Der Steinacher Andreas Graf kandidiert jetzt auch für das Gemeindepräsidium

Andreas Graf stellt sich in Steinach zur Wahl als Gemeindepräsident. Er zählt auf seine Unabhängigkeit.

Sheila Eggmann
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«Alles ist entweder verboten, reglementiert oder obligatorisch», sagt der kandidierende Andreas Graf. (Bild: Michel Canonica)

«Alles ist entweder verboten, reglementiert oder obligatorisch», sagt der kandidierende Andreas Graf. (Bild: Michel Canonica)

Die Steinacher Ortspartei der FDP hat sich kürzlich knapp für die Unterstützung eines Gegenkandidaten entschieden – und Andreas Graf findet das in Ordnung.

«Der Bürger kann jetzt entscheiden, ob er jemanden will, der von den Parteien unterstützt wird oder einen, der unabhängig ist.»

Es regnet. Andreas Graf sitzt im bis zum letzten Platz besetzten Steinacher Kaffee Füger, spricht ausdauernd und zeitweise detailliert über Fragen der Gesellschaft. Der 56-Jährige kandidierte schon oft für politische Ämter. Einmal für den Ständerat und je einmal für den Regierungs-, und Nationalrat. Eine Wahl war ihm aber nie geglückt.

Für die CVP war er in der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission in Steinach, bei den St.Galler Grünen vier Jahre Co-Parteipräsident. Auf seiner neuen Webseite steht treffend zum Durchhaltewillen: Der Weg ist das Ziel.

Jetzt probiert es Graf also nochmals und nimmt das Amt des Steinacher Gemeindepräsidenten ins Visier. Wieso tut er das? «Aus den gleichen Gründen, wieso ich auch für die anderen Ämter kandidiert habe», sagt er. «Weil wichtige und zentrale Probleme des Landes nicht gelöst werden.» Er nennt die Stichworte Altersvorsorge und Pensionskasse, Krankheitssystem, Verkehrsproblem und Naturschutz.

«In der Schweiz gibt es einige Systemfehler»

Der Steinacher ist, nachdem er im Jahr 2015 bei den Grünen ausgetreten ist, parteifrei. «Ich habe mein dortiges Amt aufgegeben, weil ich als Einziger gegen die Erbschaftssteuer war.» Ausserdem finde er die Art und Weise, wie Parteien Probleme lösen wollen, nicht nachhaltig. «Jeder beharrt auf den Interessen der Partei und ist nicht an Lösungen interessiert. Es gibt in der Schweiz einige Systemfehler.»

Er wiederum wolle bei Diskussionsfragen die verschiedenen Seiten anhören, gute Lösungen finden und diese umsetzen. «Ohne grosse Umschweife oder Bürokratie.» Doch «einfach nur brav und nett sein, bringt uns nicht weiter». Den grossen Parteien weist Graf zudem die Verantwortung einer überreglementierten Schweiz zu.

«Alles ist entweder verboten, reglementiert oder obligatorisch. Darunter leidet unsere Wirtschaft und vor allem die Menschen.»

Graf will sich nicht in ein politisches Schema einreihen. Doch bei einem Thema teilt er die Ansichten seiner ehemaligen Partei: der Artenvielfalt. «Die Überdüngung unserer Böden und der Einsatz von Agrochemie sind zu einem grossen Anteil für das Artensterben verantwortlich», sagt er. Dass in den Medien behauptet werde, die Landwirtschaft würde ohne Insektizide und Herbizide nicht mehr funktionieren, das sei ein Märchen. «Biologisch wirtschaftende Bauern beweisen das seit 30 Jahren.»

Magerwiesen, günstiger Wohnraum und Bewegung

Graf hat für Steinach bereits jetzt viele Ideen. Beim Thema Artenvielfalt würde er sich dafür einsetzen, mehr Gemeindewiesen stehen zu lassen. Und vor allem die Bauern zu unterstützen. Ausserdem ist er für eine schlanke Gemeindeverwaltung, will hochwertigen Wohnraum schaffen, gesunde Nahrungsmittel aus der Gegend, die Bevölkerung zum Bewegen animieren und erneuerbare Energien, auch ohne Subventionen, fördern. Allgemein: «Ein Vorbild für andere Gemeinden sein.»

Graf lebt seit 56 Jahren in Steinach mit kurzen Unterbrüchen. «Ich kenne die Gemeinde gut und beobachte die Entwicklung der Schweiz genau.» Er ist selbstständiger Unternehmer in den Bereichen Controlling, Kommunikation und Organisation, verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit spielt er Tennis, geht Wandern, pflegt seinen Permakulturgarten.

Zum Abschluss sagt Graf: «Wenn sie in diesem Land etwas bewirken wollen, müssen sie nicht auf den Bund oder die fünf grossen Parteien warten. Sie müssen direkt hier und bei sich selber anfangen und ein gutes Vorbild sein.» Dann steht er auf, steigt in sein Auto und fährt zu einem Kunden.