Interview
Der St.Galler Theaterdirektor Werner Signer zu den Festspielen: «Der Klosterplatz ist nur neun Wochen belegt, nicht drei Monate»

Am Dienstag entschied der Kantonsrat, dass die Festspiele auf dem Klosterplatz bleiben dürfen. Mitten in den Vorbereitungen zur Premiere von «Wüstenblume» gibt sich Theaterdirektor Werner Signer im Interview erleichtert über den Entscheid.

Sandro Büchler
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Werner Signer, Direktor des Theaters St.Gallen, bei der Pressekonferenz zur Musical-Uraufführung des Buchbestsellers «Wüstenblume».

Werner Signer, Direktor des Theaters St.Gallen, bei der Pressekonferenz zur Musical-Uraufführung des Buchbestsellers «Wüstenblume».

Michel Canonica (7. März 2019)

Am Dienstag stimmten 62 Kantonsräte gegen und 45 für die Motion «Klosterplatz schützen statt kommerzialisieren». Wäre die Motion angenommen worden, hätte dies das Aus für Festspiele bedeutet. Wie nehmen Sie das Abstimmungsergebnis zur Kenntnis?

Mit Genugtuung.

Es gab doch überraschend viele Ja-Stimmen. Werten Sie das Resultat als Denkzettel?

Denkzettel ist nicht der passende Ausdruck. Und wenn man berücksichtigt, dass die Motion aus den Reihen der SVP kam, die im Kantonsrat eine 40-köpfige Fraktion stellt, ist das Ergebnis auch nicht wirklich überraschend. Wir sind uns bewusst, dass Interventionen im öffentlichen Raum unterschiedlich beurteilt werden können.

Was hätte dies für die Festspiele bedeutet, wäre die Motion angenommen worden?

Wir haben stets betont, dass die Legitimation der St.Galler Festspiele auf der Kraft des Ortes beruht. Eine Verlegung an einen anderen Ort würde keinen Sinn ergeben und die Festspiele als Ganzes in Frage stellen. Das hat schon 2012 die von der Regierung des Kantons St.Gallen in Auftrag gegebene Studie «Strategische Evaluation der St.Galler Festspiele» festgehalten: «Das Fehlen der spirituellen Ausstrahlung des Kraftortes Stiftsbezirk würde das Gesamtkonzept seines Kerngedankens berauben.»

Was löst das Ergebnis aus? Werden die Festspiele in gewohnter Art und Weise durchgeführt oder gibt es allfällige Anpassungen?

Änderungen und Anpassungen gab es seit den ersten St.Galler Festspielen im Jahr 2006, das ist ein laufender Prozess. Man gewinnt jedes Jahr neue Erkenntnisse. So ist beispielsweise der Platz während der Festspiele längst nicht mehr, wie noch in den Anfängen, abgeschlossen. Wir freuen uns jeweils zu sehen, wie schon die Vorbereitungen und Proben auf grosses Interesse stossen und Einheimische und Touristen anziehen. Aber am Grundkonzept der Festspiele halten wir fest.

Gab es in der Vergangenheit oder gibt es in naher Zukunft von Seiten des Theaters eigentlich Gespräche mit Kritikern, die den Schutz des Klosterplatzes höher gewichten als dessen Bespielung?

Als öffentliche Institution ist das Theater im Daueraustausch mit seinen Besucherinnen und Besuchern und der Bevölkerung. Und bezüglich der Festspiele insbesondere auch mit allen Beteiligten, also dem Kanton, der Stadt und den Kirchen.

Mit welchen Worten würden Sie auf solche Kritiker zugehen, wenn sie mit ihnen zu einer Gesprächsrunde eingeladen werden?

Die St.Galler Festspiele haben sich in den 14 Jahren ihres Bestehens zu einem weit über die Region ausstrahlenden Kulturereignis entwickelt. Darauf dürfen die St.Gallerinnen und St.Galler stolz sein. Die erwähnte Studie hält fest – und davon sind auch wir überzeugt –, dass die Festspiele als attraktives Kulturangebot einen Beitrag an die Positionierung der Region als Wohn- und Wirtschaftsstandort leisten und die Standortattraktivität erhöhen. Wir haben aber auch den Wunsch an die Kritiker, mit der Wahrheit korrekt umzugehen und die Faktenlage als Diskussionsgrundlage zu nehmen. Entgegen anderslautenden Behauptungen ist der Platz nie ganz belegt. Der grössere Teil ist sogar während der Proben ungehindert zugänglich. Und es stimmt nicht, dass die Festspiele den Klosterhof wie immer wieder behauptet drei Monate jährlich beanspruchen. Inklusive Auf- und Abbau und Wiederbegrünung des Rasens sind Teile des Platzes jeweils neun Wochen belegt.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.