In den Thaler Wahlkampf kommt endlich Bewegung: Die Findungskommission schlägt Matthias Gehring als Nachfolger von Felix Wüst vor

Der Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus legt sich gelegentlich mit dem Bundesamt für Gesundheit an, oder er präsentiert im Privatfernsehen einen von ihm erfundenen Softeisroboter. Die überparteiliche Findungskommission ist der Meinung, dass Matthias Gehring (SVP) auch Gemeindepräsident kann und schlägt ihn am Sonntag, 26. September, zur Wahl vor. Weitere Kandidatinnen und Kandidaten sind möglich.

Rudolf Hirtl
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Die überparteiliche Findungskommission schlägt den SVP-Politker Matthias Gehring für das Gemeindepräsidium in Thal vor.

Die überparteiliche Findungskommission schlägt den SVP-Politker Matthias Gehring für das Gemeindepräsidium in Thal vor.

Bild: Benjamin Manser (14. Mai 2021)

Wenn die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Thal am Sonntag, 27. September, zur Wahl ihres neuen Gemeindepräsidenten und Nachfolgers von Felix Wüst (FDP) schreiten, steigt ein Kandidat mit der Empfehlung der überparteilichen Findungskommission (FiKo) ins Rennen.

Die FiKo schlägt den Einwohnerinnen und Einwohnern laut Mitteilung einstimmig in Form einer Einerkandidatur Matthias Gehring vor. Aktuell ist der 42-Jährige Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus. Matthias Gehring ist verheiratet und seine Partnerin arbeitet in Staad. Nach der kaufmännischen Lehre war er kurze Zeit international als Radprofi unterwegs. Danach wirkte er über mehrere Jahre als Studienleiter für KV-Lernende und als Lehrgangsleiter einer Handelsakademie. Nebenbei führte er als CEO ein Unternehmen mit zehn Mitarbeitenden.

Im Zwist mit Bundesamt wegen Schnelltests

Der SVP-Politiker ist seit Juni 2011 als Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus in einem 75 -Prozent- Pensum sowie in einem kleinen Pensum als Lehrperson für Allgemeinbildung am BBZ Arenenberg tätig. Das erste Unternehmen verkaufte er mit der damaligen Wahl zum Gemeindepräsidenten. Zu Beginn des Jahres 2014 hat er sich erneut als Unternehmer positioniert und ist Inhaber und VRP einer auf LED-Produkte spezialisierten Firma. Sollte er in Thal gewählt werden, würde er diese Firma laut Findungskommission verkaufen. Gehring war ausserdem gegen vier Jahre Mitglied in der Geschäftsleitung des Walter Zoo.

Findungskommission ist von ihm überzeugt

Nebst der erwähnten langjährigen Berufserfahrung gepaart mit Wirtschaft und Verwaltung verfügt Matthias Gehring über Weiterbildungen in Wirtschaftsinformatik, Methodik und Didaktik und über Erfahrung als Dozent. «Die Findungskommission ist der Meinung, dass Matthias Gehring einen bedeutenden Beitrag leisten wird, die politische Gemeinde Thal und die Verwaltung wieder in einen ruhigeren Hafen zu steuern», heisst es in der von SP-Kantonsrätin Andrea Schöb versandten Mitteilung.

Die von Gehring präsidierte Thurgauer Gemeinde Hauptwil-Gottshaus liegt zwischen Bischofszell und St. Gallen. Sie bildet sich aus den Dörfern Hauptwil, Wilen und St. Pelagiberg sowie umliegenden Weilern und hat knapp 2000 Einwohnerinnen und Einwohner. Während Matthias Gehring in der Region am See kaum bekannt ist, sorgt er im Thurgau regelmässig für Schlagzeilen. So wollte der Unternehmer und Gemeindepräsident im Frühling eigens organisierte Schnelltests für seine Firma aus China beim Bundesamt für Gesundheit (BAG) bewilligen lassen. Beim BAG lief er damit aber auf. Erst im Mai sagte Gehring dazu, dass er noch immer gegen das BAG kämpfe betreffend der Coronaselbsttests. Er werde ständig vertröstet und es sei eine Frechheit, wie dieses Bundesamt willkürlich Entscheide fälle.

Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil, hat Probleme mit dem BAG wegen Schnelltests.

Matthias Gehring, Gemeindepräsident von Hauptwil, hat Probleme mit dem BAG wegen Schnelltests.

Bild: Donato Caspari

Auftritt in der der Sendung «Die Höhle der Löwen»

Auch im Fernsehen stand Gehring schon im Rampenlicht. Im Oktober 2016 war er in der Sendung «Die Höhle der Löwen» des deutschen TV-Senders Vox zu sehen, wo er seine Erfindung, den «Marvel Boy», vorstellte. Der Roboter «Marvel Boy» zapft ohne menschliche Hilfe Softeis. Das Eis wird nach Wunsch in einem Hörnchen oder Becher serviert. Es dauert nur 20 Sekunden, dann ist das gewünschte Softeis fertig. Bei den Investoren fand der Eis-Roboter aber keinen Zuspruch. Der Markt sei noch nicht bereit für «Marvel Boy».

Matthias Gehring mit seinem Eis - Roboter, den er in der Vox-Sendung «Die Höhle der Löwen» präsentierte.

Matthias Gehring mit seinem Eis - Roboter, den er in der Vox-Sendung «Die Höhle der Löwen» präsentierte.

Bild: Donato Caspari

Zuspruch erhielt Matthias Gehring aber Anfang dieses Monats, als er an der Gemeindeversammlung bei der Vorstellung der Jahresrechnung einen Gewinn von 274'724 Franken präsentieren konnte. Diese schliesst damit um 627'189 Franken besser ab als budgetiert. Stellt sich im Thurgau die Frage, wieso der Gemeindepräsident von Hauptwil-Gottshaus von der Komfortzone des idyllischen Dorfes ins streitlustige Rebdorf wechseln will, wo der behördliche Haussegen seit dem überraschenden Rücktritt von Felix Wüst ordentlich schief hängt?

Gewappnet, um Ruhe in den Rat zurückzubringen

«Neue Challenge, neue Herausforderung, neue Gemeinde», so Matthias Gehring am Telefon, kurz vor seinem Abflug am Flughafen München. Es sei natürlich etwas ganz anderes als das, was er jetzt mache. Hauptwil-Gottshaus sei eine kleine Landgemeinde, die geprägt sei von Naturschutz und bäuerlichem Hintergrund. Thal hingegen sei eine Wirtschaftsgemeinde mit viel Industrie, mit einem Flugplatz, was er extrem spannend finde, und mit Seeanstoss. Er habe aus den Medien erfahren, dass es in Thal zuletzt Unruhe gegeben habe. Er sagt:

«Es ist für mich umso mehr eine spannende Aufgabe, wieder Ruhe in den Gemeinderat und in die Verwaltung zu bringen, und ich traue mir das auch zu.»

Gehring hat laut eigenen Aussagen gute Freunde in Staad und kennt die Gegend bestens.

Über zehn Bewerbungen sind eingegangen

Gefunden wurde der von der Findungskommission nun als Einerkandidatur präsentierte SVP-Politiker laut Patrick Möckli von der Premium-Job AG per Inserat und durch das übliche Auswahlverfahren. «Neben Matthias Gehring haben sich über zehn weitere Personen auf unsere Print- und Online-Inserate gemeldet, darunter war eine Frau.» Sämtliche Bewerber hätten ausführliche Unterlagen samt Lebenslauf einreichen müssen. Durch die strikte Geheimhaltung aller beteiligter Personen sei die Diskretion für die Kandidatinnen und Kandidaten gewährleistet gewesen.

Kommission arbeitet mit Jobbüro zusammen

Die überparteiliche Findungskommission (FiKo) besteht aus Vertreterinnen und Vertretern der FDP (Peter Hensel), Die Mitte (Markus Eigenmann), SP (Andrea Schöb) und SVP (Axel Ziegler). Sie hat im April die Arbeit zur Nachfolgeregelung für das Gemeindepräsidium der Gemeinde Thal aufgenommen, nachdem Felix Wüst per Ende September seinen Rücktritt angekündigt hatte. Die FiKo ist dabei vom externen Personaldienstleister Premium-Job AG in Rorschach professionell unterstützt worden. Kandidatinnen und Kandidaten erhielten so die Möglichkeit, ihr Interesse neutral und von der Kommission zugesichert anonym bekannt zu geben. Nach einem vordefinierten Selektionsverfahren konnte die Findungskommission aus einem Kreis von über zehn Bewerberinnen und Bewerbern drei Kandidatinnen und Kandidaten auswählen, die sich dann näher präsentierten. Dabei fiel die Wahl einstimmig auf Matthias Gehring. (rtl)

Noch keine Gegenkandidatinnen oder -kandidaten

Die Mitglieder der Thaler Findungskommission empfehlen den Stimmberechtigten am Sonntag, 26. September, Matthias Gehring als neuen Gemeindepräsidenten von Thal per 1. Januar 2022. Nicht nur die Findungskommission kann allerdings Frauen oder Männer zur Wahl vorschlagen. Das Rennen um das Gemeindepräsidium ist für alle Interessierten mit Schweizer Pass weiter offen. Das Formular dafür kann bei der Gemeinderatskanzlei bezogen oder online heruntergeladen werden. Kandidaturen sind der Gemeinderatskanzlei bis 9. Juli, 16 Uhr, einzureichen.

Aktuell schein es noch keiner weiteren Anwärterinnen oder Anwärter für das Gemeindepräsidium zu geben. Bei der Gemeindekanzlei gibt man sich auf Anfrage zugeknöpft. «Wir dürfen nichts dazu sagen.» Und auch der noch amtierende Gemeindepräsident Felix Wüst gibt sich geheimnisvoll. «Ich weiss noch von nichts», lautet seine Antwort.

Gehring will sein Amt in Hauptwil-Gottshaus auch im Fall, dass es mit der Wahl in Thal nicht klappen sollte, nach zehneinhalb Jahren niederlegen.

Ab Ende September ist das Büro des Gemeindepräsidenten (hinter den Blumen rechts) im Thaler Rathaus verwaist.

Ab Ende September ist das Büro des Gemeindepräsidenten (hinter den Blumen rechts) im Thaler Rathaus verwaist.

Bild: jor