Der St. Galler Schulleiter Ralf Schäpper hat in seinem Schulhaus die Hausaufgaben abgeschafft: «Es ist nicht meine Aufgabe zu konservieren, was die letzten 30 Jahre gemacht wurde»

Der Versuch der Primarschule Feldli-Schoren, auf Hausaufgaben zu verzichten, kommt gut an. Der Schulleiter sieht sich bestätigt.

Christina Weder
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Ralf Schäpper, Schulleiter Feldli-Schoren.

Ralf Schäpper, Schulleiter Feldli-Schoren.

Lisa Jenny (20. Januar 2020)

Welche ist die wichtigste Erkenntnis aus dem Experiment «Ein Schuljahr ohne Hausaufgaben»?

Das Thema Hausaufgaben ist sehr umstritten. Doch es hat sich gezeigt, dass viele Eltern offen sind für Neues. Es ist schön, wenn man diese Unterstützung hat, um etwas auszuprobieren.

Hätten Sie sich vorstellen können, wieder zu herkömmlichen Hausaufgaben zurückzukehren?

Wenn das Ergebnis der Umfrage anders herausgekommen wäre, hätten wir uns das überlegen müssen. Aber ich bin überzeugt, dass es aus pädagogischer Sicht ein Rückschritt gewesen wäre.

«Es hätte mir weh getan.»

Warum?

Es ist nicht meine Aufgabe als Schulleiter zu konservieren, was die letzten 30 Jahre gemacht wurde. Die Gesellschaft verändert sich, das Lernen auch. Da passen traditionelle Hausaufgaben nicht mehr ins Konzept.

Es gibt Stimmen, die sagen, dass Hausaufgaben die Selbständigkeit fördern und die Übungszeit erhöhen. Sind Kinder, die keine Hausaufgaben machen, nicht im Nachteil gegenüber anderen?

Das ist schwierig auszuwerten. Wir werden den Austausch mit der Oberstufe suchen, um mehr darüber zu erfahren. Punkto Selbständigkeit stellt sich die Frage, wie man diese fördern will: Müssen Kinder einfach einen Auftrag erfüllen? Oder müssen sie selbst überlegen, wie sie ihre Aufgaben einteilen und woran sie arbeiten wollen? Wir wollen letzteres fördern. Es geht uns ums selbstverantwortliche Lernen.