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Der St.Galler Stadtrat will mehr Grün statt Grau im Strassenraum

Die Städte werden immer wärmer, auch St. Gallen ist davon nicht ausgenommen. Die Grünliberalen im Stadtparlament forderten deshalb mehr Grün für Strassen und Plätze. Der Stadtrat zeigt sich bemüht.
Luca Ghiselli
Trotz einiger Bäume dominiert auch auf dem neu gestalteten Bahnhofplatz die Farbe Grau. (Bild: Urs Bucher, 30. August 2018)

Trotz einiger Bäume dominiert auch auf dem neu gestalteten Bahnhofplatz die Farbe Grau. (Bild: Urs Bucher, 30. August 2018)

Sie macht dieser Tage alles andere als den Anschein, aber die Stadt St. Gallen ist eine urbane Hitzeinsel. Mit «Urban Heating Islands» bezeichnen Fachleute städtische Gebiete, in denen zahlreiche Flächen versiegelt oder betoniert sind und so die Wärme anziehen.

So kam es auch, dass in St. Fiden, der Innenstadt und dem Westen diesen Sommer die Temperaturen nachts öfters nicht unter 25 Grad fielen. Gleichzeitig fällt auf, dass die St. Gallen im Vergleich mit anderen Schweizer Städten nur wenig Erholungsflächen bietet, die während heisser Tage Entlastung brächten. Bei Erhalt und Schaffung von Grünflächen schneidet St. Gallen nicht besonders gut ab.

Nur rund ein Drittel der Gesamtfläche sind Grün- und Waldflächen. Schlechter schneiden nur Luzern, Basel und Genf unter den acht grössten Schweizer Städten ab.
Auch aus diesem Anlass hat die Fraktion der Grünliberalen im Stadtparlament im vergangenen Herbst eine Interpellation mit dem Titel «Mehr Grün im Strassenraum» eingereicht. Sie fragte den Stadtrat unter anderem, warum er den Einbau wasserdurchlässiger Beläge nicht konsequent umsetze und ob es zusätzliche interne Leitlinien für die Begrünung des Strassenraums brauche.

Dabei nannten die Grünliberalen auch einige negative Beispiele: Die Strassenraumgestaltung auf Höhe Haltestelle Grütlistrasse im Krontal zum Beispiel: 13 Meter breite Strasse, Trottoir, geteerte Vorplätze.

Stadtrat will keine zusätzliche Richtlinie

Nun liegt die Antwort vor. Darin stimmt der Stadtrat den Interpellanten insofern zu, als dass Städte besonders von klimatischen Veränderungen betroffen sind. «Durch versiegelte Flächen wird die Versickerung und Speicherung von Regenwasser verhindert und die Absorption der Sonneneinstrahlung verstärkt, was die nächtlichen Temperaturen messbar ansteigen lässt.» Bäume und Grünräume seien deshalb in der Stadt «wesentliche Akteure für die positive Beeinflussung des Klimas».

Gerade Strassenraumbegrünungen seien in diesem Zusammenhang wichtig: Nicht nur fürs Klima, sondern auch für die räumliche Ordnung, die Orientierung und die Verbesserung der Lebensqualität. Deshalb unterstütze der Stadtrat die Prüfung und Umsetzung von Grünflächen und Baumpflanzungen im Strassenraum. Eine zusätzliche interne Richtlinie brauche es dafür nicht.

Nicht der erste Versuch für mehr Grün im Stadtbild

Die Interpellation der Grünliberalen ist nicht der erste Versuch im Stadtparlament, den Stadtrat dazu zu bewegen, in Strassennähe mehr Grünflächen zu erstellen. Im September 2016 reichten Basil Oberholzer (Junge Grüne) und Clemens Müller (Grüne) bereits ein Postulat mit dem Titel «Graues Herz im Grünen Ring» ein. Das Parlament folgte damals dem Antrag des Stadtrats und erklärte den Vorstoss nicht erheblich, sodass der Stadtrat keinen Postulatsbericht zum Thema vorlegen musste.

Basil Oberholzer, der inzwischen aus dem Stadtparlament zurückgetreten ist und für die Grünen im Kantonsrat sitzt, sagt auf Anfrage: «Der Handlungsbedarf ist immer noch gross.» Gerade der neu gestaltete Bahnhofplatz zeige, dass es noch viel zu tun gebe. «Das Bahnhofpärkli ist heute eine versiegelte Fläche, ausserdem stehen viel zu wenig Bäume auf viel zu viel Asphalt.»

Dasselbe Erscheinungsbild bedauert Oberholzer am Bahnhof Nord bei der Fachhochschule. «Das ist eine Betonwüste, in die man einige wenige Bäume in Säcken gestellt hat.» Das sei zwar besser als nichts, jedoch alles andere als ideal. «Die Stadt hat sich oft nicht für die ökologische, sondern für die bequeme Variante entschieden», sagt Oberholzer. Das gelte es zu ändern, wenn man dem Urban-Heating-Effekt wirksam begegnen wolle. (ghi)

Die betroffenen Dienststellen arbeiten nach dem 2005 erstellten Konzept «Bäume im Strassenraum». Die Stadt verfolge bereits heute in diversen Strategien sowie in eigenen und Drittprojekten die Stärkung des Grün- und Freiraums. Um die Strassenraumgestaltung noch stärker fokussieren zu können, sollen zudem künftig sämtliche Strassenabschnitte bei anstehenden Bauarbeiten auf deren Aufwertung geprüft werden.

Vorplätze sollen unversiegelt bleiben

Handlungsbedarf sieht der Stadtrat hingegen bei der konsequenten Umsetzung des Artikels in der Bauordnung, der vorsieht, dass private Verkehrsanlagen und Vorplätze wenn immer möglich unversiegelt bleiben. Ausnahmen stellen zum Beispiel Autowaschanlagen dar, die einen dichten Belag verlangen. Der Artikel werde zwar von der Baubewilligungsbehörde eingefordert. «Aufgrund einer Gesamtabwägung erhielten andere Kriterien zum Teil mehr Gewicht.» Deshalb will der Stadtrat in Zukunft den Artikel konsequenter einfordern.

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