Der St.Galler Bridge Club kämpft gegen Mitgliederschwund

Bridge ist ein taktisches Spiel und gut fürs Hirn. Ein St.Galler Verein möchte dafür begeistern.

Meret Bannwart
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Bridge ist ein Spiel für Teamplayer: Man spielt es immer zu zweit gegen ein anderes Paar.

Bridge ist ein Spiel für Teamplayer: Man spielt es immer zu zweit gegen ein anderes Paar.

Bild: Lisa Jenny

Bridge ist ein Denksport auf höchstem Niveau, vergleichbar mit Schach. Der Vorteil gegenüber Schach: Es ist ein Spiel für Teamplayer. In den skandinavischen Ländern sowie in Polen, Holland und Israel wird Bridge zur Förderung der Konzentrationsfähigkeit, des logischen Denkens, der Zusammenarbeit und der Kommunikation bereits in der Schule unterrichtet.

In der Schweiz sieht die Situation anders aus. Auch um den Nachwuchs im St.Galler Bridge Club ist es nicht gut bestellt. Der Verein, der 2019 sein 30-jähriges Bestehen feierte, kämpft gegen Mitgliederschwund. Dies ist laut Präsidentin Isabelle Zurschmiede auf die Unbekanntheit des Spiels und das zunehmende Alter der Mitglieder zurückzuführen. Nun möchte der Verein Ostschweizer für Bridge begeistern. Am 22. März gibt es einen Tag der offenen Tür.

Auch Bill Gates liebt das Spiel

Dabei könnte man sich an prominenten Vorbildern orientieren: Unternehmer Warren Buffet und Microsoft-Gründer Bill Gates sind bekennende Bridge-Enthusiasten. Und in Agatha Christis Kriminalroman «Mit offenen Karten» verdankt Detektiv Hercule Poirot die Aufklärung des Falles seinen Bridge-Kenntnissen.

Gefahr lauert im St.Galler Bridge Club nicht, dafür ist der Enthusiasmus der Spieler spürbar. Rita Hollenstein, Marian Kratschla, Eliano und Daniela Ramelli sitzen um einen Tisch im Club, der im Zentrum St.Gallens in der Nähe des Roten Platzes eingemietet ist.

Das Ehepaar Ramelli tritt gegen Hollenstein und Kratschla an. Nachdem die Spieler ihre französischen Jass-Karten erhalten haben, steigt die Spannung. Die Vier beginnen mit der Phase, die man «Reizen» nennt. Für Nicht­Eingeweihte wirkt es wie eine Geheimsprache. Die Paare versuchen sich durch Codes, sogenannte «Konventionen», ihr Blatt mitzuteilen, die Gegner bekommen die Infos bei aufmerksamem Mitdenken auch mit.

Marian Kratschla kennt das Spiel seit seiner Kindheit und verfügt über ausgeklügelte Spieltaktiken. «Beim Bridge muss man nicht nur richtig mit seinem Partner kommunizieren, es ist auch wichtig, die Gegner zu lesen», sagt Kratschla. In der zweiten Runde werden die Karten ausgespielt. Am Ende wird die Partie reflektiert und diskutiert. Schnell ist klar: Bridge ist eine emotionale Angelegenheit.

So funktioniert Bridge

Bridge ist ein Kartenspiel für vier Personen, immer zwei Spielpaare treten gegeneinander an. Gespielt wird mit französischen Spielkarten. Wie beim Jass ist das Ziel, möglichst viele Stiche zu machen. Jedoch gibt es vorgängig eine erste Phase, die man «Reizen» nennt. Hier wird über «Konventionen», die gelernt werden müssen, ermittelt, was das Blatt des Partners ist. Die Gegenseite kann mitdenken und bei logischem Kombinieren ausfindig machen, was die anderen für Karten haben. Dann legt ein Paar fest, wie viele Stiche es machen wird. Ziel ist, mindestens die angesagte Stichzahl zu erreichen – die andere Seite versucht dies zu verhindern. (meb)

Auch mit schlechten Karten kann man gewinnen

Isabelle Zurschmiede, Präsidentin St.Galler Bridge Club

Isabelle Zurschmiede, Präsidentin St.Galler Bridge Club

Bild: Lisa Jenny

«Bridge macht glücklich und hält mich jung», sagt Vereinspräsidentin Isabelle Zurschmiede. Beim Bridge trainiere sie ihr Hirn, daher sei es auch eine gute Demenzvorsorge. Vor fünf Jahren hat die 60-Jährige über eine Freundin zum Spiel gefunden.

Auch Eliano Ramelli, technischer Leiter des Clubs, ist angefressen. Besonders gefällt ihm, dass der Sieg weniger vom Kartenglück abhängig ist als in anderen Kartenspielen. Mit dem richtigen Partner, guter Spielstrategie und logischem Kombinieren gewinne man auch mit schlechten Karten. Seine Frau Daniela Ramelli machte ihn mit Bridge bekannt.

«Die Kinder sind gross geworden. Da suchten wir uns ein neues Hobby.»

Dreimal die Woche veranstaltet der Verein Turniere. Damit auch Spieler ohne festen Spielpartner teilnehmen können, gibt es sogenannte Joker. Diese tauchen nur bei ungerader Anzahl Turnierteilnehmer auf. Nach dem Tag der offenen Tür im März, organisiert der Verein eine Bridge-Lehrerin, um den Neueinsteigern das Spiel unkompliziert beizubringen. Bei Fragen kann man sich auch direkt per E-Mail melden (BridgeSG@gmx.ch). Interessierte warnt Präsidentin Isabelle Zurschmiede augenzwinkernd:

«Bridge ist wie ein Virus: ansteckend. Zum Glück gibt es keine Impfung dagegen.»

Hinweis: Tag der offenen Tür: 22. März, von 10 bis 17 Uhr, Frongartenstrasse 11, www.bridgewebs.com/stgallen