In alten Schriften blättern: Der St.Galler Stiftsbezirk öffnet am Sonntag seine Türen

Am Sonntag findet in St.Gallen zum vierten Mal der Unesco-Welterbetag statt. Auf kostenlosen Führungen können sich alle Interessierten auf die Spuren von Gallus und Otmar begeben.

Roger Berhalter
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Blättern erlaubt: Im neuen Ausstellungssaal des Stiftsarchivs finden sich auch interaktive Elemente. (Bild: Urs Bucher (13. April 2019))

Blättern erlaubt: Im neuen Ausstellungssaal des Stiftsarchivs finden sich auch interaktive Elemente. (Bild: Urs Bucher (13. April 2019))

Einmal einen Blick auf den St.Galler Klosterplan werfen, sich den Reliquien des heiligen Otmars nähern, oder so schreiben, wie es die mittelalterlichen Mönche taten: Das und mehr ist am Sonntag am Unesco-Welterbetag möglich.

Zum vierten Mal lädt der Verein Weltkulturerbe Stiftsbezirk St.Gallen zu einem Tag der offenen Türen und bietet ab 13 Uhr kostenlose Führungen und einen Schreibworkshop für Kinder an. Unter dem Motto «Zeitlos, einzigartig, inspirierend» soll die interessierte Bevölkerung an diesem Tag in die Geschichte des Stiftsbezirks eintauchen können.

Treffpunkt Infowürfel auf dem Klosterplatz

Der St.Galler Welterbetag beginnt um 12.45 Uhr mit Fanfaren: Die Turmbläser der Dommusik werden den Anlass musikalisch eröffnen. Danach stehen fünf verschiedene Führungen auf dem Programm, die alle beim Infowürfel vor dem Haupteingang der Kathedrale starten.

Um 13/13.45/14.30 und 15.15 Uhr laden Vermittlerinnen von St.Gallen-Bodensee Tourismus zu einer Führung mit dem Titel «Klosterkirche damals und Kathedrale heute». Auf einem Rundgang durch den Gewölbekeller und den Dom zeigen sie die architektonischen Veränderungen zwischen dem Gozbert-Münster und der heutigen Kathedrale auf.

Der Klosterbezirk aus der Drohnenperspektive. Vor den Türmen der Kathedrale gut erkennbar ist die Bühne der St.Galler Festspiele. (Bild: Urs Bucher (5. Juni 2019))

Der Klosterbezirk aus der Drohnenperspektive. Vor den Türmen der Kathedrale gut erkennbar ist die Bühne der St.Galler Festspiele. (Bild: Urs Bucher (5. Juni 2019))

Um 13.15/14/14.45 und 15.30 Uhr können Interessierte zur Otmars-Krypta in der Kathedrale hinuntersteigen, sich dort auf die Spuren des heiligen Otmars begeben.

Um Otmar geht es auch bei der Kuratorenführung des Stiftsarchivs durch den neuen Ausstellungssaal, der im April in Anwesenheit von Bundesrat Alain Berset feierlich eröffnet wurde. Der Rundgang wird um 13.30/14.15 und 15 Uhr angeboten und ermöglicht einen Einblick in die Arbeit des Archivs. Die Besucher können in der Ausstellung an interaktiven Stationen Pergamente berühren, alte Schreibutensilien entdecken und Siegel betrachten.

Von den Anfängen im Wald bis zum barocken Prunk

Um 13 und 14 Uhr führt Andreas Nievergelt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftsbibliothek, unter dem Titel «Gallus und sein Kloster – von den Anfängen im Wald bis zum barocken Prunk» in den Gewölbekeller. Stiftsbibliothekar Cornel Dora lädt alle Interessierten um 14.30 und 15.30 Uhr zu einer Führung durch die Stiftsbibliothek ein. Auch da ist der heilige Otmar Thema, im Rahmen der aktuellen Sommerausstellung in der Bibliothek.

Unter dem Titel «Schafe, Tintenklecks und Muskelkater» bieten die Veranstalter zwischen 13 und 16 Uhr einen durchgehenden Workshop für Kinder (ohne Altersbegrenzung) an. Mit Tinte und Rohrfeder können die Kleinen so schreiben, wie die Mönche im Frühmittelalter, und schliesslich ihren Namen mit kunstvoll verzierten Initialen mit nach Hause nehmen.

Im Stiftsbezirk wird investiert

Morgen findet im Stiftsbezirk der erste St. Galler Unesco-Welterbetag statt. Ziel: Die einheimische Bevölkerung für den Schutz der Kostbarkeiten zu sensibilisieren. Und: Das Weltkulturerbe soll erlebbar werden – auch dank Investitionen.
Daniel Wirth